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Ökobilanz: Bio-Obst auf Reisen

Bananen aus Ecuador, Spargel aus Griechenland - "Bio" steht nicht automatisch für regionale oder saisonale Waren. Was im Bioregal liegt, kommt immer häufiger aus fernen Ländern. Das schlägt auf die Ökobilanz. Doch einheimische Produkte sind nicht immer die bessere Wahl.

Von Dorothea Palte

Vorbei sind die Zeiten, in denen Bio-Produkte ein Nischendasein in staubigen Öko-Läden fristeten und sich die Auswahl auf schrumpelige Äpfel, ein paar einheimische Gemüsesorten und jede Menge Körner beschränkte. Vom Delikatessen-Markt bis zum Discounter ist inzwischen Bio in den Regalen zu finden. Im Jahr 2006 kauften die Verbraucher in Deutschland für etwa 4,5 Milliarden Euro Bio-Waren - das sind rund 30 Prozent des gesamten europäischen Bio-Umsatzes.

Auch das Klientel hat sich verändert. Das Klischee des Biokäufers gilt längst nicht mehr. Entsprechend ist das Angebot: Ob Spargel zu Weihnachten oder Fertiggerichte in Mikrowellen-Schalen - Bio bedeutet heute nicht mehr zwangsläufig regionale, saisonale und möglichst wenig verarbeitete Ware im Einkaufswagen zu haben. Immer mehr Bio wird importiert: Vor allem aus Italien und Österreich, aber auch Chile, Argentinien, Kanada oder Südafrika findet man zunehmend häufig als Herkunftsland auf dem Bio-Etikett.

Gewächshäuser trüben die Ökobilanz

Das hat seine Schattenseiten. "Der Verbraucher tut mir langsam richtig leid", sagt Britta Klein, Diplom-Agrar-Ingenieurin beim aid (Infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft). Denn während man früher beim Bio-Zeichen auch auf Umweltfreundlichkeit zählen konnte, ist das heute nicht mehr so einfach: Die Ökobilanz von Bio-Produkten kann ganz unterschiedlich sein - je nachdem, wie und wo sie hergestellt, verarbeitet oder vermarktet werden. Galt früher einheimische Ware als besonders umweltverträglich, kann heute eine zwar regionale aber energieintensive Produktion, beispielsweise in Gewächshäusern oder mit langen Kühlzeiten, mehr nachteilige Bedeutung für die Ökobilanz haben, als ein langer Transportweg auf Schiffen.

Generell gilt zwar: Je weiter ein Produkt reisen muss, um auf unserem Tisch zu landen, desto schlechter wird seine Ökobilanz: Ein Apfel aus Chile verbraucht die 520-fache Energie eines regionalen Apfels, der in der Saison geerntet wird. Aber dennoch: Lagert das heimische Obst monatelang im Kühlhaus, bevor es in den Handel kommt, ist der Energieverbrauch möglicherweise höher als der der langen Reise mit dem Containerschiff. "Sicher sein - wenn auch in negativer Sicht – kann man bei Lebensmitteln, die per Flugzeug transportiert werden", sagt Klein. "Die haben bei der Öko-Bilanz immer verloren." Wer also im Winter Bio-Erdbeeren aus Spanien kauft, kann zwar sicher sein, dass sie ohne Pestizide erzeugt worden sind. Die Umweltbelastung durch den CO2-Ausstoß, der bei ihren Flugkilometern zusammenkommt, ist jedoch immens.

Spargel im Winter sollte die Ausnahme sein

Daher fordern Verbraucherverbände jetzt auch eine Kennzeichnung von eingeflogener Bio-Ware. Guten Gewissens kaufe man, wenn die Produkte neben Bio auch regional und vor allem saisonal seien, empfiehlt Klein. Erdbeeren oder Spargel im Winter sollten, wenn überhaupt, eher die große Ausnahme bleiben. Vielfältige, abwechslungsreiche Ernährung ist auch beispielsweise mit Kohl und Wintertsalaten möglich.

Keine Wahl hat man bei echten Exoten wie Kaffee, Tee, Bananen, Zitrusfrüchten oder Ananas. Wer darauf nicht verzichten mag, weiß bei Bio zumindest, dass beim Anbau auf Pestizide und Düngemittel verzichtet wird und die Waren eine lange, aber gemächliche Reise auf Containerschiffen hinter sich haben. Das ist in jedem Fall klimaschonender als tropische Gewächshäuser in unseren Breiten.