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Sehuencas-Wasserfrosch: Romeo, der einsamste Frosch der Welt, hat endlich ein Date

Er galt lange als der letzte seiner Art: Romeo, ein Sehuencas-Wasserfrosch, quakt seit zehn Jahren allein in einem Aquarium in Bolivien vor sich hin. Um eine Froschfrau für ihn zu finden, wurde eine Expeditione unternommen – mit Erfolg.

Der Sehuencas-Wasserfrosch ist vom Aussterben bedroht

Der Sehuencas-Wasserfrosch ist vom Aussterben bedroht. Romeo soll seine Spezies retten

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Romeo ist über die Grenzen seines Aquariums in Bolivien hinaus bekannt. Das liegt an dem traurigen Schicksal, das dieser Sehuencas-Wasserfrosch zu tragen hatte. Seit nunmehr über zehn Jahren lebt er in totaler Einsamkeit - kein anderer Sehuencas-Wasserfrosch weit und breit. Von weiblichen Exemplaren ganz zu schweigen. 

Das Problem: Die Art ist vom Aussterben bedroht. Das war auch der Grund, warum Forscher Romeo vor zehn Jahren ins Aquarium brachten - sie hofften darauf, die Art vor dem sicheren Ende zu bewahren. Leider fanden sie in der Folgezeit keine Exemplare mehr in der freien Natur. Und so musste Romeo seine karge Existenz in totaler Isolation fristen.

Naturschutz-Organisation sammelt Geld für Expedition

Im vergangenen Jahr erfuhr die Welt schließlich von Romeos traurigem Schicksal. Die Naturschutz-Organisation Global Wildlife Conservation startete einen Spendenaufruf, um eine Expedition in den Dschungel zu finanzieren. Ziel war es, Weibchen zu finden, um die Art zu erhalten. 

Und es hat funktioniert: Die Wissenschaftler brachten fünf Exemplare der seltenen Froschart aus dem Regenwald mit, drei männliche und zwei weibliche. Romeo darf sich also endlich auf (s)eine Julia freuen. 

Julia und Teresa Camacho Badani

Julia auf der Hand der Biologin Teresa Camacho Badani

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Die spannende Frage lautet, werden Romeo und Julia zueinander finden und den erhofften Nachwuchs zeugen? Die Biologin Teresa Camacho Badani, die die Amphibien- und Reptilien-Abteilung im Naturkundemuseum der Stadt Cochahamba leitet und die Expeditionen anführte, ist voller Hoffnung. Romeo sei zwar durch sein langes Single-Dasein extrem ruhig und nicht sehr bewegungsfreudig, aber bei bester Gesundheit und mit einen kräftigen Appetit versehen, erzählte sie "BBC News". Die auserwählte Julia sei hingegen "sehr energiegeladen, sie schwimmt sehr viel, hat großen Appetit und versucht manchmal zu fliehen". Die Biologin setzt darauf, dass sich Gegensätze anziehen.

Über 20 Prozent aller Amphibien-Arten in Bolivien vom Aussterben bedroht

Bevor das Fortpflanzungexperiment startet, müssen die neuen Frösche eine Quarantäne überstehen. Es gilt, sie besonders gegen Pilzbefall zu schützen, der für Amphibien oft tödlich verläuft. Wildtiere in Gefangenschaft zu halten, sei immer ein Risiko, sagt Chris Jordan von Global Wildlife Conservation, der ebenfalls an der Expedition nahm. Aber das Experiment müsse gewagt werden, denn in der freien Wildbahn gebe es viel zu wenig Exemplare, um das Fortbestehen der Art zu gewährleisten: "Wir haben eine echte Chance, den Sehuencas-Wasserfrosch zu retten und für die einzigartige Artenvielfalt des Regenwaldes zu bewahren. Außerdem gewinnen wir wichtige Erkenntnisse, wie man eine Art vor dem Aussterben retten kann", sagte Jordan der "BBC".

Es ist dringend an der Zeit: Allein im bolivianischen Regenwald sind nach Angaben der Forscher 22 Prozent der Amphibien vom Aussterben bedroht. Die Zerstörung des Lebensraumes, Umweltverschmutzung und der Klimawandel seien dafür verantwortlich. Funkt es zwischen Romeo und Julia, könnten die Sehuencas-Wasserfrösche vielleicht überleben.

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Quelle: "BBC News"


tis
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