HOME

Wasser im Faktencheck: Die wichtigsten Antworten auf drängende Fragen

Wie gut ist deutsches Trinkwasser? Finden sich darin Rückstände von Nitrat, Blei oder Pestiziden? Und wie rein ist Mineralwasser? Antworten auf die wichtigsten Fragen zum wichtigsten Lebensmittel.

Deutsches Leitungswasser ist von sehr guter Qualität, hat der letzte Trinkwasserbericht ergeben.

Deutsches Leitungswasser ist von sehr guter Qualität, hat der letzte Trinkwasserbericht ergeben.

Wasser ist das wichtigste Lebensmittel überhaupt. Ohne Wasser kein Leben. Aber Wasser ist nicht gleich Wasser - so einfach ist das nicht. Es gibt einmal Mineralwasser, das die Deutschen besonders gerne trinken - im Schnitt verbraucht jeder Bundesbürger mehr als 140 Liter pro Jahr - und dann noch Heilwässer, Quellwasser, Tafelwasser. Nicht zu vergessen das normale Trinkwasser, also Leitungswasser. Worin unterscheiden sie sich diese Flüssigkeiten? Sind sie alle rein und unbedenklich? Immer wieder ist die Rede von unerwünschten Stoffen im Trinkwasser, mal ist es Nitrat, dann sind es Pestizide oder Medikamente, Blei oder Uran. Das verunsichert viele Menschen, daher greifen sie lieber zu Mineralwasser. Ist das die bessere Alternative? Lohnt sich die Mehrausgabe? Antworten auf diese und weitere Fragen zum wichtigsten aller Lebensmittel beantworten wir in folgender Übersicht.

Was genau ist mit Trinkwasser gemeint? Schließt das Mineralwasser mit ein?

Gesetzlich nicht. Mit Trinkwasser ist Leitungswasser gemeint, also jenes Wasser, das aus dem Hahn kommt und zum Trinken oder Kochen sowie zum Duschen oder Wäschewaschen verwendet wird. Es ist das wichtigste und das in Deutschland am besten kontrollierte Lebensmittel, wird immer wieder betont - besser noch als Mineralwasser. Welche Anforderungen es erfüllen muss, gibt die Trinkwasserverordnung vor; für Mineral-, Quell- und Tafelwasser gibt es eine eigene Verordnung: die Mineral- und Tafelwasserverordnung.

Worin unterscheiden sich Mineralwasser, Quellwasser und Tafelwasser?

Grob vereinfacht ausgedrückt liegen die Unterschiede im Ursprung und in der Zusammensetzung der Wässer. Die strengsten Anforderungen hat natürliches Mineralwasser zu erfüllen: Damit es sich so nennen darf, muss es aus einer unterirdischen Quelle stammen, die vor Verunreinigungen geschützt ist. Es muss von ursprünglicher Reinheit sein und bestimmte Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten. Die Zusammensetzung und Qualität muss konstant bleiben, für unerwünschte Stoffe müssen Grenzwerte eingehalten werden. Darüber hinaus wird Mineralwasser direkt an der Quelle oder am Brunnen abgefüllt, darf nicht aufbereitet werden und muss amtlich anerkannt sein, damit es verkauft werden darf.

Was ist Quellwasser?

Quellwasser stammt ebenfalls aus einem natürlichen, unterirdischen Reservoir und wird direkt vor Ort abgefüllt. Es ist wie Mineralwasser natürlich rein und darf nicht aufbereitet werden. Ansonsten entspricht es qualitativ den Anforderungen von Trinkwasser.

Was ist Tafelwasser?

Das Tafelwasser hat mit den beiden natürlichen Wässern eigentlich wenig gemein. Es ist kein natürliches, sondern ein künstlich erzeugtes Gemisch aus Trinkwasser und anderen Zutaten. Hierfür können verschiedene Wässer beliebig miteinander vermengt und mit Kohlensäure versetzt werden.

Was ist Heilwasser?

Heilwässer ähneln Mineralwässern insofern, dass sie auch einer unterirdischen Quelle entspringen und die Abfüllung direkt vor Ort erfolgt. Allerdings enthält ein Heilwasser deutlich mehr Mineralstoffe und Spurenelemente, weshalb ihm eine gesundheitliche Wirkung zugesprochen wird. Je nach Zusammensetzung könne es die Funktion bestimmter Organe wie Magen und Darm oder Nieren und Harnwege anregen oder regulieren, behaupten Befürworter. Rechtlich gelten Heilwässer als frei verkäufliche Arzneimittel, weshalb sie in Deutschland staatlich zugelassen sein müssen. Dennoch kann man sie in vielen Supermärkten kaufen.

Sind Mineralwässer immer so rein wie behauptet?

Das wäre schön. Stiftung Warentest untersucht deutsche Mineralwässer regelmäßig, zuletzt erfolgte das im Mai 2015. Insgesamt 20 Mineralwässer der Sorte Medium und Classic aus ganz Deutschland ließen die Tester auf 71 Stoffe prüfen, darunter Arzneimittelrückstände, Pestizide und Süßstoffe. Das Ergebnis: Nur sechs Wässer schnitten mit "Gut" ab, waren sensorisch einwandfrei, bedenkenlos für Immungeschwächte und gut gekennzeichnet.

In drei Proben fanden die Tester oberirdische Verunreinigungen, darunter Abbauprodukte von Pestiziden, Süßstoffe und Korrosionsschutzmittel. Diese Verunreinigungen lagen im Nanogrammbereich und waren somit sehr gering, daher sind die Wässer gesundheitlich unbedenklich. Dennoch sei das ein Hinweis darauf, dass die Quellen nicht ausreichend geschützt seien, schreibt Stiftung Warentest. Außerdem fielen manche Wässer durch einen fremdartigen Geschmack auf, in zwei Proben fanden sich Keime, so dass die Wässer für Immungeschwächte ungeeignet seien. Es lohnt sich, genau hinzuschauen.

Wer sich für ein Mineralwasser entscheidet, sollte zudem auf die Inhaltsstoffe achten. Ein Test aus 2014 von Stiftung Warentest hat gezeigt, dass zahlreiche Mineralwässer recht mineralstoffarm sind, also weniger als 500 Milligramm gelöste Mineralstoffe pro Liter vorweisen können. Damit hätten sie den Namen "Mineralwasser" eigentlich nicht verdient.

Wie gut ist deutsches Leitungswasser?

Nach offiziellen Angaben ist das Leitungswasser in Deutschland von sehr guter Qualität. Auch Problemstoffe wie Nitrat, Blei oder bestimmte Pestizide kommen allenfalls in Spuren vor (siehe unten). Das bestätigt jedenfalls der aktuelle Bericht über die Trinkwasserqualität des Bundesministeriums für Gesundheit und des Umweltbundesamtes (UBA), der Ende März 2015 erschienen ist. Dieser Bericht wird alle drei Jahre veröffentlicht und fasst die Untersuchungsergebnisse der Wasserversorger zusammen.

Zum Hintergrund: Jeder Wasserversorger prüft sein Wasser routinemäßig hinsichtlich bestimmter Parameter wie Geruch, Geschmack, Trübung, Leitfähigkeit oder ph-Wert, aber auch danach, ob bestimmte Bakterien wie E.coli darin vorkommen. Je größer das Versorgungsgebiet, desto engmaschiger die Kontrollen. Große Wasserversorger kontrollieren ihr Wasser täglich.

Die Wasserversorger gewährleistet die Reinheit ihres Wassers aber nur bis zur Hausinstallation. Ab da steht der Hauseigentümer in der Verantwortung. Blei- oder Kupferrohre im Haus können die Wasserqualität verschlechtern. Auch über Armaturen können Metalle wie Nickel oder Chrom ins Wasser gelangen. Experten empfehlen darüber hinaus, den Wasserhahn aufzudrehen und einige Minuten laufen zu lassen, wenn eine Leitung längere Zeit nicht genutzt wurde, etwa nach dem Urlaub.

Kann man sein eigenes Wasser testen lassen?

Im Netz gibt es zahlreiche Anbieter für kostenpflichtige Wassertests, nicht alle sind seriös. Verbraucher können sich an ihre Wasserwerke wenden, wenn sie mehr über die Qualität erfahren wollen, oder Proben an private Labore schicken, das ist aber immer mit Kosten verbunden. Verbraucherzentralen können bei der Suche helfen.

Das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB bietet eine Analyse im Rahmen einer Studie an. Auch hier wird eine Probe entnommen und eingeschickt. Das kann möglicherweise für jene interessant sein, die in einem Haus mit Bleileitungen leben oder für Menschen, die sich über einen Hausbrunnen versorgen.

Enthält Leitungswasser überhaupt Mineralstoffe?

Ja, Leitungswasser enthält auch Mineralstoffe, vor allem Kalzium und Magnesium, wenn auch in überschaubaren Mengen. Die genaue Zusammensetzung unterscheidet sich von Standort zu Standort. Allerdings lässt sich der tägliche Bedarf an Mineralstoffen ohnehin nicht allein mit Wasser decken, auch nicht mit Mineralwasser, das überschätzen viele. Das geschieht überwiegend über eine ausgewogene Ernährung. Mineralwässer sind außerdem nicht zwingend mineralstoffreich, ergaben Untersuchungen von Stiftung Warentest.

Wie stark ist Trinkwasser mit Nitrat belastet?

In den vergangenen Jahren mehrten sich Berichte über eine starke Nitratbelastung des Grundwassers in manchen Regionen Deutschlands, eine Folge der intensiven Düngung in der Landwirtschaft. Nitrat gelangt über Kunstdünger und Gülle ins Grundwasser. Das ist nach wie vor hochproblematisch.

Beim Trinkwasser selbst gebe es aber kein Problem mit dem Stoff, gibt das UBA bekannt. Der Grenzwert für Nitrat liegt bei 50 Milligramm Nitrat pro Liter, das gilt sowohl für Trink-, als auch für Mineralwasser. Laut aktuellem Trinkwasserbericht wird dieser Wert nur selten überschritten. "Am Zapfhahn spielt Nitrat keine Rolle mehr", sagt Hans-Jürgen Grummt, der als Biologe in der Trinkwasserabteilung des Umweltbundesamtes in Bad Elster arbeitet. Die Nitratgehalte im Trinkwasser seien in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gesunken. Dafür sorgen die Wasserversorger. Einige würden zu stark belastetes Grundwasser mit unbelastetem Wasser strecken und so die Trinkwasserqualität sicherstellen, schreibt das UBA.

Gibt es Pestizidrückstände im Trinkwasser?

Auch bei der Belastung durch Pestizide gibt es von offizieller Stelle Entwarnung. Laut Trinkwasserbericht liegen die gemessenen Konzentrationen bei fast allen überwachten Wirkstoffen und deren Zwischenprodukten unter dem Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter. Ein Mikrogramm entspricht einem Millionstel Gramm.

Insgesamt wurden in den drei Jahren, die dem Bericht zugrunde liegen, 253 Wirkstoffe und deren Zwischenprodukte überprüft. "Ja, es gab Grenzwertüberschreitungen, aber die konzentrierten sich auf insgesamt nur acht Stoffe", sagt Biologe Grummt. Es gebe daher keinen Anlass zur Sorge. Bei sechs der acht Stoffe sei der Grenzwert um höchstens ein Prozent, bei den anderen beiden um bis zu sechs Prozent überschritten worden. "Diese Stoffe sind unerwünscht, keine Frage, aber es handelt sich um Einzelfälle und kein flächendeckendes Problem", sagt Hans-Jürgen Grummt. Akut gesundheitsschädlich seien die Überschreitungen nicht. Meist treten sie nur für kurze Zeit und nur in einer bestimmten Region auf. "Nicht alle Stoffe werden überall eingesetzt, also werden nicht alle Stoffe überall geprüft", sagt Biologe Grummt. "Es wäre zum Beispiel unsinnig, in Mecklenburg-Vorpommern auf Belastung mit einem Stoff zu prüfen, der beim Weinbau zum Einsatz kommt."

Gibt es Medikamentenrückstände im Trinkwasser?

Leider ja, und diese Vorstellung behagt Verbrauchern überhaupt nicht, dass sie über das Trinkwasser unfreiwillig Medikamente zu sich nehmen könnten. Tatsächlich ist die Belastung mit Arzneimittelrückständen ein großes Umweltproblem, vor allem für Gewässer wie Flüsse und Seen. Das ist nicht zu leugnen. Zahlreiche Mittel lassen sich mittlerweile dort nachweisen. Spuren davon gelangen auch ins Grundwasser und somit ins Trinkwasser. Gefunden wurden in der Vergangenheit zum Beispiel Spuren von Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac, von bestimmten Antibiotika und Hormonen.

Das Problem ist: "Kläranlagen können diese Stoffe nicht immer richtig herausfiltern, dafür sind sie nicht ausgelegt", sagt Tamara Grummt, Toxikologin am UBA. "Vor allem, wenn es sich um langlebige, schwer abbaubare Stoffe handelt." Nach derzeitigem Stand seien die Funde aber nicht gesundheitsgefährdend. "Es handelt sich um Spuren, deren Konzentration sich im Mikro- und Nanogrammbereich bewegen." Medizinisch wirksam seien die Stoffe auch nicht. "Selbst wenn jemand ein Leben lang täglich zwei Liter dieses Wassers trinken würde, wäre er nicht gefährdet", sagt Grummt. Nichtsdestotrotz seien sie unerwünscht und müssten entfernt werden.

In der Trinkwasserverordnung gibt es derzeit keinerlei Grenzwerte für Arzneimittelrückstände. Man sei sich des Problems aber bewusst und arbeite an Lösungen, heißt es in einem Hintergrundpapier des UBA zum Thema. Bestimmte Stoffe würden schon jetzt intensiv überwacht.

Wie steht es um die Bleibelastung von Leitungswasser?

Wasser kann mit dem giftigen Schwermetall Blei belastet sein, aber das liegt meist an veralteten Bleileitungen oder Armaturen im Haus. Im Trinkwasser selbst werden die Grenzwerte nur noch selten überschritten, in weniger als 0,1 Prozent der Proben, meldet das UBA. Seit dem 1. Dezember 2013 gilt für Blei ein Grenzwert von zehn Mikrogramm pro Liter Trinkwasser.

Ist Leitungswasser mit Uran belastet?

Vor Jahren hatte die Uranbelastung des Trink- und Mineralwassers große Wellen geschlagen. Damals hatte die Verbraucherorganisation Foodwatch dieses Thema ins öffentliche Bewusstsein gerückt, indem sie kritische Werte veröffentlicht haben, und einen Grenzwert gefordert. Der wurde für Trinkwasser schließlich am 1. November 2011 eingeführt, er liegt bei zehn Mikrogramm Uran pro Liter Wasser. Damit ist Deutschland das erste Land innerhalb der EU mit einem Grenzwert für den Gehalt des giftigen Schwermetalls.

Im aktuellen Trinkwasserbericht ist Uran noch nicht erfasst. "Der Grenzwert wird aber weitestgehend eingehalten, haben Untersuchungen gezeigt", sagt Biologe Hans-Jürgen Grummt. "Uran spielt im Trinkwasser keine Rolle." Allerdings schütze der Zehn-Mikrogramm-Grenzwert Babys und Kleinkinder noch immer nicht ausreichend, kritisiert Foodwatch, und fordert weiter, die Höchstgrenze auf zwei Mikrogramm Uran pro Liter zu senken.

Anders sieht es bei Mineralwasser aus: Hier gibt es keine zulässige Höchstgrenze für Uran. Nur wenn ein Wasser für Säuglingsnahrung geeignet sein soll, muss es die Grenze von zwei Mikrogramm Uran pro Liter einhalten.

Sonja Helms
Themen in diesem Artikel