Klimakatastrophen-Film Wissenschaft made in Hollywood


In dem neuen Film von Roland Emmerich - "The Day After Tomorrow" - erlebt die Erde einen dramatischen Klimawandel. Wissenschaftler sind mäßig begeistert, denn der Film nimmt es mit den Fakten nicht so genau.

Die Erde erlebt einen dramatischen Klimawandel - wenn am 29. Mai Roland Emmerichs Film "The Day after Tomorrow" weltweit in den Kinos anläuft. Wissenschaftler betrachten das Hollywood-Drama reserviert. In der Wirklichkeit könne sich zwar einiges ähnlich abspielen, "aber in der Summe gilt: völlig daneben - so ablaufen kann ein Klimawandel auf keinen Fall", urteilte Klimaforscher Hans von Storch, Direktor des Instituts für Küstenforschung in Geesthacht, wie das von der Bundesregierung geschaffene Deutsche Klimaforschungsprogramm (DEKLIM) am Montag berichtete.

Sekundenschnelle Temperaturstürze unrealistisch

Im Film versinkt New York in Fluten und erstarrt dann in Schnee und Eis, Tornados zerfetzen Los Angeles, Hagelstürme vernichten Tokio. Ursache ist ein Abreißen des Golfstroms. Die Ereignisse überschlagen sich. Gewaltige Stürme dehnen sich binnen Stunden auf ganze Kontinente aus. Sie transportieren arktische Kälte in Richtung Äquator.

In der Realität müsste dann aber nach den Worten von Storchs gleichzeitig Wärme zu den Polen fließen. Er moniert auch, dass im Zentrum der Leinwandstürme die Temperatur binnen Minuten auf eisige Werte fällt. "Das funktioniert schon aus Gründen der Wetterdynamik auf keinen Fall." Zudem seien Stürme von solcher Ausdehnung unrealistisch.

Änderungen des Golfstroms möglich

Im Prinzip sei eine Änderung des Strömungsmusters des Golfstroms infolge der globalen Erwärmung durchaus möglich, erklärte der Geschäftsführende Direktor Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg laut DEKLIM. Genaues könne niemand vorhersagen. "Es ist im schlimmsten Fall vorstellbar, dass wir innerhalb der nächsten zehn bis 20 Jahre im Nordatlantik eine Abkühlung um drei bis fünf Grad Celsius erleben." Die Folgen wären auf jeden Fall gravierend.

Der Golfstrom, eine Meeresströmung im nördlichen Atlantik, beschert West- und Nordeuropäern ein zuträgliches Klima. Entscheidend ist die Thermohaline Zirkulation (THC), ein Zusammenspiel zwischen warmer Oberflächen- und kalter Tiefenströmung. Teile des Golfstroms dringen weit nach Norden vor, geben dort ihre Wärme an die Luft ab, kühlen aus und sinken in große Tiefen. Um die THC genauer zu erforschen, ist ein Messsystem am Ost- und Westrand des Atlantiks installiert worden.

Klimaänderungen sind nichts außergewöhnliches

Auch abrupte Klimaveränderungen sind derzeit unter Wissenschaftlern ein heißes Thema. Man dürfe darüber aber nicht vergessen, dass das Klima ohnehin einem ständigen Wandel unterworfen sei, der sich aber eher langsam vollziehe, erklärte von Storch. Die historische Klimaforschung (Paläoklimatologie) habe Hinweise dafür geliefert, dass in der Erdgeschichte abrupte Klimaänderungen abliefen, doch seien diese nur in Kaltzeiten aufgetreten, nicht in einer Warmzeit wie der gegenwärtigen.

Nach Ansicht von Storchs darf man auch die Wetterextreme der letzten Jahre wie Hochwasser, Dürren und Stürme nicht als Beweis dafür nehmen, dass die Naturkatastrophen bereits zugenommen hätten. Gehäufte Wetterextreme seien nichts Neues. Die Forschung zeige, dass Extremereignisse - wie etwa Überschwemmungen an der Elbe - in Gruppen ("Clustern") aufträten.

AP


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