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Revierverhalten im Tierreich: Warum Grillkuckuck-Weibchen Machos sind

Sie haben nicht nur gerne mal mehrere Partner und das buntere Federkleid - auch bei der Revierverteidigung haben die Weibchen der afrikanischen Grillkuckucke die Hosen an. Um mögliche Konkurrentinnen abzuschrecken, zeigen sie vollen Einsatz.

Bei einer Kuckucksart aus Afrika sind es die Weibchen und nicht die Männchen, die ihr Zuhause gegen Eindringlinge verteidigen: Während normalerweise die Vogelmännchen drohend ihre Stimme erheben, wenn ein fremder Artgenosse ins eigene Revier gerät, übernehmen beim Grillkuckuck die Damen diese Aufgabe. Das haben Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen jetzt durch Beobachtungen im Südwesten Tansanias herausgefunden. Sobald sich ein fremdes Weibchen nähert, verändern die Weibchen Gesang und Stimmlage und informieren so die Gegnerin über die eigene Körpergröße - vermutlich, um sie abzuschrecken, schreiben Nicole Geberzahn und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift "Behavioral Ecology and Sociobiology".

Geschlechtshormon Testosteron ist Schuld

Grillkuckucke leben einen konsequenten Rollentausch zwischen den Geschlechtern. Statt der Männchen sind es bei ihnen die Weibchen, die mit einem bunten Gefieder um Partner buhlen - und sich gerne auch mit mehr als einem von ihnen paaren. Auch die Verteidigung des Reviers ist Frauensache: Konkurrentinnen werden rigoros vertrieben. Sogar der Gesang bleibt fast vollständig den Weibchen vorbehalten. Dahinter steckt vermutlich das Geschlechtshormon Testosteron, wie die Forscher bereits vor zwei Jahren zeigen konnten: Die Weibchen besitzen in bestimmten Gehirnbereichen mehr Sensormoleküle für das Hormon als die Männchen und reagieren daher bereits auf sehr geringe Mengen mit einem ausgeprägten Aggressions- und Revierverhalten.

Tiefere Tonlage und längere Laute

Das spiegelt sich auch in ihrer Reaktion auf vermeintliche Eindringlinge wider, belegt jetzt die neue Studie. Wurden den Grillkuckucks-Weibchen über Lautsprecher, die in der Mitte ihres Reviers angebracht waren, Laute eines fremden Weibchens vorgespielt, näherte sich die Revier-Inhaberin der Lärmquelle und antwortete - die Männchen dagegen hielten sich im Hintergrund. Bei diesem Antwortgesang passten die Damen zudem ihre Stimme an: Sie nutzten eine tiefere Tonlage und zogen die verwendeten Laute in die Länge. Je größer das Weibchen war, desto ausgeprägter war die Veränderung und desto tiefer die Stimmlage.

Vermutlich will die ansässige Dame möglichen Konkurrentinnen dadurch Informationen über ihre Körpergröße vermitteln - und sie gegebenenfalls abschrecken. "Fremde Weibchen können anhand dieses Gesangs zuverlässig erkennen, ob sich eine Konfrontation lohnt, denn nur große Weibchen können auch tief singen", sagt Studienleiterin Nicole Geberzahn.

DDP / DDP
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