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Heuschreckenplage: Gefräßige Gefahr

Riesige Schwärme von Heuschrecken bedrohen die Ernten in Westafrika. Nach UN-Angaben sind die Insekten auf dem Weg in die sudanesische Krisenregion Darfur.

Im Westen Afrikas droht knapp einer Million Menschen eine Hungersnot, sollten sie nicht umgehend Hilfe im Kampf gegen die Heuschreckenplage erhalten. Die Heuschreckenschwärme haben jetzt nach Angaben von UN-Mitarbeitern Tschad erreicht und sind auf dem Weg in die westsudanesische Krisenregion Darfur. Dort könnte sich die Lage für Millionen Menschen noch weiter verschlechtern, die ohnehin unter dem Krieg dort zu leiden haben.

Die Heuschreckenschwärme, die ganze Ernte vernichten können, könnten den Westen Sudans innerhalb von acht Tagen erreichen, wenn sie ihr derzeitiges Tempo von rund hundert Kilometern am Tag fortsetzten, erklärte eine UN-Sprecherin in Genf. Die Insekten haben schon schwere Schäden in Mauretanien, Mali und Niger angerichtet. In Darfur sind nach 18 Monaten Krieg zwei Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfen der UN angewiesen. Eine Million Menschen sind auf der Flucht. Von der Regierung unterstützte marodierende arabischstämmige Banden greifen dort die afrikanische Bevölkerung an.

Hunger auf Hirse, Wassermelonen und Erdnüsse

Die Wüstenheuschrecke vernichtet sowohl die Hirse-Felder als auch die für den Export bestimmten Wassermelonen und Erdnüsse. Es drohe der Verlust von rund 80 Prozent der Ernte, sagte Mohamed Lemine von der mauretanischen Landwirtschaftsvereinigung der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Vereinten Nationen hatten schon im vergangenen Oktober vor einer Plage gewarnt, da die Witterung mit außergewöhnlich starken Regenfällen nach vielen Jahren der Trockenheit für die Entwicklung der Tiere optimal war. Jetzt, so schätzt die Welternährungsorganisation FAO, wird die Bekämpfung rund 80 Millionen Dollar kosten. Nur neun Millionen stünden bisher bereit. Allein Niger und Mauretanien benötigen nach eigenen Angaben rund 20 Millionen Dollar, extra Flugzeuge und tausende zusätzlicher Liter Pestizide. Der Gesamtschaden könnte sich nach Schätzungen der FAO bis zum Jahresende auf 245 Millionen Dollar steigen.

<zwit>Notstand in Gambia

In Gambia wurde der Notstand ausgerufen. „Mit der Heuschrecken-Invasion stehen uns riesige Nahrungsengpässe ins Haus. Mehr als 70 Prozent unserer Bevölkerung sind von der Landwirtschaft abhängig“, sagte der Landwirtschaftsminister.

Die schlimmste Heuschreckenplage traf Afrika zwischen 1987 und 1989. Damals waren 28 Staaten betroffen, darunter auch so weit entfernt liegende Länder wie Indien..

Ibrahima Sylla/Reuters / DPA / Reuters