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Biodiesel aus Algen: Grün ist die Hoffnung

Hellgrün blubbert in einem großen Glaskolben eine Flüssigkeit vor sich hin: Wir befinden uns in einem Labor der Universität von Minnesota. Was nach einem eher unscheinbaren Experiment aussieht, ist ein neuer Hoffnungsschimmer auf dem Markt der erneuerbaren Energien.

Wissenschaftler Roger Ruan und seine Kollegen testen, wie aus ganz gewöhnlichen Algen Biodiesel oder Treibstoff für Flugzeuge hergestellt werden kann. Angesichts steigender Ölpreise und der Klimadebatte beschäftigen sich weltweit Forscher mit der Frage, welche Pflanzen zur Treibstoffgewinnung genutzt werden könnten. Algen bringen dabei einen wesentlichen Vorteil mit: Sie wachsen im Vergleich zu Kulturpflanzen wie Mais oder Zuckerrohr schneller und brauchen weniger Platz. Aus der Maisernte auf einer Anbaufläche von knapp einem halben Hektar könnten jährlich rund 75 Liter Öl gewonnen werden, erklärt Ruan. Würde man auf der gleichen Fläche Algen anbauen, läge der Ertrag möglicherweise bei 56.000 Litern.

Alternative Treibstoffe sind gefragt

Mithilfe hoher Fördergelder untersuchen Wissenschaftler, wie man dieses Potenzial der grünen Meerespflanzen am effektivsten nutzen könnte. In Neuseeland stellte eine Firma bereits im vergangenen Jahr einen Range Rover vor, der mit Biodiesel aus Algen fährt. Allerdings wird es nach Einschätzung von Experten noch Jahre dauern, bis die Produktion von Treibstoff aus Algen rentabel sein wird.

Die größte Herausforderung besteht darin, die enormen Produktionskosten für den Algen-Sprit zu verringern - sie liegen derzeit bei umgerechnet rund 3,70 Euro je Liter. Wenn es gelänge, Biodiesel aus Treibstoffen auf rund 38 Cent pro Liter zu drücken, wäre man am Ziel. "Und es gibt viele Leute die glauben, dass das möglich ist", sagt Jennifer Holmgren von der US-Firma Honeywell International, die unter anderem in der Luft- und Raumfahrtbranche tätig ist.

In Ruans Labor in Minnesota sucht man unter anderem nach der idealen Algenart und prüft, was mit den Überresten der Pflanze geschehen könnte, wenn deren Öl extrahiert wurde. Aber auch die Frage, wie ein gewerbsmäßiger Anbau in der Praxis aussehen könnte, beschäftigt die Wissenschaftler. Algenfarmen könnten beispielsweise direkt im Meer anlegt werden. Aber auch weniger offensichtliche Orte sind denkbar.

Der Mix aus Licht und Nährstoffen muss stimmen

Die Pflanzen brauchen allerdings Licht, und das dringt nur wenige Zentimeter tief in das mit Algen zugewucherte Wasser. Riesige Tanks scheiden daher als Anbaumöglichkeit aus. Wissenschaftler arbeiten deshalb an sogenannten Photobioreaktoren, in denen den Pflanzen der richtige Mix aus Licht und Nährstoffen zur Verfügung steht, während gleichzeitig verhindert wird, dass sich unerwünschte Algenarten ansiedeln. US-Forscher Ruan und seine Kollegen züchten ihre Algen beispielsweise in den Abwässern eines Kraftwerks. Dort gibt es jede Menge Phosphate und Nitrate - Chemikalien, die Flüsse verschmutzen, aber das Wachstum von Algen fördern, die diese Schadstoffe aus Abwässern filtern.

Neben der Produktion von Biotreibstoffen hätten die Algenfarmen somit noch einen zusätzlichen positiven Effekt für die Umwelt. Ruans Vision: Algenfarmen könnten in der Nähe von Kläranlagen errichtet werden, sodass die Forscher zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könnten: Hier könnten die Algen zusätzlich zu den Schadstoffen, die sie aus dem Abwasser filtern, auch das Kohlendioxid neutralisieren, das beim Verbrennen des Klärschlamms entsteht.

Steve Karnowski/AP / AP