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Virus-Epidemie: Braucht die Schweinegrippe einen neuen Namen?

Kein Schwein hat die Grippe - zumindest nicht die grassierende Viruserkrankung. Allerdings scheint das Tier einmal eine Schlüsselrolle bei der Entstehung des Erregers gespielt zu haben. Experten fordern nun, die Krankheit umzubenennen - und präsentieren gleich mehrere Vorschläge.

Der Begriff Schweinegrippe führt in die Irre: Denn während das neue Virus sich rasch unter Menschen verbreitet und sogar den Sprung von Amerika nach Europa geschafft hat, ist es bislang noch bei keinem einzigen Schwein festgestellt worden. Allerdings vermuten Experten, dass die Vierbeiner eine Schlüsselrolle gespielt haben bei der Entstehung des Erregers, der Erbgut der Grippeviren von Schwein, Mensch und Vögeln in sich vereint.

Denn die Schweine sind im Gegensatz zu Mensch und Geflügel besonders anfällig für Grippeviren anderer Spezies. Isoliert wurden die klassischen Schweinegrippe-Viren vom Typ A H1N1 erstmals im Jahr 1930. Die weltweit verbreitete Krankheit stellt Landwirte selten vor größere Probleme, denn Impfungen schützen die Tiere recht zuverlässig.

Ebenso wie die Vogelgrippe sprang auch die Schweineinfluenza bislang nur sporadisch auf Menschen über. Allerdings registriert die US-Gesundheitsbehörde CDC seit 2005 einen Anstieg solcher Infektionen.

Wegen des verwirrenden Namens, fordern nun einige Gesundheitsexperten eine Begriffänderung und haben gleich mehrere Namen für die Virus-Erkrankung ins Spiel gebracht: Die Vorschläge reichen von "Mexiko-Grippe" bis "Neue Grippe". Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, sagte, einige Behörden verwendeten inzwischen die Bezeichnung "Neue Grippe" - um zu betonen, dass vom Verzehr von Schweinefleisch keine Gefahr ausgeht. Das RKI selbst schreibt etwas umständlich von der "neuen Grippe A/H1N1".

Die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) wiederum möchte von einer "Nordamerikanischen Grippe" sprechen. "Man sollte nicht von Schweinegrippe sprechen, sondern lieber den geografischen Ursprung benennen", sagte OIE-Generaldirektor Bernard Vallet. Der österreichische Mediziner Christoph Wenisch ist für den Namen "Mexikanische Grippe". Die Krankheit habe in Mexiko ihren Ausgang genommen, so Wenisch, der als Abteilungsleiter im Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien arbeitet, zur Begründung. In der Regel werden Erreger nach der Region benannt, in der sie erstmals isoliert werden.

Auch der Bauernverband in Schleswig-Holstein plädiert für die "Mexikanische Grippe" - allerdings aus ganz anderen Motiven. Die Bauern fürchten einen Imageverlust: Das Virus treffe allein wegen seines Namens einen Wirtschaftszweig, der gerade erst aus einer langen Talsohle herauskomme, sagte Verbandspräsident Werner Schwarz. "Die Grippe hat mit Schweinen nichts, aber auch gar nichts zu tun." Den gleichen Standpunkt vertritt übrigens auch die US-Regierung, die durch in der Bezeichnung eine Rufschädigung des Nutztiers fürchtet.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters