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Anonymer Gastautor: Die Jagd nach der "NYT"-Quelle: Ist Mike Pence der Maulwurf im Weißen Haus?

Die Gerüchte-Küche läuft auf Hochtouren. Wer hat den Beitrag in der "New York Times" lanciert, der nahe legt, hohe Regierungsvertreter der USA würde Trump sabotieren. In den Fokus gerät ein Intimus des Präsidenten.

Mike Pence bestreitet, am Beitrag in der "New York Times" beteiligt zu sein

Mike Pence bestreitet, am Beitrag in der "New York Times" beteiligt zu sein

AFP

Donald Trump ist angefressen. So angefressen, dass er nicht in Tiraden gegen die Medien ausbricht, sondern auf Twitter ein einziges Wort hinausschreit: VERRAT?

Denn innerhalb von drei Tagen hat sein engstes Umfeld mit dem Präsidenten abgerechnet: Einmal im Enthüllungsbuch "Fear" des Star-Reporters Bob Woodward, das eine Administration am Rande des Nervenzusammenbruchs schildert. So soll der Wirtschaftsberater Gary Cohn "einen Brief von Trumps Schreibtisch gestohlen" haben, mit dem der Präsident ein Handelsabkommen mit Südkorea habe aufkündigen wollte.

Am Mittwoch folgte dann der nächste Tiefschlag für den Staatschef. Die "New York Times" veröffentlichte den Beitrag einer anonymen Quelle mit dem Titel: "Ich bin Teil des Widerstands innerhalb der Trump-Regierung". Verfasser soll ein Mitglied aus der Führungsebene des Weißen Hauses sein, schreibt die Zeitung. Dieses behauptet, er und andere arbeiteten gezielt daran, Trumps Politik zu untergraben, um Schaden vom Land abzuwenden. Mitglieder der politischen Führungsebene leisteten aktiven Widerstand gegen den Präsidenten. Ihr Ziel sei es, die "fehlgeleiteten Impulse" des Präsidenten zu bändigen.

Ein Gewirr von Mutmaßungen

Nun schießen die Spekulationen ins Kraut, wer der anonyme Verfasser sein könnte. US-Medien und Kommentatoren auf Twitter überbieten sich dabei mit Vorschlägen. Mehr als 13 Namen kursieren: Von Tochter Ivanka bis zu Stabschefs John Kelly. Doch ins Zentrum der Diskussionen rückt immer mehr jemand, der als ausgemachter Intimus Trumps gilt: Vize-Präsident Mike Pence.

Der US-Journalist Dan Bloom grub diese Theorie aus. Ihm fiel nämlich eine Passage am Schluss des Beitrags auf. Dort heißt es:

"Wir haben vielleicht nicht mehr Senator McCain. Aber er wird uns immer ein Vorbild sein - ein Leitstern für die Wiederherstellung der Ehre für das öffentliche Leben und unseren nationalen Dialog. Mr. Trump mag solche ehrenhaften Männer fürchten, aber wir sollten sie verehren."

Ein Schlüsselwort lässt auf Mike Pence schließen

Das Wort "Leitstern" – im Englischen Lodestar – werde im politischen Sprachgebrauch nur selten verwendet, führt Bloom an. Weder in den Reden von Stabschef John Kelly oder Verteidigungsminister James Mattis tauche der Begriff auf. Doch Bloom wurde bei Mike Pence fündig. Der Stellvertreter hat tatsächlich mehrfach von einem "Leitstern" in seinen Reden gesprochen. Mal vor der UN im September 2017 und drei Monate später als Gastredner beim "Kemp Leadership Award Dinner". Auch der Buzzfeed-Reporter David Mack konnte anhand Mitschnitte aus dem Fernsehen belegen, dass Pence das Wort mehrfach gebrauchte.

Doch Bloom räumt ein, einen echten Beweis habe er nicht in der Hand. So könnte auch ein Redenschreiber, der im Dunstkreis der Führungsebene arbeitet, das Schreiben für die "New York Times" verfasst haben. "Der Leitstern" wäre dann nicht weiter als eine falsche Fährte.

Pence reagierte auf die Spekulationen um seine Person schnell. Er ließ über einen Sprecher mitteilen, er habe mit dem Beitrag nicht zutun.

Steckt die Familie von Donald Trump dahinter?

Überhaupt spricht doch manches gegen Pence als Heckenschützen. So stellte die "New York Times" über eine Sprecherin schnell klar, nur weil von einem Verfasser die Rede sei, stecke nicht notwendiger Weise ein Mann dahinter.

Auch einer der Chefredakteure von CNN, Chris Cillizza, unterstellt, dass Pence durchaus Ambitionen auf Trumps Amt habe, aber nicht versuchen würde, seinen Chef mit einem solchen Schachzug zu demontieren. Zumal noch immer die Amtsenthebung drohe.

Bleibt weiter die Frage offen, wer da Trump in die Pfanne hauen wollte. Da die "New York Times" den Verfasser als "senior official" bezeichnet, käme fast jeder der hohen Beamten und Berater in Frage, die im Weißen Haus ein- und ausgehen. Darunter auch wenig bekannte Gesichter wie Kirstjen Nielsen, die das Heimatministerium leitet und mehrfach schon mit Trump aneinander geriet. Auch Fiona Hill hat mit dem Präsidenten ein Hühnchen zu rupfen, mutmaßt CNN-Mann Cillizza. Sie war eine Mitarbeiterin des gefeuerten Nationalen Sicherheitsberaters H.R. McMaster.

Zumindest der CNN-Journalist feixt, Trumps eigene Familie könnte für den Brief verantwortlich sein. Der Präsident führe sich wie in einer Reality Show auf. Sollten Melania oder Tochter Ivanka dahinter stecken, wäre dies die passende Wendung einer völlig irren Geschichte.

Donald Trump ist wütend nach einem Gastbeitrag in der "New York Times"
fin