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"The Daily Show": Malala argumentiert US-Moderator sprachlos

Es muss aufregend sein, Malala zu treffen, die jüngste Person, die jemals für den Friedensnobelpreis nominiert wurde. US-Moderator Jon Stewart war so beeindruckt, dass er sie sogar adoptieren wollte.

Von Katrin Verschaffel

Als die Taliban in Pakistan immer mehr Macht ausüben, bleibt Malala Yousafzai nicht still. Sie wird zum Ziel der Terroristen, wird angeschossen und überlebt. Doch zum Schweigen hat sie der Anschlag nicht gebracht, längst ist die 16-Jährige zum Symbol für Bildung und Rechte der Frauen geworden. Nun trat die pakistanische Kinderrechtsaktivistin in "The Daily Show with Jon Stewart" auf – und traf auf einen sichtlich beeindruckten Moderator.

Malala befindet sich derzeit auf einer Tour durch die USA, um Ihr Buch "I am Malala: The Girl Who Stood Up for Education and Was Shot by the Taliban" zu promoten. Wenn eine Jugendliche, die schon als Kind für Bildung kämpfte, vor die Kameras tritt, erwartet wohl niemand ein typisches Interview.

Sie erzählte Jon Stewart, dass sie anfing, an die Kraft von Bildung zu glauben, als sie in Pakistan plötzlich nicht mehr zur Schule gehen durfte. "Ich bemerkte, dass Bildung wichtig ist und für Frauen Macht bedeutet, das ist der Grund, weshalb Terroristen Angst vor ihr haben."

Mit 14 ein Ziel der Taliban

Aus ihrer Meinung machte Malala keinen Hehl, weshalb sie im Alter von 14 Jahren ins Visier der Taliban geriet. "Ich fing an darüber nachzudenken, was passieren würde und dass sie mich einfach töten würden. Ich fragte mich, was ich tun könnte, wenn die Taliban vorbeikommen würden", erzählt sie. "Doch dann dachte ich 'Malala, nimm einfach einen Schuh und schlage sie'." Wer nun glaubt, Malala sei damals naiv gewesen, irrt und wird eines Besseren belehrt: "Aber dann dachte ich, wenn ich einen Taliban mit einem Schuh schlage, gäbe es keinen Unterschied mehr zwischen mir und ihm." Nicht nur das Publikum, auch Jon Stewart war sichtlich gerührt von Malalas Aussagen – der Moderator fragte kurzerhand, ob er sie nicht adoptieren könne.

Mit ihrer ruhigen und erklärenden Art überzeugte Malala. Während andere Jugendliche die Schule als lästiges Übel ansehen, ist sie für die 16-Jährige der einzige Weg, Kriege zu bekämpfen. "Zur Schule gehen bedeutet nicht nur, etwas über verschiedene Fächer zu lernen. Es bedeutet Kommunikation, wie man ein Leben lebt, Geschichte, Wissenschaft, etwas über Gleichheit und Akzeptanz zu lernen, Gerechtigkeit und Respekt."

Hetze gegen Malala

Malala ist die jüngste Person, die jemals für den Friedensnobelpreis nominiert wurde – doch die 16-Jährige hat nicht nur Befürworter. Einige sagen, sie sei viel zu jung und der Preis wäre eine Last. Noch dazu bestehe nach der möglichen Auszeichnung die Gefahr, dass sich Pakistan auf den Lorbeeren ausruhen könne – anstatt Extremismus zu bekämpfen. Andere behaupten, ihr Vater benutze seine Tochter, um sich im Westen niederlassen zu können. Vor allem in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter wird gegen sie gehetzt.

Doch die Chancen, den Friedensnobelpreis zu erhalten, sind hoch. Nun wird die Kinderrechtsaktivistin auch mit dem diesjährigen Sacharow-Preis des Europaparlaments für Meinungsfreiheit ausgezeichnet. Neben der 16-Jährigen waren noch drei in Weißrussland inhaftierte Menschenrechtsaktivisten und der US-Geheimdienstenthüller Edward Snowden nominiert.