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20 Grad im November: Friesischen Rotwein, bitte!

Ja, das da draußen ist der N-O-V-E-M-B-E-R. Und in ein paar Wochen feiern wir wirklich Weihnachten, nicht Ostern. Merken Sie endlich den Klimakollaps? Sehen Sie die Vorboten der Katastrophe?

Eine Glosse von Frank Ochmann

Zwanzig Grad können es werden in diesen Tagen, heißt es aus den Wetterzentralen. Zumindest um Freiburg herum oder in den Niederungen der Mosel. Kofi Annan, scheidender Generalsekretär der Vereinten Nationen, hat die Weltgemeinschaft bei der Klimakonferenz in Nairobi noch einmal wachgerüttelt: Einer "allumfassenden Bedrohung" stünden wir gegenüber, hat er verkündet. Und den Ungläubigen und Zweifelnden - die gibt es tatsächlich noch - soll am besten keiner mehr zuhören, sagt der Uno-General als wäre er Papst in Rom oder Präsident in Teheran.

Nun geht es zwar auch beim Klima irgendwie um Himmlisches. Doch anders als die Religion zieht die Wissenschaft ihre Kraft aus lebendigem Dialog, nicht aus gläubigem Verstummen. Und statt wie in Kirche oder Moschee ergriffen zu Boden zu sinken und das kommende Weltgericht zu beweinen, können wir es ja fürs Erste mit Selberdenken probieren.

Glutofen Bonn, damals

Nehmen wir Bonn zum Beispiel. Da stellte die städtische Statistikstelle schon für den Oktober fest, er sei der wärmste seit 1921 gewesen. Die monatliche Rekordtemperatur allerdings konnte er nicht knacken: Der wärmste je gemessene Oktobertag in Bonn war der 2. Oktober 1933. Da schob sich das Quecksilber im Thermometer auf 29,5 Grad hoch.

Während Sie womöglich schon auf den Weltuntergang warten, schauen Sie bitte noch einmal genau auf diese Zahlen. Wie kann es denn 1921 auch schon so warm, ja sogar am wärmsten gewesen sein, wenn es den richtig schlimmen Klimawandel doch noch gar nicht geben konnte, höchstens einen klitzekleinen? Auch keine Autobahnen mit endlosen, Kohlendioxid speienden Blechkolonnen. Die Industrie war auch noch nicht so weit wie heute. Und George W. Bush war bestimmt nicht Präsident der USA. Trotzdem wurde es unfassbar heiß im Herbst 1921. Geheimnis des Glaubens ...

Kein Sturm, keine Kassandra

Vielleicht ist Ihnen ja auch etwas anderes aufgefallen. Trotz angeblich nahendem Klimakollaps sind dieses Jahr die Nordatlantikstürme nicht so richtig in Fahrt gekommen. Zwar wirbelte schon der eine oder andere übers Meer. Aber nicht ein einziger nennenswerter Hurrikan traf bislang die Küste der USA, obwohl sich die Saison schon zum Ende neigt.

Sicher erinnern Sie sich noch an die Kassandrarufe mancher Klimaforscher, als Hurrikan Katrina im vergangenen Jahr New Orleans unter Wasser setzte. Durfte da denn noch jemand zweifeln, dass die Apokalypse ihren Anfang genommen hatte, ohne als menschenverachtender Zyniker zu gelten oder zumindest als dumm genug, um die Erde für eine Scheibe zu halten? In diesem Jahr aber kommentiert keine Kassandra das Ausbleiben der Stürme. Vielleicht hat es ja keiner gemerkt ...

Cabernet Sauvignon aus Friesland

Doch sollen die Katastrophentheoretiker nicht verzagen. Im nächsten Jahr wird bestimmt alles anders und mindestens eine ostamerikanische Stadt durchgeschüttelt. Und bis dahin können wir uns ja in der wärmenden Novembersonne zurücklehnen und von einem friesischen Cabernet Sauvignon träumen.