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Andreas Petzold: #Das Memo: Stephen Miller: Bannons gefährlicher Klon im Oval Office

Nach dem Abgang von Steve Bannon fällt die Rolle des Mastermind der Ultrarechten im Weißen Haus Stephen Miller zu. Doch der größte Bewunderer Trumps könnte für den US-Präsidenten zur Gefahr werden.

Der Rummel um den Abgang von Steve Bannon hat ein wenig verdeckt, dass er nicht die einzige Stimme von Gewicht im Weißen Haus war, die der Doktrin "America first" zum Durchbruch verholfen hat. Nach wie vor nistet im West Wing ein politischer Top-Berater des Präsidenten, der als 30 Jahre jüngerer Klon des strubbeligen Ex-Chefstrategen durchgehen könnte: , 32, intern auch Mad Man genannt, weil er wie die Hauptdarsteller in der gleichnamigen TV-Serie qualmt wie ein Schlot, gut geschnittene Anzüge mit extra schmalem Revers und Streicholz-breite Krawatten trägt.

Miller ist als Bannons Leihstimme an Trumps Ohr geblieben, er agiert jetzt als Mastermind der ultra-Rechten im Oval Office. Und bildet eine für Trump und die Republikaner brandgefährliche Allianz mit , der mit seiner Website "Breitbart" alle jene unter Beschuss nimmt, mit denen er eine Rechnung offen hat. Im Weißen Haus, im Senat und im Repräsentantenhaus. Und es sind eine Menge Feinde, die seine Mission hintertrieben haben oder Trump vom rechten Weg abbringen wollen. Die Munition dafür liefert, davon kann man wohl ausgehen, auch sein Bruder im Geiste Stephen Miller, der das Vertrauen des so genannten Präsidenten hat. Dazu gleich mehr.

Stephen Miller arbeitete zunächst als Einpeitscher

Der junge Mann mit der hohen Stirn verdankt seinen raschen Aufstieg einer schon in College-Jahren gefestigten Ideologie, die exakt das beinhaltet, was Trump ins Amt gebracht hat: ausgeprägte Islam-Feindlichkeit, Rückzug aus der globalen Vernetzung, politischer sowie ökonomischer Isolationismus, Oppostion gegen supranationale Organisationen, Kampf gegen liberale Medien und der glühende Wunsch, Einwanderung zu blockieren, um bei Wahlen die Macht-Optionen der weißen, extrem Wertkonservativen nicht zu gefährden. Mit diesem Ticket reiste der stramme Überzeugungstäter durchs Land, half zunächst der durchgeknallten Tea Party Ikone Michele Bachmann und landete im Alter von 28 Jahren im Büro von , Senator von Alabama und anfangs der einzige im Senat, der den unbeholfenen und ungehobelten Kandidaten Trump vorbehaltlos grandios fand. Sessions, heute Justizminister in Washington, machte Miller zu seinem Kommunikationschef.

Finanziert durch den Hedgefonds-Mogul Robert Mercer waren sie, zusammen mit "Breitbart"-Chef Bannon und einigen anderen Linientreuen, so etwas wie eine ideologische Nuklearwaffe, die während des Wahlkampfes unter Dauerfeuer nahm. Miller arbeitete zunächst als Einpeitscher für den republikanischen Kandidaten Trump. Und immer, bevor der Chef mit überlanger roter Krawatte auf die Bühne trat, warf der junge Mann ein paar verbale Brandsätze in die aufgepeitschte Menge: "Diejenigen, die gegen Donald Trump sind, haben dieses Land ruiniert… Diese Leute sind verantwortlich für die offenen Grenzen, für die schrumpfende Mittelklasse, für die fürchterlichen Handelsabkommen. Alles, was in diesem Land falsch läuft, haben diese Leute zu verantworten", schleuderte er in die Mikrofone.

Miller war fasziniert von dem Gedanken, dass sich mit Trumps Machtübernahme eine "Jahrhundertchance" für Amerika bieten würde. Dafür hat er 24 Stunden und sieben Tage die Woche gerackert. Nun ist er der mächtigste Brückenkopf der nationalkonservativen Bewegung im Weißen Haus. Man darf ihn nicht unterschätzen, Trump hört ihm zu.

Trumps größter Bewunderer könnte selbst zur Gefahr werden

Neben den üblichen Tiraden gegen die Presse und dem allgegenwärtigen Selbstlob ließ ein Satz aufhorchen, den Trump in seiner Rede in der Nacht um Mittwoch in Phoenix ausrief. Eine "Bewegung der Liebe" sei das alles… Da schimmerte wieder die geistige Urheberschaft seines wortgewaltigen Redenschreibers Miller durch. "Wir werden die Mauer aus Liebe bauen", hatte der im Wahlkampf die umstrittene Barriere an der mexikanischen Grenze weichgespült verkauft, "… aus Liebe zu jeder Familie, die ihre Kinder in Sicherheit und Frieden groß ziehen will."

Nun liegt es nahe, dass Trumps größter Bewunderer Stephen Miller selbst zur Gefahr für den Präsidenten wird. Immer dann, wenn es opportun erscheint, könnte er "Breitbart" und Bannon mit Interna aus dem Weißen Haus füttern. Beispielsweise, um den gemäßigten Sicherheitsberater H.R. McMaster und Stabschef John Kelly zu diskreditieren. Eine gute Gelegenheit bot sich, nachdem der Zerstörer USS John McCain vor Singapur mit einem Handelsschiff kollidiert war. Zehn Matrosen wurden vermisst, fünf verletzt. Von Journalisten auf den Vorfall angesprochen sagte der US-Präsident nur: "Das ist sehr schade!" Diese flapsige Bemerkung entfachte einen Sturm der Entrüstung, vor allem in den sozialen Netzwerken, und ließ Trump wie einen Zyniker dastehen, aber nicht wie einen besorgten Oberbefehlshaber.

"Breitbart" jedoch sprang dem Präsidenten zur Seite: "Eine Quelle mit direkten Kenntnissen der Vorgänge" im Weißen Haus habe "Breitbart" bestätigt, dass Kelly und McMaster den Präsidenten über das ganze Ausmaß des Unglücks "im Dunkeln" gelassen hätten. Das sei der Grund für dessen unangemessene Antwort gewesen. Es las sich, als hätten die beiden engstes Mitarbeiter den Präsidenten der Vereinigte Staaten in eine Falle laufen lassen. Inzwischen weiß die Welt ja, dass Trump empfänglich ist für jegliche Art von Verschwörungstheorien. Weshalb es gut möglich ist, dass "Breitbart", Bannon und seine " Quelle im Weißen Haus" noch für jede Menge Turbulenzen sorgen.


 

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