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Hurrikane: "Alle Vorhersagen eine einzige Pleite"

Die Hurrikansaison geht mit einem Aufatmen zu Ende: Keines der Unwetter reichte an "Katrina" heran. Dabei hatten sich die Klimaforscher auch dieses Jahr mit Horrorszenarien übertrumpft - Vorhersagen bleiben ein Geschäft der Spekulationen.

"Unsere Vorhersagen für die Hurrikan-Saison 2006 haben nicht gestimmt. Allein die Vorhersage für August war eine einzige Pleite", gibt William Gray, in den USA eine Art Wettergott, zerknirscht zu. Der Klima- und Hurrikanforscher von der Colorado State Universität in Fort Collins hatte vor Beginn der Hurrikan-Saison, die vom 1. Juni bis zum 30. November dauert, neun Hurrikans vorhergesagt, darunter fünf schwere. Auch das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami lag mit seiner Prognose von bis zu zehn Hurrikans schwer daneben. Die Tageszeitung "Richmond Times-Dispatch" aus dem Ostküstenstaat Virginia spricht deshalb von einem "Seufzer der Erleichterung".

Gut verständlich, denn 2005 wirbelten noch 28 Namensstürme über den Atlantik. 15 wuchsen sich zu teilweise verheerenden Hurrikans aus. Allein an den Folgen von "Katrina" starben mehr als 1800 Menschen. Mit Schäden von mindestens 84 Milliarden Dollar geht der Hurrikan als der bislang teuerste in die Geschichtsbücher ein.

Afrika-Dürre trocknete Stürme aus

Noch Anfang August sagten die Meteorologen eine außergewöhnlich aktive Hurrikan-Saison voraus. Wie konnten sie am Ende nur so irren? Drei unvorhersehbare oder falsch kalkulierte Wetterphänomene haben allen Prognosen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zum einen wäre da die Dürre in Afrika. Trockene, warme und staubige Luftschichten zogen von der Sahel-Zone in Richtung Atlantik und trockneten Sturmsysteme, die sich aus feuchter Luft aufbauen, regelrecht aus. Zum anderen stoppten Hochdruckfronten über der Ostküste der USA die heranrückenden Wirbelstürme und drückten sie regelrecht von der Küste auf das offene Meer weg.

Und dann setzte in der tropischen Pazifikregion auch noch überraschend schnell El Nino ein. Durch dieses Phänomen erwärmte sich nach Angaben von Gray die Meeresoberfläche im Ostpazifik innerhalb eines Monats um.0,6 Grad Celsius. Das löste ungewöhnlich veränderte Strömungen im Meer und in der Luft aus. Die entstehenden Winde wirkten bis hinüber in den Atlantik. Sie zerzausten regelrecht Sturmsysteme und verhinderten so, dass sich ein Tropensturm überhaupt zusammenballen konnte.

Hurrikan-Forschung bleibt ein schwieriges Geschäft

Obwohl die diesjährige Hurrikan-Saison praktisch ausgefallen ist, geben die Klimaforscher keine Entwarnung für 2007. Sie sagen noch für ein bis zwei Jahrzehnte sehr aktive Zeiten über dem Atlantik voraus. Aber wie man an diesem Jahr sieht, bleibt die Hurrikan-Forschung ein schwieriges Geschäft. Es sei wirklich unmöglich zu verstehen, wie all die Prozesse und die vielen, sich ändernden physikalischen Variablen zusammenwirken, schreibt Gray. "Trotz der Pleite bei der Vorhersage in diesem Jahr verbessern wir unsere Fähigkeiten zur Prognose durch ein verbessertes Maß an Verständnis."

Jetzt heißt es warten auf "Andrea", "Barry" und "Chantal". So heißen die Namen der ersten Tropenstürme der kommenden Saison.

Hans Dahne/DPA / DPA