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Ambrosia: Der Schrecken der Allergiker

Eine aus Nordamerika eingewanderte Pflanze lehrt Allergiker das Fürchten: Die äußerst aggressiven Pollen der Beifuß-Ambrosie können Heuschnupfen und Asthma auslösen. Ärzte schlagen Alarm.

Nicht nur das Einatmen ihrer Pollen, auch die Ambrosie selbst ist unangenehm. Wer die Pflanze berührt, kann einen Hautausschlag bekommen. Im Zuge der Globalisierung hat das Gewächs, das in Australien schlicht "asthma plant" heißt, in Europa Fuß gefasst.

Auch in Deutschland, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, wurden größere Bestände entdeckt, wie der Ökologe Stefan Nawrath von der Universität Frankfurt am Main berichtet: "Gerade in Bayern besteht dringend Handlungsbedarf." Das unscheinbare Gewächs, das gern auf Schutthalden und an Straßenrändern wächst, kann bis zu zwei Meter hoch werden.

Es blüht spät im Jahr - nämlich von August bis Oktober - und produziert dabei große Mengen von Pollen, die vom Wind verteilt werden. Experten befürchten, dass sich die Heuschnupfen-Saison dadurch verlängert: "In Deutschland verursachen die Frühjahrsblüher die Hauptschübe", sagt die Sprecherin der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Braunschweig, Gerlinde Nachtigall.

Deutliche Verlängerung der Heuschnupfen-Saison

Bald könnten die Beschwerden bis in den Spätherbst hinein andauern. Ein Exemplar kann bis zu 62.000 Samen produzieren, die im Boden rund 40 Jahre lang lebensfähig bleiben können. Die Beifuß-Ambrosie hat sich bereits im österreichischen Burgenland, in Ungarn, in Kroatien, in Serbien, in der Südschweiz, in der Gegend um Lyon und in der Poebene kräftig ausgebreitet und ist dort bei Allergikern gefürchtet. "Die Pollen verursachen bereits in kleinen Mengen Symptome, die für Heuschnupfen typisch sind, aber zu einem großen Teil auch Asthma", sagt der Pollenexperte Siegfried Jäger von der Medizinischen Universität Wien. "In den Vereinigten Staaten und in Kanada sind sie der Heuschnupfen-Auslöser par excellence." Auch in Deutschland reagieren bereits Menschen auf die Pollen der "Ambrosia artemisiifolia".

Das Landesgesundheitsamt im Regierungspräsidium Stuttgart stellte bei Untersuchungen von 800 Viertklässlern fest, dass rund zehn Prozent eine Sensibilisierung gegenüber Ambrosia-Allergenen aufwiesen. Sie reagierten ebenfalls auf Beifuß und Wermut - offenbar wegen der Kreuzreaktivität zwischen diesen Pflanzen. Unklar sei allerdings, ob die Sensibilisierung durch Ambrosia-Bestände in Deutschland oder bei Reisen ins Ausland ausgelöst worden sei. Eigentlich ist die Pflanze hier zu Lande kein Neuling: "Seit 150 Jahren wird sie in Deutschland nachgewiesen", sagt Uwe Starfinger, wissenschaftlicher Angestellter bei der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft. "Aber man hat sie in der Regel nicht an derselben Stelle wiedergefunden, da sie meist keine reifen Samen bildete. Das ist jetzt etwas anderes." Der warme Herbst des letzten Jahres sei der Pflanze gut bekommen. Generell vermuteten Experten, dass die globale Klimaerwärmung den Vormarsch der Ambrosia begünstigt, berichtet Starfinger. Aber dafür gebe es noch keine Beweise.

Verbreitung durch verunreinigtes Futter und Blumenerde

Die Beifuß-Ambrosie mag es warm, aber nicht zu trocken. Sie gedeiht vor allem in offenen Böden. Da ihr zudem Salz nichts anhaben kann, wächst sie besonders gerne an Straßenrändern: "Am Rand der Autobahn ist es warm und feucht, außerdem werden die Samen mit dem Fahrtwind verteilt", warnt Ökologe Nawrath. Für den Laien sind die Pflanzen allerdings schwer zu erkennen, da sie leicht etwa mit dem gewöhnlichen Beifuß verwechselt werden können. Charakteristisch sind für Ambrosia die Blütenstände: Die Blütenkerze ist bis zu 15 Zentimeter lang und grünlich. Die gelb-grünen Blütenköpfe sind daran wie Trauben angeordnet daher trägt die Pflanze auch den Namen "Traubenkraut".

Bei Nawrath, der derzeit die Verbreitung der Pflanze in Deutschland erfasst, haben sich bereits hunderte Anrufer aus dem gesamten Bundesgebiet gemeldet, weil sie im Garten eine Ambrosie entdeckt haben. Dabei stellte sich heraus, dass die Pflanzen fast immer in der Nähe von Plätzen wuchsen, an denen Vogelfutter verstreut worden war. "Man kann davon ausgehen, dass in Vogelfutter meistens auch Ambrosia-Samen drin sind", sagt der Frankfurter Wissenschaftler. Das Futter besteht nämlich vor allem aus Sonnenblumenkernen, die aus Osteuropa importiert werden. Auf den dortigen Sonnenblumenfeldern wachsen oft auch Ambrosia-Pflanzen, so dass die Samen in die Futtermischungen hineingeraten. "Daher müsste das Futter unbedingt vorher gereinigt werden", fordert der Ökologe. Aber auch durch verunreinigte Blumenerde, Erdaushub oder Kompost sowie über Lastwagen, Mäh- und Baumaschinen, an denen Samen haften, kann die Pflanze verbreitet werden.

Wer eine verdächtige Pflanze im Garten hat, sollte sie möglichst vor der Blüte mitsamt der Wurzel herausreißen. Dabei sollte man Handschuhe tragen, um ein Kontaktekzem zu vermeiden. Nawrath rät, anschließend vorsichtig einen Plastiksack über die Pflanze zu stülpen, um eine weitere Pollenabgabe zu vermeiden, und die Luft auszudrücken. Den Sack gibt man in die Restmülltonne. Gilt es mehrere Pflanzen zu entfernen, sollte man einen Atemschutz tragen. Wer größere Bestände außerhalb von Gärten entdeckt, sollte sie den zuständigen Behörden melden.

Angela Stoll/AP / AP