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Weißes Haus: "Wir sind Dutzende" - das ist der Widerstand gegen Donald Trump im Weißen Haus

Während die halbe USA den Mitarbeiter sucht, der öffentlich bekundet, Donald Trump zu torpedieren, melden sich weitere Rebellen. Beinahe drohend sagt einer: "Wir sind Dutzende" - die Paranoia des US-Präsidenten ist offenbar begründet.

Donald Trump Weißes Haus

Eine Frage des Vertrauens: Donald Trump mit Ehefrau Melania und Stabschef John Kelly

AFP

Auf Twitter treiben sich zahllose Profile herum, die sich damit brüsten, direkt im Zentrum der Macht Widerstand zu leisten. Der "Rogue WH Snr Advisor" gehört etwa dazu. Oder "Rogue POTUS Staff", einer der ersten im Genre der "Weißen-Haus-Resistance". Letztere Nutzer war nach eigenen Angaben so nah dran am Präsidenten, dass der oder die Macher nach wenigen Monaten mit dem twittern aufhörten – weil sie angeblich kurz davor waren, aufzufliegen. 

Wer steckt hinter den Angriffen auf Donald Trump?

Gut, in den sozialen Medien lässt sich viel behaupten, aber spätestens mit Bob Woodwards neuem Buch "Angst –Trump im Weißen Haus" ist klar, dass es im direkten Umfeld von Donald Trump tatsächlich Menschen gibt, die aktiv die Politik des mächtigsten Mannes der Welt torpedieren. Wohl nicht zufällig hat die "New York Times" fast zeitgleich einen anonymen ranghohen Mitarbeiter des Weißen Haus ausgegraben, der prominent beschreibt, warum er die Politik des US-Präsidenten untergräbt. Buch wie Leitartikel schlugen ein, wie eine Bombe und das halbe Land fragt sich nun, wer hinter der Beckmesserei steckt.

Lesen Sie hier: Die Jagd nach der "NYT"-Quelle: Ist Mike Pence der Maulwurf im Weißen Haus?

Donald Trump ist wütend nach einem Gastbeitrag in der "New York Times"

Im Weißen Haus scheint etwas ins Rutschen gekommen zu sein. Dass sich Donald Trump dort unwohl fühlt, weil er niemandem vertrauen kann, wurde schon oft berichtet. Mutmaßlich ist genau das auch das Ziel des internen Widerstands. Selbst einige seiner handverlesenen, engen Mitarbeiter würde er verdächtigen, sagte ein nicht genannter Angestellter des Weißen Hauses der US-Seite "Axios". In einer Geschichte mit dem schmissigen Titel "Trumps Albtraum – die Schlangen sind überall" kommt noch ein weiterer Aufständischer zu Wort: "Viele von uns hätten sich gewünscht, Autor des 'New York Times '-Leitartikels gewesen zu sein. Ich hoffe, Trump weiß - vielleicht tut er es auch - dass es Dutzende über Dutzende von uns gibt", zitiert "Axios" einen anderen ranghohen Mitarbeiter.

Sorge über undichte Stellen ist nicht unbegründet.

"Axios" zufolge gibt es eine ganze Reihe von Weißen-Haus-Offiziellen, die sicher sind, dass der Präsident labil sei und zeitweilig sogar gefährlich langsam. Die größten Sorgen würden sich die Leute in den Geheimdiensten machen und dort vor allem die, die sich mit Außenpolitik beschäftigten, heißt es weiter.

Die Sorge über undichte Stellen und Verräter ist nicht unbegründet. In den ersten Monaten seiner Amtszeit schossen täglich die Interna aus dem Weißen Haus heraus. Donald Trump beklagte die Leaks öffentlich, war aber teilweise selbst derjenige, der die Details (unfreiwillig) ausplauderte. Erst nachdem Vertraute wie Steve Bannon (Berater) oder Reince Priebus (Stabschef) das Weiße Haus verlassen hatten, beruhigte sich die Lage. 

Trump nicht weniger paranoid

Seine Paranoia aber hat der Präsident nie abgelegt. "Immer wenn er extrem frustriert über die Durchstechereien war, schimpfte er über die 'Schlangen', die überall seien", erzählt ein Mitarbeiter der Newsseite. Für Trump ist deswegen klar, dass der "Deep State" existiert. Eine Verschwörungstheorie, nach der eine Allianz aus Geheimdiensten, Bürokraten und Militär im Hintergrund die Geschicke des Landes leiten soll. Er selbst spricht von "Sumpf" und fühlt sich durch Enthüllungsbücher wie das von Bob Woodward, die im Wesentlichen auf anonymen Quellen beruhen, bestätigt. In Trumps Welt ist das nichts anderes als Verrat. "Für Trump ist das Buch der Beweis, dass die Leaker überall sind und es nur auf ihn abgesehen haben", schreibt "Axios". "Ich lege den Sumpf trocken und der Sumpf versucht, sich zu wehren. Keine Sorge, wir werden gewinnen!", schreibt Trump kämpferisch auf Twitter.