Aquakultur Die umweltfreundliche Garnele


In Fisch, Muscheln und Garnelen finden sich oft giftige Rückstände. Nun haben Forscher aus Bremen eine umweltfreundliche Garnele gezüchtet. Frisch im Geschmack, bissfest und ohne Rückstände soll sie sein, die "Bremer Garnele".

Frisch im Geschmack, bissfest, dazu vollständig ohne Medikamente und chemische Zusätze gezüchtet: Die Forscher des Zentrums für Marine Tropenökologie (ZMT) an der Universität Bremen und der Polyplan GmbH verweisen stolz auf ihre erste Ernte der tropischen Garnele Penaeus vannamei. In einer umweltfreundlichen Kreislaufanlage mit synthetischem Meerwasser züchteten die Wissenschaftler in einem Pilotprojekt die "Bremer Garnele".

Die Tiere stammen ursprünglich aus Kalifornien

Die als "White Tiger" bekannten Shrimps decken einen hohen Anteil des Fischs ab, der vor allem in Asien und Ecuador in so genannten Aquakulturen gezüchtet wird. "Unsere Garnele ist jedoch vollkommen rückstandsfrei", hebt Ingenieur Stefan Bruns von Polyplan hervor. Die herkömmliche intensive Garnelenzucht zeichne sich vor allem durch Umweltzerstörung und -verschmutzung aus, immer häufiger würden Importverbote aufgrund zu hoher Antibiotikawerte verhängt.

Das in Bremen gezüchtete Seafood stammt ursprünglich aus Kalifornien. Sechs Monate lang wurden die 400 importierten Tiere in drei Versuchsbecken herangezüchtet. "Sie haben in dieser Zeit fast die Marktreife erreicht", sagt Biologin Christina Thobor, die bei Polyplan die Garnelen betreut hat. Rund 40 Gramm schwer und bis zu 23 Zentimeter lang sind die Tiere nach dieser Reifezeit. Algen und Riesenmuscheln in den Bassins beeinflussten als natürliche Klärhelfer das gute Wachstum positiv.

Investoren gesucht

Um den umweltfreundlichen Shrimp auf den Tisch der Verbraucher zu bringen, bedarf es jedoch noch weiterer Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Vor allem die Produktion stellt die Forscher vor Herausforderungen. Den Fisch in marktgängigen Größen zu produzieren, bedeute nicht, dass man den Labormaßstab einfach auf den Großmarkt übertragen könne. Um Profit zu machen, muss vor allem die Shrimpgröße stimmen. Doch anders als bei der Schweine- oder Gänsemast sei der Fisch weniger berechenbar in seinem Wachstum. "Garnelen sind keine Haustiere, die man gut beherrschen kann", sagt Andreas Kunzmann vom ZMT.

Der Großmarkt Bremen steht als Partner prinzipiell bereit, um die in der Hansestadt gezüchtete Garnele auf den gewerblichen Markt zu bringen. "Wir sind von dem Produkt überzeugt", sagt Großmarkt-Prokurist Claas Türke. Das Risiko will der Großmarkt aber nicht allein tragen, die Suche nach Investoren für das Projekt "Bremer Garnele" läuft. Gut 200.000 Euro fehlen den Forschern derzeit. Kunzmann ist zuversichtlich, dass das Projekt daran nicht scheitern wird. Man habe über die Meerwasseraquakultur einen hochwertigen Fisch gezüchtet. Jetzt müsse innerhalb des kommenden Jahres die Entscheidung zum Eintritt in den Massenmarkt fallen.

Zunächst forschen Polyplan und das ZMT weiter. Mit einer neuen Versuchsreihe wird seit Oktober daran gearbeitet, ein neues Garnelenfuttermittel zu entwickeln und zu testen. Dieses soll mit Hilfe pflanzlicher Eiweiß-Ersatzstoffe mit weniger Fischmehl als in den herkömmlichen Anzüchtungen auskommen. Die Wissenschaftler streben ein ökologisch zertifiziertes Futter an, das dann erstmals den Verbraucherwünschen nach einem umweltfreundlich erzeugtem Shrimp gerecht werden würde.

Corinna Laubach/DDP


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