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Schiffsunglück: Robbenjagd vor Kanadas Küste gestoppt

Vor Kanadas Ostküste kenterte ein Robbenjäger-Schiff, mindestens drei Menschen kamen ums Leben. Die Robbenfänger stellten daraufhin die Jagd ein. Die kanadische Regierung hat in diesem Jahr 275.000 Sattelrobben zur Jagd freigegeben; die EU erwägt deswegen "Maßnahmen" gegen Kanada.

Nach einem tödlichen Schiffsunglück ist die jährliche Robbenjagd vor der Ostküste Kanadas vorerst so gut wie gestoppt. Nach Angaben der Küstenwache kamen mindestens drei Menschen ums Leben, als das Fischerboot "L'Acadien" in der Nacht zum Samstag auf hoher See kenterte. Daraufhin setzte die Mehrheit der am Freitag aufgebrochenen 16 Robbenfängerboote die Jagd aus Solidarität zunächst aus, berichtete ein Sprecher des kanadischen Fischereiministeriums. Die verunglückten Fischer stammten von der zu Québec gehörenden Insel Madeleine. Die Robbenjagd wird von Tierschützern scharf kritisiert.

Von den sechs Schiffsinsassen seien nur zwei gerettet worden, teilte ein Sprecher der Küstenwache mit. Drei Leichen seien geborgen worden, ein Fischer werde noch vermisst. Die Küstenwache stellte die Suche nach dem Vermissten nach eigenen Angaben ein und übergab die Ermittlungen der Polizei. Einer der Überlebenden sagte dem Sender Radio-Canada, das Fischerboot sei wegen eines ausgefallenen Steuerruders manövrierunfähig gewesen. Bei einem fehlgeschlagenen Abschleppversuch durch ein Schiff der Küstenwache habe sich die "L'Acadien" im Packeis verfangen und sei anschließend gekentert.

Am Samstag waren nach Angaben des Ministeriums noch drei oder vier Fangschiffe auf See, am Abend kehrten nach Berichten von Radio-Canada auch die verbliebenen Robbenfänger in den Hafen von Cap-aux-Meules zurück. Die Jagd wird außerdem durch schlechtes Wetter beeinträchtigt, das weiter andauern soll.

"Maßnahmen" gegen Kanada

Die kanadische Regierung hat in diesem Jahr 275.000 Sattelrobben zur Jagd freigegeben. Mehrere Organisationen wie der Internationale Tierschutz-Fonds (IWAF) kündigten an, die diesjährige Jagd zu filmen, um deren Grausamkeit zu belegen. Die Jagd dauert je nach Wetterlage bis zu zwei Wochen.

Die EU-Kommission hatte in der vergangenen Woche "Maßnahmen" gegen Kanada wegen der Robbenjagd angekündigt, ohne Details zu nennen. Loyola Sullivan, der kanadische Vertreter für die Erhaltung der Fischbestände, will in den kommenden Tagen in mehrere europäische Länder reisen, um die kanadische Position zu erläutern. In der EU wird momentan über ein Importverbot für sämtliche Robbenprodukte diskutiert, wie es die Niederlande und Belgien sowie die USA bereits erlassen haben. Wichtigste Abnehmer für diese Produkte sind derzeit Norwegen, Russland und China.

AFP / AFP