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Pandas: Xiang Xiangs Weg in die Freiheit

China jubelt: Als erster in Gefangenschaft geborener Panda ist der vierjährige Xiang Xiang in die Freiheit entlassen worden. Tierschützer kritisieren jedoch, dass sich mit Auswilderungen der Panda nicht retten lässt.

Erstmals ist in China ein in Gefangenschaft gezüchteter Riesenpanda in die freie Wildbahn entlassen worden. Wissenschaftler brachten den vier Jahre alten Xiang Xiang in eine entlegene Bergregion in der Provinz Sichuan in Südwestchina, wie Mitarbeiter des Forschungs- und Schutzzentrums im renommierten Wolong Reservat berichteten.

Das 80 Kilogramm schwere Bärenmännchen trägt einen Sender für seine mit dem Satellitennavigationssystem GPS bestimmte Position, damit seine Streifzüge verfolgt werden können. Es gilt als "Pionier" für seine bedrohte Art, da Wissenschaftler lernen wollen, wie sich in Gefangenschaft aufgezogene Pandas in der Wildnis anpassen.

Zum Abschied von den Menschen erhielt Xiang Xiang, was übersetzt "Glück verheißend" bedeutet, noch ein paar Impfungen. Beim letzten Gesundheitstest wurde sogar noch einmal Blutdruck gemessen. "Sehr stark und gesund", lautete nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua die letzte Diagnose seiner Ärzte, so dass Xiang Xiang in die Freiheit der Berge entlassen werden konnte.

Er lernte Futter suchen und fest zubeißen

Im August 2001 war der Riesenpanda nach einer künstlichen Befruchtung seiner Mutter auf die Welt gekommen und schon vor drei Jahren für seine heikle Aufgabe ausgesucht worden. In einem simulierten "natürlichen" Lebensraum von 200.000 Quadratmetern lernte Xiang Xiang, selbst nach Futter zu suchen, sein Territorium zu markieren, sich zu verteidigen und dabei auch schon mal so fest zuzubeißen, wie es seine wilden Kollegen tun.

Der rund 1,10 Meter große Pandabär wurde auf dem Höhepunkt der Bambussaison ausgesetzt, um es ihm zu erleichtern, die nötigen Bambussprossen als Nahrung zu finden. Denn Riesenpandas (Ailuropoda melanoleuca), die in Gefangenschaft aufwachsen, haben meist weniger natürliche Instinkte. Oft sind sie auch unwillig, sich zu paaren. Nur 24 Prozent der in Zoos oder Reservaten lebenden Pandaweibchen bringen Junge zur Welt.

Der Mensch bedroht die Existenz der Pandas

Nach offiziellen chinesischen Angaben leben heute weltweit mehr als 180 Pandas in Gefangenschaft und 1590 in der freien Wildbahn, meist in den Bergen im Südwesten Chinas. Der Mensch ist nicht nur ihr Freund, sondern eigentlich die Wurzel allen Übels. Die Umwandlung von Wäldern zu landwirtschaftlichen Nutzflächen, das Sammeln von Kräutern, die Bambusernte, Wilderei sowie Entwicklungsprojekte wie Straßen- und Dammbau sowie der Bergbau bedrohen die Existenz der Riesenpandas, wie der World Wide Fund for Nature (WWF) beklagte.

Lebensraum schützen

Für die Tierschützer ist der Freilandversuch mit Xiang Xiang auch nicht die Lösung des Problems. "Selbst wenn in Gefangenschaft gezüchtete Pandas erfolgreich in der Wildnis ausgesetzt werden, glaubt der WWF nicht, dass die Zucht allein eine wirksame Schutzmaßnahme ist, um die Riesenpandas zu retten", sagte der WWF-Repräsentant in China, Dermot O'Gorman.

"Den Lebensraum der Pandas zu schützen, ist vielmehr die wichtigste Aufgabe zum Schutz der Riesenpandas", betont O'Gorman. Ohne ein umfassendes Programm in diese Richtung sei ihnen nicht gedient. Mit den örtlichen Gemeinden müsse der Lebensraum der bedrohten Tiere gesichert werden. Ultimatives Ziel der Zucht von Pandas sei es natürlich, diese wieder in der Wildnis anzusiedeln. "Doch Zucht in Gefangenschaft ist sehr teuer und riskant und sollte nur als letztes Mittel erwogen werden."

Andreas Landwehr/DPA / DPA