Wilder Braunbär in Deutschland Bär außer Rand und Band

Zum ersten Mal seit mehr als 170 Jahren hat ein in Freiheit lebender Bär seine Tatzen auf deutschen Boden gesetzt. Nun wurde er zum Abschuss freigegeben - aus Sicherheitsgründen.

Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) hat in München mitgeteilt, dass der Braunbär aus Sicherheitsgründen zum Abschuss freigegeben ist. "Der Bär ist zu einem Problembären geworden", sagte Schnappauf. "Der Bär ist ganz offensichtlich außer Rand und Band." So habe er zum wiederholten Male Schafe gerissen und sei in Grainau auch in einen umschlossenen Hühnerstall eingedrungen.

Alle Experten hätten deshalb empfohlen, den Bären zum Abschuss freizugeben. Unabhängig davon würden die Versuche fortgesetzt, den Bären einzufangen. Er könne dann aber nicht wieder in die Freiheit entlassen werden.

Bär tötete sieben Schafe

Auf einer oberbayerischen Weide riss das Tier sieben Schafe, um danach gleich wieder spurlos zu verschwinden, wie die Sprecherin des World Wildlife Fund Deutschland (WWF), Ulrike Bauer, bestätigte. Damit ist seit mehr als 170 Jahren erstmals wieder ein Bär in Deutschland. Woher der Bär genau stammt, ist bislang nicht bekannt. Es könnte sich um ein Tier aus dem Trentino in Italien handeln, vermutet der WWF, der Genproben in Italien überprüft und sich über die Ankunft des Braunbären in Deutschland freut.

Martin Wehrmeister, Landwirt und Hobby-Imker im Tiroler Weiler Alach, gehört zu denjenigen, die den wanderfreudigen Meister Petz mit eigenen Augen gesehen haben. "Es ist bärig! Ich hätte nie gedacht, einmal einen Bären zu sehen - und schon gar nicht in meinem Bestand", erzählt der 66-Jährige über die Begegnung vor wenigen Tagen. Abends hatte der Hund des Landwirts angeschlagen. "Ich dachte erst, das ist ein Dachs." Doch bei Licht stellte sich rasch heraus, dass ein leibhaftiger Bär einen Bienenstock auf seinem Hof heimgesucht hatte. "Das war kein großer Schaden. Das war ein Erlebnis!"

Bienenstock leergeräumt

Wo sich der Braunbär danach herumtrieb, konnte keiner genau sagen. "Später hat er zwei Kilometer vor der Grenze bei Pflach eine Bienenhütte ausgeräumt", berichtete Susanne Grof, Sprecherin des WWF Österreich, bei einem Presserundgang im Tiroler Ort Elmen

"Dieser Bär ist ein besonderer Bär, so wie er sich verhält", erklärt Jörg Rauer, einer von drei österreichischen "Bärenanwälten". Dies sind offiziell bestellte Experten mit der Aufgabe, die Bevölkerung in Bären-Fragen zu beraten. Anders als gewöhnliche Bären zeige dieses Tier nämlich keine Scheu vor Menschen. Ein Verhalten, das ihm die Spezialisten austreiben wollen.

"Angst absolut nicht, aber Respekt schon"

Ihre Hoffnung setzen die "Bärenanwälte" auf eine Röhrenfalle. Darin soll der Bär gefangen werden, um ihm einen Sender zu verpassen. Damit ließe sich die Position des Bären künftig genau orten. Mit Hilfe einer Absprengeinheit löse sich das Halsband nach 48 Wochen von selbst vom Hals. "Der Bär wächst noch, das würde sonst zu eng werden."

"Wir haben am nächsten Tag bis halb drei in der Früh gewartet, ob der Bär wiederkommt", erzählt Wehrmeister. "Wenn er in die Bienenhütte eindringen würde, wäre das ein großer Schaden - wir haben 14 Bienenvölker." Furcht vor einer Rückkehr des Tieres hat Wehrmeister nicht. "Angst absolut nicht, aber Respekt schon."

Der WWF warnt unterdessen eindringlich davor, auf Bärensuche zu gehen. "Der Bär ist ein Wildtier und nicht zu unterschätzen. Wenn er sich in die Enge gedrängt fühlt, kann er sehr gefährlich werden", sagte Artenschützer Volker Homes.

Ursula Quass/DPA DPA

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