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Raumfahrt: Stellenabbau im All

In der Internationalen Raumstation ISS sollen künftig statt drei nur noch zwei Astronauten leben und arbeiten.

ISS-Crew verlässt Station mit Rettungskapsel

Im Weltraum werden Stellen abgebaut. In der Internationalen Raumstation ISS sollen künftig statt drei nur noch zwei Astronauten leben und arbeiten. Die bisherige dreiköpfige Crew wird bereits im April die Station mit einer russischen Rettungskapsel verlassen. Die Ankündigung von NASA-Chef Sean O’Keefe knapp vier Wochen nach der Explosion der Raumfähre "Columbia" hat weit reichende Folgen - nicht zuletzt für die europäischen ISS-Partner.

O’Keefe machte zugleich deutlich, dass er bis Ende des Jahres nicht mit einer Wiederaufnahme der Shuttleflüge rechnet. Er kündigte bereits für Oktober einen zweiten Flug der eigentlich nur für Rettungs- und Versorgungsflüge vorgesehenen Sojus-Kapseln zur Station an, um dann die nächste Crew in den Orbit zu bringen.

Aus NASA-Kreisen verlautete, dass die beiden künftigen Langzeitbewohner wahrscheinlich der Amerikaner Edward Lu und der Russe Juri Malentschenko sein werden - sie waren beide neben dem Russen Alexander Kaleri als Mitglieder der regulären siebten Langzeitmannschaft vorgesehen. Im Oktober werden die beiden dann von einer abgespeckten achten Mannschaft abgelöst.

Für die Europäische Raumfahrtagentur ESA bedeutet die Entscheidung erst einmal, dass der für April geplante Flug eines spanischen Astronauten an Bord einer Sojus-Kapsel ausfällt. Er muss Platz machen für die neue ISS-Crew. Sollten die Shuttles noch länger ausfallen, müssen vermutlich noch weitere ESA-Astronauten am Boden bleiben.

Für die USA stellen die Flüge mit den Sojus-Kapseln auch ein politisches Problem dar. Die permanent unter Finanznöten leidenden Russen hatten einige der freien Sitze an Bord der Sojus-Kapseln an die ESA verkauft und auch Touristen Flüge für 20 Millionen Dollar angeboten. Dieses Geld fehlt nun, andererseits verbietet ein Gesetz aus dem Jahr 2000 den USA, russische Raketenprogramme zu finanzieren.

So müssen andere Wege gefunden werden, um die russischen Sojus- Kapseln zu finanzieren. Der demokratische Abgeordnete Nick Lampson aus Texas kündigte bereits an, er wolle eine Vorlage einbringen, die es den USA ermöglichen würde, trotz des Verbots den Bau neuer Sojus- und Progresskapseln zu finanzieren. Vor allem die unbemannten Progress-Transporter, die Versorgungsgüter zur Station bringen, sind nach dem Ausfall der Shuttles noch wichtiger geworden.

Nach Angaben der NASA hat die Station noch genügend Vorräte bis Juni und genügend Treibstoff bis nächstes Jahr. Vor allem Wasser dürfte aber etwas knapp werden, da es bisher von den Shuttles gebracht wurde. Sie stellen das Wasser bei der Stromerzeugung als "Nebenprodukt" her. Künftig muss das Wasser in kleineren Mengen von den russischen Kapseln zur Station gebracht werden. Vorteilhaft ist da natürlich, dass zwei Astronauten weniger Wasser verbrauchen als drei.

Allerdings dürften die beiden Raumfahrer auch kaum Zeit für ihre eigentliche Aufgabe haben: die wissenschaftliche Forschung. Schon die drei Crewmitglieder hatten Probleme, sich neben den routinemäßigen Wartungsarbeiten der Forschung zu widmen. Deshalb waren ursprünglich sieben Bewohner vorgesehen, womit auch europäische Astronauten eine höhere Chance gehabt hätten, ins All zu kommen. Das Ziel einer größeren Crew ist nach dem "Columbia"-Unglück allerdings in noch weitere Ferne gerückt.

Von Thomas Müller