Klima Wüsten auf dem Vormarsch


Spanien versteppt: Flussläufe sind ausgetrocknet, Stauseen halb leer und Brunnen versiegt. Wälder stehen in Flammen, die Äcker bestehen nur noch aus Staub und Sand. Es scheint fast, als ob die Sahara nach Europa gekommen ist.

Die Kirche in Madrid rief die Gläubigen auf, in allen Gotteshäusern für Regen zu beten. Die schlimmste Dürre seit 60 Jahren scheint die Iberische Halbinsel in eine Wüste zu verwandeln. Fast möchte man meinen, die Sahara hätte die Meerenge von Gibraltar überschritten und sich auf dem Süden Europas ausgebreitet. Die Experten haben keinen Zweifel daran, dass die Wüste auf dem Vormarsch ist. Mit der derzeitigen Jahrhundertdürre in Spanien und Portugal hat dies jedoch allenfalls am Rande zu tun. Die Trockenheit beschleunigt nur einen Prozess, der vor langer Zeit begonnen hatte, um den sich aber niemand so recht zu kümmern schien. Die Ausbreitung der Wüste bedeutet nicht, dass riesige Sanddünen sich über das Land wälzen. Die Wüsten bilden sich dadurch, dass der Boden falsch genutzt oder überstrapaziert wird.

Schleichende Umweltkatastrophe

Die Iberische Halbinsel erlebt eine schleichende Umweltkatastrophe. In Spanien sind über 30 Prozent des Staatsgebiets nach UN-Angaben von der Wüstenbildung bedroht. In diesen Gegenden ist der fruchtbare Mutterboden abgetragen. Und sobald die Versteppung und Erosion der Böden einmal in Gang gekommen sind, beginnt ein Teufelskreis, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt. Da hilft später auch der Regen nicht mehr. Im Gegenteil: Der Regen schwemmt die letzten verbliebenen Nährstoffe fort.

Die Iberische Halbinsel war im Altertum so dicht bewaldet, dass ein Eichhörnchen nach der Legende von den Pyrenäen bis zur Costa del Sol von Baum zu Baum hüpfen konnte, ohne den Boden zu berühren. Mit der Eroberung durch die Römer begann die Abholzung der Wälder. Später trug die Kolonisierung Mittel- und Südamerikas dazu bei, dass das kastilische Hochland in eine Steppe verwandelt wurde: Man brauchte das Holz der Wälder für den Bau von Schiffen.

Kaum Wasserreserven für Touristen

Auch heute wird mit dem Boden Schindluder getrieben. Entlang der Mittelmeerküste entstanden Tausende von Feriensiedlungen mit Golfplätzen und Swimmingpools, für die es eigentlich keine ausreichenden Wasserreserven gibt. In der Gegend von Murcia und Almería in Südostspanien laugt der intensive Anbau von Tomaten und Paprika die Böden aus. "Wir haben zu sehr auf das Wachstum geachtet und zu wenig auf die Erhaltung der Natur", räumt der Geologe Javier Pedraza ein.

"Die Sahara beginnt gleich hinter den Pyrenäen", schrieb die Zeitung "El Mundo" schon vor Jahren, als von der jetzigen Dürre noch keine Rede war. Schon damals zeichnete sich ab, dass es wegen des Klimawandels in Spanien mehr Hitze und weniger Regen geben wird. "Das Klima auf der Iberischen Halbinsel ist in einen Prozess der Afrikanisierung getreten", meint der Klimaforscher Francisco Ayala. "In Südspanien haben wir Durchschnittstemperaturen, wie sie vor 25 Jahren für Marokko typisch waren."

Madrid "heißeste" Hauptstadt

Die Erwärmung kann eines Tages sogar zu einer Gefahr für den Tourismus werden. "Die Temperaturen können ein Niveau erreichen, an dem es den Urlaubern zu heiß wird und diese sich andere Ferienziele suchen", warnt der britische Umweltforscher Tim Carter. In Madrid stiegen in den vergangenen 30 Jahren die sommerlichen Hitzewerte um 2,2 Grad, mehr als in allen anderen Hauptstädten Europas.

Hubert Kahl/DPA DPA

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