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Neue Energiequelle: Eine neue Erfindung erzeugt Strom aus Schnee. Doch es gibt einen Haken an der Sache

Erneuerbare Energie gibt es mittlerweile aus Sonne, Wind, Wasser oder Biomasse. Zwei Wissenschaftler aus Kalifornien haben nun eine Möglichkeit gefunden, aus Schnee Strom zu erzeugen. Allerdings erstmal nur in kleinem Umfang. 

Ein Schneemann im verschneiten Thessaloniki

Ein Schneemann im verschneiten Thessaloniki

DPA

Wenn wir an erneuerbare und umweltfreundliche Möglichkeiten denken, Strom zu erzeugen, dann denken wir häufig an Solaranlagen, Windräder oder Wasserwerke. In Deutschland beträgt der Anteil der erneuerbaren Energien rund ein Drittel der gesamten Stromerzeugung – ein stetig wachsender Anteil, wie das Bundeswirtschaftsministerium feststellt.

Doch nun könnte sich eine weitere erneuerbare Energiequelle zu den anderen dazugesellen: Schnee. Denn fallender Schnee trägt elektrische Ladung in sich. Schnee baut eine Ladung auf seiner Oberfläche auf, weil sich Wassermoleküle beim Kristallisieren zu Schneeflocken ordnen. Ein Fakt, der Wissenschaftlern seit längerer Zeit bekannt ist. Aber es war nicht möglich, daraus Strom zu erzeugen - bis jetzt.

Schnee enthält elektrische Ladung

Zwei Forschern der kalifornischen Universität UCLA ist dies nun gelungen. Maher El-Kady und Richard Kaner entwickelten eine kleine Silikonmatte, welche die elektrische Ladung in dem gefallenen Schnee aufnimmt und daraus Strom erzeugt. Die Silikonmatte hat dabei eine negative Ladung, während der Schnee eine positive Ladung hat. Treffen beide Elemente aufeinander, entsteht eine Spannung. Die Wissenschaftler machten dabei vom Prinzip der Reibungselektrizität Gebrauch. Ihre Ergebnisse präsentierten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nano Energy".

Da durchschnittlich jedes Jahr rund ein Drittel der Landmasse der Erde mit Schnee bedeckt wird, so El Kady, sei der Schnee "eine großartige Energiequelle, die bereit ist eingesammelt zu werden". Laut dem Postdoktorand für Chemie und Biochemie sei diese Form der Energiegewinnung mit Materialien möglich, die schon in Massen produziert werden würden.

Erfinder überzeugt - Kritiker skeptisch

Allerdings befindet sich die Erfindung, die mithilfe eines 3-D-Druckers hergestellt wurde, noch in einem Anfangsstadium und erzeugt nur sehr wenig Strom. Die beiden Wissenschaftler sehen jedoch Potenzial in ihrer Erfindung. "Große Verbesserungen sind in diesem Forschungsbereich normal", so El-Kady gegenüber der Seite "Popular Science". So könne das Gerät verbessert werden, in dem seine Struktur oder der Betriebsmodus überarbeitet würden.

El-Kady und Kaner sind der Ansicht, dass ihre Erfindung in vielen Bereichen angewendet werden könnte. So könne sie mobile Wetterstationen oder kleinere elektronische Geräte mit Energie versorgen oder diese aufladen, wie zum Beispiel Smartwatches. Man könne die Silikonmatte aber auch mit Fahrradreifen oder Sonnenkollektoren kombinieren, die bei Schneefall logischerweise weniger Energie erzeugen. Außerdem könne das Gerät selbst als Wetterstation dienen. 

Kritiker sehen in der neuen Erfindung allerdings keine Möglichkeit, größere Mengen an Strom zu erzeugen. So sagt Thorsten Hansen, Wissenschaftler an der Universität Kopenhagen: "Die Erfindung ist spannend, aber wohl eher eine Kuriosität. Ich denke nicht, dass dies eine Mainstream-Technologie wird". Dem dänischen Rundfunk Danmarks Radio erzählt er, dass ein Quadratmeter der Silikonmatte rund 0,2 Milliwatt erzeugen würde. Ein Quadratmeter Solarzellen hingegen 100 Watt. Somit würden Solarzellen 500.000 Mal mehr Strom erzeugen, als die neue Erfindung. Hansen ist aber dennoch der Meinung, dass die Erfindung in arktischen Gebieten von Relevanz sein könnte.

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Quellen: UCLA, "Science Direct", "Popular Science", phys.org, Danmarks Radio, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

rw