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Gesichtserkennung bei Bienen: "Merkwürdig aussehende Blumen"

Um Gesichter voneinander zu unterscheiden, muss man offenbar nicht viel im Kopf haben. Selbst Honigbienen können trotz ihres sehr einfachen Gehirns Gesichter erkennen - oder zumindest sehr exotische Blumen.

Die Gesichtserkennung ist eine Fähigkeit, die bislang nur Säugetieren mit ihrem komplexen Zentralnervensystem zugetraut wurde. Die Entdeckung, die ein internationales Forscherteam bei einer Studie mit trainierten Bienen gemacht hat, lässt nun jedoch erneut Zweifel an der Theorie aufkommen, dass es im menschlichen Gehirn eine auf Gesichtserkennung spezialisierte Hirnregion gibt. Über ihre Arbeit berichten Christa Neumeyer von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift "Journal of Experimental Biology" (Bd. 208, S. 4709).

Hochspezialisierte Hirnregionen nicht nötig

Bis vor kurzem galt es als sicher, dass beim Menschen eine Hirnregion namens "fusiform face area" (FFA) auf die Wahrnehmung von Gesichtern spezialisiert ist. Dafür sprechen unter anderem eine deutlich erhöhte Aktivität in der FFA beim Betrachten von Gesichtern im Gegensatz zu anderen Objekten und eine stark beeinträchtigte Gesichtserkennung bei Schäden in dieser Hirnregion. Vor wenigen Jahren ließ jedoch eine Studie Zweifel an dieser Theorie aufkommen: Darin konnten Wissenschaftler nachweisen, dass die FFA auch dann aktiv ist, wenn beispielsweise ein Vogelkundler einen Vogel betrachtet oder ein Kraftfahrzeuggutachter ein Auto.

Auch die Ergebnisse des Teams um Neumeyer stellen die Theorie von der hochspezialisierten Hirnregion infrage, zeigen sie doch, dass Gesichtserkennung auch ohne ein komplexes Gehirn funktioniert. Die Wissenschaftler hatten ihre Testbienen immer wieder zu einem Gefäß mit Zuckerwasser fliegen lassen, das sich vor dem Foto eines Gesichts befand. Tatsächlich lernten die Insekten im Lauf der Zeit, dieses Gesicht mit der Belohnung zu assoziieren und wählten von vier angebotenen Gesichtern bevorzugt das vertraute. Selbst als die Forscher das Zuckerwasser entfernten und den Tieren neben dem bekannten Gesicht auch ein unbekanntes vorsetzten, flogen die Bienen zielsicher auf das vertraute Bild zu.

Oder doch nur als Muster erkannt?

Offenbar können die Bienen, deren Gehirn etwa zehntausend mal weniger Nervenzellen enthält als das des Menschen, problemlos individuelle Gesichter auseinander halten und sie auch Tage später noch wieder erkennen, schließen die Forscher. Allerdings handelt es sich bei diesem Mechanismus wahrscheinlich nicht um die gleiche Art von Gesichtserkennung, wie sie beim Menschen vorkommt: Bienen haben ein sehr gutes Gedächtnis für Muster, was ihnen beispielsweise ermöglicht, verschiedene Blütenarten auseinander zu halten. Während beim Menschen das schnelle und akkurate Erkennen eines Gesichts eine wichtige Rolle im sozialen Umfeld spielt, sind menschliche Gesichter für Bienen daher wohl "nur wirklich merkwürdig aussehende Blumen", wie es der Verhaltensforscher James Gould in einem Kommentar formuliert.

DDP