9/11-Jahrestag Ein ganzes Land hält inne


Um 8.46 Uhr Ortszeit schwieg für eine Minute die Stadt New York - anschließend wurden zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September an die Opfer gedacht. In einer Rede verteidigte US-Präsident George W. Bush die aktuelle US-Anti-Terror-Politik.

Fünf Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September in New York und Washington haben die USA der knapp 3000 Toten gedacht. Am Ground Zero, wo die Zwillingstürme des World Trade Centers standen, verlasen die Angehörige die Namen der 2749 Opfer. Viele Angehörige trugen Bilder der Toten mit sich und legten Blumen in die Wasserbecken, die am Fundament der beiden Türme aufgebaut wurden. Viele kämpften dabei mit den Tränen. Zwei Schweigeminuten, um 8.46 Uhr und um 9.03 Uhr Ortszeit, erinnerten an den Zeitpunkt, an denen die beiden Flugzeuge in die Zwillingstürme rasten.

Bush hatte zu Beginn der Trauerfeierlichkeiten am Sonntagabend in New York zwei Kränze niedergelegt. Im Anschluss an die Gedenkfeier auf Ground Zero wollte Bush die Trauerfeiern an der Absturzstelle in Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania und im Pentagon besuchen. Bloomberg, sein Vorgänger Rudolph Giuliani und der Gouverneur des Bundesstaates New York, George Pataki, begleiteten den Präsidenten.

"Draußen steht weiter ein Feind"

Er habe geschworen, die Lektion der Anschläge niemals zu vergessen, sagte Bush vor einer New Yorker Feuerwache. "Draußen steht weiter ein Feind, der uns denselben Schaden wieder zufügen will." Der 11. September 2006 sei daher auch ein Tag, die Entschlossenheit im Kampf gegen den Terrorismus zu erneuern. Die Zustimmung der Bevölkerung zu Bushs Politik war nach den Anschlägen gewachsen, ist inzwischen aber auch wegen der hohen US-Verluste im Irak auf einen Tiefstand gesunken. Viele Amerikaner zweifeln Umfragen zufolge an seiner Sicherheitspolitik.

Der Präsident verteidigte noch einmal die geheimen CIA-Gefängnisse im Ausland. Für Menschen, die nicht in den Vereinigten Staaten lebten, sei der 11. September nur ein "schlechter Tag" gewesen. "Bei uns hat sich die ganze Haltung geändert", sagte Bush dem US-Fernsehsender NBC. Seine Sicht der Welt habe sich an diesem Tag dramatisch verändert.

Geheime CIA-Programme werden bleiben

Es gebe Menschen, die das geheime CIA-Programm abschaffen wollten, sagte Bush. "Das macht überhaupt keinen Sinn." Man könne von ihm und seiner Regierung nicht erwarten, alles zum Schutz der Familien zu tun, wenn er nicht die dafür notwendigen Mittel bekomme. Man müsse Anschlagspläne vereiteln, bevor sie ausgeführt würden.

Nicht jeder teilt die aktuelle Anti-Terror-Politik der Regierung Bush. Nach Einschätzung des BND etwa, ist durch die umstrittene Irak-Politik der USA die Terrorgefahr seit den Anschlägen vom 11. September 2001 gestiegen. "Ich sehe den Irak-Krieg unter dem Gesichtspunkt Terrorbekämpfung schon als einen Fehler", sagte Ernst Uhrlau, der Präsident des Bundesnachrichtendienstes. Denn Terroristen habe es vor dem Irak-Krieg in dem Land nicht gegeben.

Auch vor dem Pentagon haben Regierungsvertreter den Anschlägen gedacht: Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Vizepräsident Dick Cheney nahmen an einer Zeremonie teil. Die Terroranschläge seien "persönlich" gemeint gewesen. "Wir nehmen sie auch weiter persönlich", sagte Cheney. Im Pentagon waren beim Aufprall einer entführten Maschine um 9.37 Uhr 184 Passagiere, Besatzungsmitglieder und Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums getötet worden.

In Shanksville starben 40 Menschen beim Absturz des Flugs United Flight 93, den die al-Kaida-Attentäter ebenfalls auf Washington lenken wollten. Es kam jedoch zu einem Kampf mit den Passagieren und die Maschine stürzte auf offenem Feld ab.

"Terror findet im Islam keine Rechtfertigung"

In Deutschland gedachten die muslimischen Verbände der Opfer des 11. September. "Terror findet im Islam keine Rechtfertigung", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Die Staats- und Regierungschefs der EU sowie aus 13 asiatischen Ländern erinnerten in Helsinki an die Opfer der Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001. Sie eröffneten den abschließenden Tag ihres Europa-Asien-Gipfels mit einer Schweigeminute.

Reuters/DPA DPA Reuters

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