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Mit 112 Jahren gestorben Der Krieg und Rassismus prägten sein Leben: Die Geschichte des ältesten Veterans der USA

Weltkriegsveteran Lawrence Brooks mit einem Bild von 1943
Mit 112 Jahren ist Lawrence Brooks als ältester Veteran des Zweiten Weltkriegs gestorben. Sein Leben war geprägt von Rassismus.
© Gerald Herbert/ AP Photo / Picture Alliance
Es war ein langes und bewegtes Leben: Lawrence Brooks ist mit 112 Jahren als ältester Veteran des Zweiten Weltkriegs verstorben. Der Krieg und der Rassismus in den USA prägten ihn – bis zum Schluss.

Lawrence Brooks war der älteste US-Veteran des Zweiten Weltkriegs. Nun ist er im Alter von 112 Jahren in seiner Heimatstadt New Orleans verstorben. Das teilte das National WWII Museum mit, für das Brooks bis zuletzt Führungen gab und von seinen Erfahrungen als Teil der US Army erzählte. Der Krieg und der allgegenwärtige Rassismus in den USA prägten ihn bis zuletzt. Er sei ein "Mann mit großem Glauben und einem sanften Geist" gewesen, "der alle um ihn herum inspirierte", erklärte das Museum.

Ein bewegtes Leben, geprägt von Rassismus

Brooks wurde 1909 als eines von 15 Geschwistern im US-Bundesstaat Louisiana geboren und wuchs in Mississippi auf. Zur Schule gehen konnte er nicht, da diese zu weit von seinem Elternhaus entfernt war. In seiner Jugend begann er, in einem Sägewerk zu arbeiten, bis er 1940 zum Kriegsdienst eingezogen wurde. 

Nach dem japanischen Angriff auf den amerikanischen Hafen Pearl Habor auf Hawaii 1945 wurde er mit dem größtenteils Afroamerikanischen 91. Pionierbataillon in Australien, Neu-Guinea und auf den Philippinen stationiert. Damals war die Rassentrennung in der Armee allgegenwärtig: "Wir hatten unsere Zelte und die Weißen hatten ihre Zelte. Sie standen direkt nebeneinander", erklärte Brooks, wie "Army Times" berichtet. 

Dennoch seien beide Gruppen streng voneinander getrennt gewesen. Es sei sogar verboten gewesen, zusammen an einem Tisch zu essen, so Brooks. Allein in Australien habe er eine Freiheit erlebt, die er als Schwarzer nicht kannte: "Ich wurde in Australien so viel besser behandelt als von meinen eigenen weißen Leuten. Darüber habe ich mich gewundert."

Während seines Militärdienstes war Brooks als Fahrer und Koch eingesetzt. Zudem baute sein Bataillon Brücken, Straßen und Landebahnen für Flugzeuge, wie die "Army Times" berichtet. 

Auch wenn er in dieser Zeit nicht im Fronteinsatz war, so erlebte er mehrere lebensgefährliche Situationen: "Auf einem Nachschub-Flug zwischen Australien und Neu-Guinea fiel ein Motor der Maschine mitten über dem Ozean aus. Während Brooks und seine Kameraden die Fracht abwarfen, um den verringerten Antrieb zu kompensieren, schrie er die beiden Piloten des Flugzeugs an: 'Ihr seid die einzigen Beiden, die einen Fallschirm haben. Wenn ihr abhaut, halte ich die Stellung." Die Piloten blieben und schafften es, die Maschine zu landen, ohne das jemand verletzt wurde, das berichtet das "National Public Radio" mit Berufung auf das National WWII Museum.

Kein Bonus für schwarze Veteranen

Nach seinem Austritt aus der Armee 1945 gründete Brooks eine Familie. Eigentlich wollte er Medizin studieren, da die Universitätskosten für Kriegsveteranen vom Staat erstattet wurden – allerdings nur für Weiße. Afroamerikanische Soldaten wurden von dieser Gebührenbefreiung ausgenommen. Somit musste er seinen Plan verwerfen und arbeitete als Gabelstapler-Fahrer, um seinen Familie zu ernähren. Bis er fast vierzig Jahre später in Rente ging.

In den vergangenen 13 Jahren pflegte seine Tochter Vanessa Brooks ihn und kümmerte sich darum, seine Andenken und militärischen Ehren wiederzubeschaffen, die während des Hurrikan Katrina verloren gegangen waren. Auch sie war enttäuscht darüber, wie wenig Unterstützung ihr Vater in all den Jahren vom Staat bekam, nur weil er Schwarzer war: "Mein Vater bekam die Good Conduct Medal und die Meritorious Service Medal. Danach ließ man ihn zurück." Ihr Vater habe genau wie andere fünf Jahre lang gedient. Er sei genauso bombardiert und beschossen worden, aber ihm sei weder ein zinsgünstiges Bankdarlehen noch eine reduzierte Anzahlung für ein Haus oder eine Ausbildung angeboten worden, wie es bei weißen Veteranen üblich ist. 

Lawrence Brooks wollte in seiner Uniform beerdigt werden

Wie NPR berichtet, habe sich Brooks körperlicher Zustand in den vergangenen Monate deutlich verschlechtert. Zwar sei er geistig bis zuletzt sehr gesund gewesen, sein Körper wurde allerdings immer gebrechlicher. 

Im vergangenen November gelang es Vanessa, eine originalgetreue Uniform aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs aufzutreiben, wie sie Brooks selbst während seines Dienstes getragen hatte. Sein letzter Wunsch war es, in dieser Uniform bestattet zu werden.

Auf die Frage, was sein Geheimnis für ein langes und gesundes Leben sei, antwortete Brooks stets: "Seid lieb zueinander".

Quellen:National Public Radio, Army Times, Fox32 Chicago, mit Material von AFP.


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