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EU beschließt neue Fangquoten: Diese Fische können Sie ohne Gewissensbisse essen

In der Nordsee und im Nordatlantik darf im kommenden Jahr insgesamt weniger Fisch gefangen werden - so sehen es die neuen Fangquoten der EU vor. Umweltschützern gehen die Ergebnisse nicht weit genug. stern.de zeigt, wie jeder Einzelne zum Schutz der Bestände beitragen kann.

Die Fischer in der EU müssen im kommenden Jahr ihren Fang einschränken. Nach harten Verhandlungen um die heftig umstrittenen Fangquoten beschlossen die zuständigen EU-Minister in Brüssel den Rückgang der Fischmengen - und setzten damit einen Trend fort. Seit fünf Jahren senken sie die erlaubten Fangmengen kontinuierlich, um die Fischbestände zu schonen.

In Nordsee und Nordatlantik genehmigt der Ministerrat den Fang von 20 Prozent weniger Kabeljau und 13 Prozent weniger Seelachs. Das erklärte der Staatssekretär im Bundesagrarministerium, Robert Kloos. Ihm zufolge dürfen deutsche Nordseefischer nach ersten Berechnungen im kommenden Jahr etwa 2900 Tonnen Kabeljau und 10.000 Tonnen Seelachs fangen. Die Fangmenge beim Hering wurde indes um 22 Prozent erhöht, bei Schollen um 15 Prozent. Für die Ostsee hatte der Ministerrat für den Heringfang im kommenden Jahr ein Minus von 30 Prozent im Vergleich zu 2010 beschlossen. Die Fangmenge für Sprotten soll um 24 Prozent zurückgehen, für Lachs um 15 Prozent. Dorsch darf hingegen etwas mehr gefangen werden.

Der Kompromiss orientiere sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Schutz der Fischbestände, betonte Kloos. Er sprach aber auch von "schwierigen Bedingungen für die deutsche Fischerei".

Der Umweltverband WWF zeigte sich grundsätzlich "zufrieden". Die Quoten wichen "anders als in der Vergangenheit von den wissenschaftlichen Empfehlungen deutlich weniger ab", hieß es in einer Erklärung. Aus Sicht der Umweltorganisation unternimmt die EU allerdings noch immer nicht genug für den Schutz der Fischbestände. Die Verbraucher können mit ihrer Wahl daher mithelfen.

Welchen Fisch kann ich bedenkenlos kaufen?

Ohne Gewissensbisse können Verbraucher laut WWF zu Hering greifen, zu Seelachs aus dem Nordostatlantik oder Dorsch aus der Ostsee. Lachs und Forelle aus kontrollierter Öko-Aufzucht sind auch unbedenklich. Grundsätzlich sind Meerestiere aus Öko-Aquakulturen in aller Regel unproblematisch. Verbraucher sollten allerdings zu Tiefkühlfisch greifen, der nicht mit dem Flugzeug transportiert wird. Bedenkenlos verzehrt werden können auch Makrelen aus dem Nordost- und Nordwest-Atlantik oder Kabeljau aus der Nordost-Arktis, der östlichen Ostsee oder dem Nordost-Pazifik.

Bei welchen Arten sollten Verbraucher vorsichtig sein?

Bei Krabben und Garnelen heißt es: genau hinschauen. Die Garnelen-Bestände aus dem Eismeer etwa sind gefährdet und sollten deswegen nicht gekauft werden. Problematisch an Garnelen ist auch, dass pro Kilo Wildfang fünf bis zehn Kilo anderer Meerestiere als unerwünschter Beifang sterben können. Umweltschützer fordern daher ein Aus für die umstrittene Grundschleppnetz-Fischerei. Auch Nordseekrabben sind deswegen kritisch zu sehen. Für in Farmen gezüchtete Shrimps wiederum werden in großem Ausmaß Mangrovenwälder zerstört.

Worauf sollten Verbraucher an der Fischtheke verzichten?

Gemieden werden sollten Rot- und Viktoriabarsch, Dorade aus dem Mittelmeer und der Pangasius, der zuletzt immer beliebter wurde. Gleiches gilt auch für Thunfisch, bei dem viele Bestände stark überfischt sind. Akut bedroht ist der vor allem für Sushi beliebte rote Thun. Auch Scholle, Seezunge, See- und Flussaal sollten lieber nicht gekauft werden.

Wo kann ich dann überhaupt noch Fisch kaufen?

Bioläden sind immer eine gute Wahl, denn sie bieten wirklich nur Fisch an, dessen Kauf vertretbar ist. Dafür ist die Auswahl oft gering. Die großen Supermarktketten können daher durchaus eine Alternative sein. Hier müssen Verbraucher laut WWF dann genau hinsehen. Einen Hinweis auf nachhaltig gefangenen Fisch gibt das MSC-Siegel: ein weißer Fisch auf blauem Grund mit dem Schriftzug "Marine Stewardship Council". Weitere Ökosiegel für Fisch sind auch "Bioland" und "Naturland".

lea/AFP/DPA