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"Angst - Trump im Weißen Haus": Neues Trump-Enthüllungsbuch - die zwölf bizarrsten Episoden

Jetzt legt auch "Watergate"-Enthüller Bob Woodward ein Buch über Donald Trump vor. Wie die bisherigen Enthüllungen, zeigt es das Weiße Haus als Tollhaus, in dem die Mitarbeiter übel über ihren Chef herziehen. Lesen Sie hier die bizarrsten Momente.

Natürlich weisen sie die Darstellung zurück. Was sollen James Mattis und John Kelly auch sonst tun, nachdem nun öffentlich geworden ist, wie uncharmant sie über ihren Chef hinter seinem Rücken lästern. John Kelly zum Beispiel, Stabschef im Weißen Haus, also Donald Trumps rechte Hand: "Er ist ein Idiot. Es ist sinnlos zu versuchen, ihn von irgendwas zu überzeugen. Er ist aus der Spur geraten. Wir sind in Deppendorf. Ich weiß gar nicht, warum wir überhaupt hier sind, das ist der schlimmste Job, den ich je hatte."

Woodwards erstes Buch über Trump

Wer solche Sätze über seinen Job und seinen Vorgesetzten fallenlässt, tut gut daran, sich bei Bekanntwerden von ihnen zu distanzieren. Es ist nicht irgendjemand, der die abfälligen Bemerkungen für sein Buch gesammelt hat, sondern der legendäre Reporter und Pulitzer-Preisträger Bob Woodward, der einst den "Watergate"-Skandal aufgedeckt hat. Am 11. September erscheint sein erstes Enthüllungswerk über die Präsidentschaft Trumps. "Angst – Trump im Weißen Haus" heißt es und ist mittlerweile das sechste Buch, das hinter die aktuellen Kulissen in Washington blickt – und das sechste, das erschütternde Details zu Tage fördert - wie diese Episoden, Zitate und Vorfälle, die die "Washington Post"  und CNN vorab veröffentlicht haben:

"Let's fucking kill him"

  • Woodward berichtet, dass Trump nach einem Chemiewaffenangriff in Syrien im April 2017 Verteidigungsminister Jim Mattis angerufen und gesagt habe, er wolle Präsident Baschar al Assad umbringen lassen: "Lass ihn uns verdammt nochmal töten. Lass uns reingehen. Lass uns verdammt noch mal viele von ihnen töten." (Im Original: "Let's fucking kill him! Let's go in. Let's kill the fucking lot of them.") Mattis habe dem Präsidenten zugesichert, er werde sich darum kümmern. Doch nach dem Telefonat habe er zu einem hochrangigen Mitarbeiter gesagt: "Wir werden nichts davon tun. Wir werden viel maßvoller sein."

Nordkorea und der "dritte Weltkrieg"

  • Bei einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates im vergangenen Januar soll Trump gefragt haben, warum die US-Streitkräfte so massiv auf der koreanischen Halbinsel vertreten sein müssten. Antwort von Pentagon-Chef Mattis: "Unsere Präsens (...) ermöglicht es, einen nordkoreanischen Raketenangriffs in sieben Sekunden statt 15 Minuten zu registrieren. Wir machen das, um den Dritten Weltkrieg zu verhindern." Nachdem Trump die Sitzung verlassen hatte, soll Mattis seinem Präsidenten das Verständnis "eines Fünft- oder Sechstklässlers" attestiert haben.

Ich vertraue dir nicht. Ich möchte nicht, dass du weiterhin Verhandlungen führst. Du hast deine Zeit hinter dir.

(Donald Trump zu seinem Handelsminister Wilbur Ross, der mit 80 acht Jahre älter ist als der US-Präsident)

Trump, der "verdammte Lügner"

  • Im Zuge der Untersuchungen möglicher Absprachen zwischen Russland und Trump's Wahlkampfteam würde US-Sonderermittler Robert Mueller dem Präsidenten gerne ein paar Fragen persönlich stellen. Eigentlich soll Trump auch dazu bereit sein, doch seine Berater raten ihm davon ab. Sie fürchten, dass sich der Präsident dabei um Kopf und Kragen reden könnte. Oder wie sein früherer persönlicher Anwalt John Dowd laut Woodward ausdrückt: Trump "ist ein verdammter Lügner, der in einem orangefarbenen Overall enden wird", wenn er gegenüber Mueller aussagt. Trump soll daraufhin eingewendet haben, dass er ein wirklich guter Zeuge sei, woraufhin Dowd gesagt hat: "Sie sind kein guter Zeuge. Mr. President, es tut mir leid, aber ich kann ihnen nicht helfen." Tags darauf kündigte der Anwalt sein Engagement.

Der Ex-Anwalt beim US-Sonderermittler

  • Nach seinem Abgang als Trump-Verteidiger wurde John Dowd von Sonderermittler Mueller interviewt. Auf die Frage, warum sein Klient, der Präsident, keine Aussage machen wolle, habe Dowd gesagt: "Ich sitze doch nicht herum und lasse ihn wie einen Idioten aussehen. Und dann kommt die Mitschrift raus, weil in Washington alles durchsickert und die Leute sagen dann: "Ich habe es dir doch gesagt, dass er (Trump, d.Red.) ein Idiot ist. ich habe dir doch gesagt, er ist ein gottverdammter Dummkopf. Warum haben wir uns auf diesen Idioten eingelassen?" Muellers Reaktion darauf: "John, ich verstehe das."

Rudy, du bist ein Baby. Ich hatte niemals eine miesere Verteidigung in meinem Leben. Du ziehst jetzt sofort die Windeln aus. Du bist wie ein Baby, dem die Windeln gewechselt werden müssen. Wann wirst du ein Mann sein? 

(Donald Trump zu Rudy Giuliani, dem früheren New Yorker Bürgermeister und seinem aktuellem Verteidiger)

Die "sichergestellte" Vertragskündigung

  • Mehrfach wollen enge Mitarbeiter Dokumente vom Präsidentenschreibtisch genommen haben, damit  Trump mit ihnen keinen Unsinn anstellt. So lag ihm einst der Entwurf zur Kündigung eines Handelsabkommen mit Südkorea vor, das der Wirtschaftsberater Gary Cohn einfach "geklaut hat", wie der einem Mitarbeiter sagte. "Ich sorge dafür, dass er das Dokument nicht zu sehen bekommt. Ich muss das Land beschützen."

Dieser Typ ist geistig zurückgeblieben. Er ist ein dummer Südstaatler. Er könnte nicht mal ein Landanwalt unten in Alabama sein.  

(Donald Trump über Justizminister Jeff Sessions, mit dem er schon länger im Clinch liegt)

Der fast gekündigte Nafta-Vertrag

  • Der Weiße-Haus-Mitarbeiter Rob Porter (der wegen des Missbrauchsvorwurfs seiner Ex-Frau den Job geschmissen hat) sollte ein Schreiben entwerfen, um aus dem Nordamerikanischen Handelsvertrag Nafta auszusteigen. "Ich verbringe ein Drittel meines Jobs damit, auf seine wirklich gefährlichen Ideen zu reagieren und ihn davon zu überzeugen, dass sie vielleicht doch keine so guten Ideen sind."

In "Teufels Werkstatt" 

  • Reince Priebus, erster Stabschef von Donald Trump nannte das Präsidentenzimmer, in dem Trump exzessiv Nachrichtenfernsehen schaut und tweetet, "Teufels Werkstatt" und die Zeit, in der er seine Twittertiraden absetzt "Hexenstunde." 

Das ist eine gute Sache, aber auch etwas schade, denn ich war der Ernest Hemingway der 140 Zeichen.

(Donald Trump über die Ankündigung von Twitter, die Zeichenanzahl der Tweets auf 280 zu verdoppeln.)

Trump und sein Gespräch mit Woodward

Der Autor hat nach eigenen Angaben probiert, mit Trump selbst zu sprechen – vergeblich. Dennoch kam es zu einem Telefonat der beiden, von dem Woodward einen Mitschnitt vorliegen hat:

Trump: "Ich höre gerade davon (von der Interview-Anfrage, d.Red.). Und ich hörte, ich hörte es von Lindsey (Graham, US-Senator, d.Red.), aber ich höre erst jetzt davon. Also, es wird ein sehr ungenaues Buch, und das ist nicht schön. Aber ich werfe ihnen das nicht vor."

Woodward: "Nein, es wird akkurat sein, das kann ich ihnen versprechen."

Trump: "Ja, ok. Nun, was stimmt ist, dass niemand einen besseren Job als Präsident macht als ich. Das kann ich ihnen sagen. Und es sieht so aus, dass auch sehr viele Leute wissen, was los ist. Und, wissen sie, die nächsten Jahre werden das auch zeigen. Aber sehr viele Leute spüren das bereits, Bob."

Woodward: "Ich glaube an unser Land. Weil sie unser Präsident sind, wünsche ich ihnen viel Glück.

Trump: "Okay. danke ihnen vielmals, Bob, ich weiß das zu schätzen. Wiedersehen."

Seit den ersten Vorabdrucken von Woodwards Buch hat sich der freundliche Plauderton Trumps geändert. Gleich dreimal echauffiert er sich via Twitter über die Enthüllungen. Alles erstunken und erlogen, genau das Gegenteil ist wahr, so der US-Präsident. Und auch die bisher zitierten Mitarbeiter Mattis und Kelly weisen Bob Woodwards Darstellung zurück. Natürlich. 

Es bleibt das Bild von Chaos

Aber selbst wenn man sich unvermeidliche Fehler und Ungenauigkeiten, übertriebenen Klatsch und Tratsch sowie Unschärfen aus dem Buch wegdenkt, bleibt Woodwards Werk immer noch ein erschütternder Zustandsbericht aus dem Zentrum des mächtigsten Landes der Welt. Zudem ist der preisgekrönte Journalist nicht der erste, der Trumps Präsidentschaft als einziges Chaos unter Leitung eines intellektuell überforderten, alten Mannes darstellt. Und auch nicht der letzte. Ebenfalls am 11. September erscheint Craig Ungers Buch mit dem bereits alles sagenden Titel: "Trump in Putins Hand: Die wahre Geschichte von Donald Trump und der russischen Mafia. 

fin