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Artenschutzkonferenz in Doha: Wieso die Schillerlocke einen Zollstempel braucht

Ab Samstag beraten in Doha Abgesandte aus 175 Ländern über den Handel mit bedrohten Tieren und Pflanzen. Deutschland will Dorn- und Heringshai strenger schützen. Den meisten Streit dürfte es aber um den Roten Thunfisch geben.

Von Nicole Heißmann

Lang ist die Liste der eingereichten Anträge zum Washingtoner Artenschutzabkommen Cites. Und engagiert bis erbittert dürfte ab Samstag darüber diskutiert werden, wenn 2000 Teilnehmer aus aller Welt im arabischen Doha im Emirat Katar aufeinander treffen. Auf der Agenda stehen mit Eisbär, Tiger und Elefant die Flaggschiffe des Artenschutzes: Die USA wollen den internationalen Handel mit Eisbärfellen und -trophäen komplett verbieten. China soll seine Tigerfarmen nur noch für die Nachzucht der seltenen Großkatze nutzen und nicht mehr, um heimische Märkte mit Potenz- und Heilmitteln vom toten Tiger zu beliefern. Sambia und Tansania möchten ihr beschlagnahmtes Elfenbein endlich vermarkten, andere afrikanische Staaten befürchten, dass durch diesen "Türöffner" die organisierte Wilderei von Elefanten zunimmt.

Dreh- und Angelpunkt der Verhandlungen sind 42 Anträge diverser Vertragsstaaten, die bestimmte Tier- und Pflanzenarten in die Anhänge des Artenschutzabkommens aufnehmen möchten. Arten, die in Anhang II stehen, gelten als gefährdet und dürfen nur mit Genehmigung und Herkunftsnachweis gehandelt werden. Was in Anhang I gelistet ist, gilt als vom Aussterben bedroht und darf mit wenigen Ausnahmen gar nicht auf den Markt, egal ob tot oder lebendig. Pandabären fallen unter dieses Verbot oder Menschenaffen wie der Orang Utan.

Streit um den Roten Thunfisch

Möglicherweise gilt dieses Handelsverbot aber bald auch für den Roten Thunfisch: Der Zwergstaat Monaco fordert, den kostbaren Edelfisch auf Anhang I zu listen. Ein Affront für Thunfischfangnationen wie Spanien, aber auch für Japan, das einen Großteil des weltweit gefangenen Roten Thuns importiert und zu Sushi und Sashimi verarbeitet. Auf Japans Fischmärkten bringen große Exemplare Zehntausende, manchmal mehr als hunderttausend Dollar ein. Doch längst jetzt gelten die Bestände in Atlantik und Mittelmeer als überfischt, Fangquoten werden immer wieder überschritten.

Die deutschen Delegierten wollen Monacos Antrag auf ein Handelsverbot unterstützen. Ob sie sich damit durchsetzen können, ist aber fraglich. Die Europäische Union will in Doha mit einer Stimme sprechen, ist aber in Sachen Thun schon vor der Konferenz heillos zerstritten: Thunfisch-fangende Länder wie Spanien oder Malta würden notfalls geringere Fangquoten akzeptieren, aber keinen totalen Handelsstopp.

"Deutschland muss sich am Ende bei allen Abstimmungen in die europäische Position einreihen. Nationale Alleingänge sind in der EU nicht möglich", sagt Gerhard Adams, der im Bundesumweltministerium das Referat Artenschutz leitet und mit der deutschen Delegation nach Doha reisen wird.

Mehr Schutz für zwei Haischutz-Arten

Deutlich mehr Chancen könnte Deutschland dort mit einem anderen Meeresthema haben: Experten aus Umweltministerium und Bundesamt für Naturschutz haben federführend für die EU zwei Haischutz-Anträge geschrieben. Sie fordern, dass der kleine Dornhai und der Heringshai, ein Verwandter des weißen Hais, künftig in Anhang II gelistet werden. Immerhin gilt der Dornhai im Ostatlantik nachgewiesenermaßen als so stark überfischt, dass die EU 2009 seine Fangquote auf Null gesetzt hat. Damit steht auch eine typisch deutsche Delikatesse auf der Tagesordnung von Doha: die geräucherte Schillerlocke aus den Bauchlappen des Dornhais. 339 Tonnen Dornhai wurden im Jahr 2009 in Deutschland gegessen. Sie stammen schon jetzt aus Gewässern vor Kanada, den USA und Neuseeland.

Die deutschen Artenschützer wollen mit den Haien das Thema Meeres-Artenschutz und Fischerei stärker besetzen. "Wir sind das einzige Land in der EU, das in diesem Jahr solche Anträge erarbeitet hat", sagt Gerhard Adams.

Für den Fischhandel sei die geplante Marktbeschränkung kein größeres Problem, sagt Matthias Keller vom Bundesverband der deutschen Fischindustrie: "Im Gegenteil: Handelskontrollen wären sogar ein Verkaufsargument. Man könnte dem Verbraucher erklären, dass seine Schillerlocke aus bestandserhaltender Fischerei kommt." Vielleicht werde durch die Listung auf Anhang II sogar wieder mehr Schillerlocke als bisher auf dem deutschen Markt sein, zieht Keller ein überraschendes Fazit. Dann allerdings nur noch mit Zollstempel und Artenschutz-Zertifikat.