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NOBELPREIS »Bild vom Universum verändert«

Wie die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm bekannt gab, teilen sich drei Astrophysiker aus Japan und den USA den diesjährigen Nobelpreis für Physik.

Der diesjährige Nobelpreis für Physik geht an die US-Bürger Raymond Davis und Riccardo Giacconi sowie den Japaner Masatoshi Koshiba.

Nachweis kosmischer Neutrinos

Davis und Koshiba erhielten den Preis »für bahnbrechende Arbeiten in der Astrophysik, insbesondere für den Nachweis kosmischer Neutrinos«, teilte die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mit. Giacconi erhalte den Preis »für bahnbrechende Arbeiten in der Astrophysik, die zur Entdeckung von kosmischen Röntgenquellen geführt haben«. Der Preis ist umgerechnet mit insgesamt rund einer Million Euro dotiert. Die eine Hälfte erhalten Davis und Koshiba, die andere Giacconi.

»Bild vom Universum verändert«

Die diesjährigen Nobelpreisträger in Physik hätten die allerkleinsten Bestandteile des Universums verwendet, um das Verständnis für das Allergrößte: die Sonne, Sterne, Galaxien und Supernovae zu erweitern, hieß es in der Begründung des Instituts. »Das neue Wissen hat unser Bild vom Universum verändert.«

Der 87-jährige Davis habe einen völlig neuen Neutrinos-Detektor konstruiert, einen riesigen Tank mit 600 Tonnen Flüssigkeit, der in einer tief unter der Erdoberfläche liegenden Grube aufgebaut wurde, teilte das schwedische Institut weiter mit. Damit sei es ihm in 30 Jahren gelungen, 2000 Neutrinos von der Sonne einzufangen. So habe er zeigen können, dass die Sonnenenergie durch Fusion entstehe.

Billionen Neutrinos pro Sekunde

Neutrinos werden den Angaben zufolge unter anderem in Fusionsprozessen in der Sonne und anderen Sternen gebildet, in denen Wasserstoff zu Helium umgewandelt wird. Sie stehen kaum in Wechselwirkung mit Materie und fliegen beispielweise zu Billionen pro Sekunde durch jeden Menschen, ohne wahrgenommen zu werden.

In einem anderen gigantischen Detektor mit dem Namen Kamiokande habe eine vom inzwischen 76-jährigen Koshiba geleitete Gruppe am 23. Februar 1987 einen von einer entfernten Supernova-Explosion stammenden Neutrino-Schauer nachweisen können, hieß es weiter. Sie hätten etwa zehn der insgesamt 10.000.000.000.000.000 (10 hoch 16) den Detektor passierenden Neutrinos eingefangen. »Davis und Koshibas Arbeiten haben zu unerwarteten Entdeckungen und zu einem neuen, intensiven Forschungsgebiet geführt, der Neutrino-Astronomie.«

Giacconi entdeckte nach Angaben des Instituts die erste Röntgenquelle außerhalb unseres Sonnensystems. »Und er konnte als erster feststellen, dass das Universum eine Hintergrundstrahlung aus Röntgenlicht hat.« Dazu habe er ein Instrument im Weltraum aufgestellt. Giacconi habe auch Röntgenquellen entdeckt, die nach heutiger Ansicht der meisten Astronomen Schwarze Löcher enthielten. Der 71-Jährige habe zudem die ersten Röntgenteleskope konstruiert, die völlig neue und scharfe Bilder vom Universum geliefert hätten. Mit seiner Arbeit habe er wesentlich zur Entwicklung der Röntgenastronomie beigetragen.

»Heute nicht ins Büro«

Die unerwartete Preisverleihung hat den frisch ernannten Physik-Nobelpreisträger Riccardo Giacconi zunächst ratlos gemacht: »Was macht man an einem solchen Tag? Geht man in sein Büro? Ich weiß es nicht«, sagte er der dpa am Telefon in Washington. Als ihn der Anruf aus Schweden um 5.30 seiner Zeit aus dem Schlaf gerissen hatte, sei er »völlig überrascht« gewesen. Dem schwedischen Rundfunk sagte der gebürtige Italiener unter Tränen: »Ich bin einfach sprachlos und sehr gerührt.«

»Ich dachte 'endlich'«

Der ebenfalls gekürte Japanischer Masatoshi Koshiba sagte zu Hause in Tokio vor Journalisten: »Vielen Dank. Ich fühle mich geehrt.« Mehr könne er im Moment nicht sagen. Auf die Frage eines Journalisten, wie er sich nach dem Anruf aus Schweden gefühlt habe, sagte der neue Nobelpreisträger: »Ich dachte 'endlich'.« In den vergangenen 15 Jahren habe er darauf gehofft.


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