HOME

Jahrhundertealtes Geheimnis gelüftet: Lager-Bier existiert dank Hefe aus Patagonien

Forscher haben eines der letzten Biergeheimnisse gelüftet: Das kühle Helle verdankt seine Existenz einem Hefepilz aus Patagonien.

Der Hefestamm, der Lager-Bier möglich machte, stammt aus Patagonien

Der Hefestamm, der Lager-Bier möglich machte, stammt aus Patagonien

Ein internationales Forscherteam hat das Rätsel um den Hefestamm gelüftet, dem das kaltgebraute Lager-Bier seine Entstehung verdankt. Die Wissenschaftler entdeckten ihn auf den Blättern von Buchen in Patagonien, wie sie im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichteten. Seine Kreuzung mit dem klassischen Hefestamm in Europa hatte es ermöglicht, bei niedriger Temperatur zu brauen.

Die Forscher aus den USA, Argentinien und Portugal entdeckten den Hefestamm mit dem Namen Saccharomyces eubayanus auf den Blättern von Buchen am Strand von Patagonien in Südamerika. Sie vermuten, dass er im 15. Jahrhundert im Zuge des aufkommenden Transatlantik-Handels im Bauch einer Fruchtfliege oder auf einem Stück Holz die lange Strecke von Argentinien bis zu einem Klosterkeller in Bayern zurückgelegt und sich dort mit dem klassischen Hefestamm Saccharomyces cerevisiae verbunden hat, wie er seit tausenden Jahren in Europa und Asien bei der Herstellung von Brot und Wein eingesetzt wird.

Untergäriges Bier mit patagonischer Hilfe

Erst die aus dieser Kreuzung entstandene neue Hefe ermöglichte es den Mönchen, Bier bei niedrigen Temperaturen zu brauen, das untergärige Lager. Heute setzt die weltweite Bierindustrie mit dem Verkauf von Lager-Bier jährlich rund 250 Milliarden Dollar (170 Milliarden Euro) um.

Die Wissenschaft habe seit Jahrzehnten nach diesem Hefestamm gesucht, erklärte der Genetik-Professor Chris Todd Hittinger von der University of Wisconsin-Madison, der an der Studie beteiligt war. "Und wir haben sie gefunden. Das ist eindeutig die fehlende Spezies." Unklar sei nur, ob der Hefestamm auch noch an einem anderen Ort in der freien Natur vorkomme. Auf der Suche nach dem Hefestamm hatten Wissenschaftler der Neuen Universität in Lissabon mehr als tausend bekannte Arten aus europäischen Sammlungen abgeglichen - jedoch ohne Erfolg. Sie bezogen daher einen Forscher vom Institut für Biodiversität und Umweltforschung im patagonischen Bariloche ein, der schließlich eine Übereinstimmung fand. Wissenschaftler der University of Colorado in den USA entschlüsselten dann das Genom des patagonischen Hefestamms.

lea/AFP / AFP