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Tag des deutschen Butterbrots: Schmier mir mal 'ne Stulle

Morgens, halb zehn in Deutschland: Tupperdose auf und schon lacht sie einen an: die Stulle. Heute ist Tag des deutschen Butterbrots - eine kleine Hommage an ein schlichtes Objekt der Begierde.

Von Monique Berends

"Vergiss dein Butterbrot nicht!" Wohl jeder erinnert sich daran, wie die Mutter morgens die Brotdose in den Ranzen steckte. Schlimmer war allerdings, wenn sie während der Schulstunde an die Tür klopfte, um dem kleinen Sonnenschein das Pausenbrot hinterher zu tragen, das er auf dem Küchentisch vergessen hatte. Peinlich berührt murmelte man "Danke Mama" und hoffte, dass sie möglichst schnell wieder gehen würde. Unter dem Grinsen der Mitschüler aß man dann in der großen Pause sein liebevoll geschmiertes Butterbrot.

Alles in Butter auf dem Kutter

Dabei hatte die peinliche Mutter von damals gar nicht so Unrecht. Das Butterbrot ist eine Zwischenmahlzeit mit vielen Vitaminen, Spurenelementen und Ballaststoffen; es sorgt dafür, dass nicht nur Kinder ausreichend Energie haben, um einen anstrengenden (Schul-)Tag zu überstehen. Heute wird der Deutschen liebste Zwischenmahlzeit gefeiert - der Tag des deutschen soll den Menschen die schlichte Stulle näher bringen und gleichzeitig beweisen, dass sie mehr ist als nur eine Scheibe Brot mit fetter Butter.

Denn ein Butterbrot ist erst dann wirklich gesund, wenn man die richtigen Zutaten wählt. Angela Bechthold von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung weist darauf hin, dass ein gutes Butterbrot ein möglichst frisch belegtes Vollkornbrot sein sollte. Dünn mit Butter, Margarine oder Frischkäse bestrichen und belegt mit magerem Schinken, fettarmer Wurst oder Käse sei es eine ausgewogene Mahlzeit für zwischendurch. Der Käse solle dabei nicht mehr als 45 Prozent Fett in der Trockenmasse haben. Ideal ist es, wenn das Butterbrot noch mit Gurken, Tomaten, Paprika oder Salat belegt wird. Eine rundum gesunde Mahlzeit, die in eine kleine Tupperdose passt.

Verliebt in Brot

Das Butterbrot ist speziell in Deutschland sehr beliebt. Laut Zentralverband des Bäckerhandwerks wurden im Jahr 2005 knapp 1,7 Millionen Tonnen Brot in Deutschland verkauft. Im Brotland Deutschland kann der Verbraucher zwischen mehr als 300 Brotsorten und 1200 Sorten Kleingebäck wie Brötchen und herzhaften Snacks wählen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass jeder Deutsche etwa 22 Kilogramm Brot pro Jahr isst - das sind etwa drei Scheiben Toast pro Tag oder zwei Scheiben Vollkornbrot.

Und es geht noch mehr. Ernährungsberater empfehlen, fünf bis sieben Scheiben täglich zu essen, um genügend Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Der deutsche Brotkorb wird allerdings zu einem Drittel vom Mischbrot ausgefüllt, gefolgt vom Toastbrot, das etwa 14,6 Prozent des Brotverzehrs ausmacht. Vollkornbrot rangiert nur auf Platz vier - sogar nach Weißbrot.

Dabei steckt gerade im Vollkornbrot die volle Power. In den Randschichten des Korns und des Keimlings finden sich die meisten Nährstoffe - Calcium und Phosphor sind wichtig für den Knochenbau, Spurenelemente wie Kupfer, Mangan und Zink fördern den Stoffwechsel. Ballaststoffe sorgen dafür, dass die Gedanken nicht den ganzen Tag um das Negerkussbrötchen des Nachbarn kreisen - das Sättigungsgefühl hält länger an, die Verdauung wird angeregt.

Weißbrot dagegen enthält kaum Nährstoffe, zudem kann das verarbeitete Weißmehl nur einen schnellen und damit kurzfristigen Anstieg des Blutzuckerspiegels gewährleisten, weshalb man schnell wieder Hunger hat. Und der artet oft in Heißhungerattacken aus. Deswegen: Vollkornbrot gegen das schlechte Gewissen. Einfacher kann gesunde Ernährung nicht sein.

Finger weg vom Dreieck

An fast jeder Tankstelle kann man inzwischen Dreiecksverpackungen mit industriell gefertigten Sandwiches kaufen. Vom dem immer beliebter werdenden Sandwich rät Bechthold aber ab: Zwischen den Weißbrotscheiben finden sich oft fette Beläge, Remoulade und kaum Gemüse. Als gesundes Butterbrot will Bechthold diese Matschbrote keineswegs bezeichnen.

Der Tag des Butterbrots findet bundesweit in 5000 Bäckereien statt. Jeder Bäcker darf sein Programm individuell gestalten, doch unter dem diesjährigen Motto "Butterbrot - Geschmack neu erleben" können sich die Käufer schon mal auf so einiges einstellen. Wie wärs denn mal mit einem Kümmel-Pfefferbrot? Nein? Lieber die selbst geschmierte Vollkornstulle. Mama ist eben doch die Beste.

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