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AFGHANISTAN: Angeblich 100 tote Zivilisten nach US-Angriff

Bei einem Luftangriff der USA auf ein afghanisches Dorf sind angeblich rund 100 Zivilisten ums Leben gekommen. Unterdessen wird die Stationierung einer internationalen Schutztruppe vorangetrieben.

Bei einem amerikanischen Luftangriff auf ein Dorf im Osten Afghanistans sind angeblich annähernd 100 Zivilisten ums Leben gekommen. Die afghanische Nachrichtenagentur AIP berichtete am Montag unter Berufung auf Augenzeugen, nach mehreren amerikanischen Bombenangriffen am Sonntag auf das Dorf Niazi Kala bei Gades in der Provinz Paktia seien 92 Menschen tot aus den Trümmern mehrerer Häuser geborgen worden.

Raketen auf »Gebäudekomplex« abgefeuert

Bei einem anderen amerikanischen Luftangriff in der selben Gegend waren laut AIP bereits am Samstag in der Ortschaft Scheichan 15 Zivilisten getötet worden. Die US-Militärführung hatte am selben Tag mitgeteilt, zwei Bomber des Typs B-1B hätten Raketen auf einen Gebäudekomplex der Taliban-Führung in der Nähe der Stadt Gardes abgefeuert.

»Kein Dorf, sondern Festung der Taliban bombardiert«

Ein Sprecher des für die Region zuständigen Kommandos bekräftigte am Montag, die US-Luftwaffe habe kein Dorf, sondern einen Festungskomplex der Taliban-Führung bombardiert. Geheimdienstaufklärung über mehrere Tage habe klar gezeigt, dass es sich um eine ummauerte Festung gehandelt habe, in der Waffen und Munition gelagert wurden. Dies hätten nach der Bombardierung Folgeexplosionen erwiesen. Aus der Festung heraus seien zwei Luftabwehrraketen auf die angreifenden Bomber abgefeuert worden. Der Sprecher räumte ein, dass es in der Festung auch Zivilisten gegeben haben könnte. Weitere Angriffe habe es nicht gegeben.

Die Verhandlungen über die Stationierung der internationalen Schutztruppe in Kabul wurden am Montag mit der Paraphierung eines Abkommens zwischen dem afghanischen Innenminister Junis Kanuni und dem britischen General John McColl abgeschlossen. Das britische Verteidigungsministerium teilte dazu weiter mit, das Abkommen solle erst offiziell unterzeichnet werden, wenn alle Teilnehmerländer der Schutztruppe der Vereinbarung zugestimmt hätten. Das werde etwa 72 Stunden dauern.

Briten bauen Hauptquartier auf

Britische Soldaten begannen bereits mit dem Aufbau eines Hauptquartiers in der afghanischen Hauptstadt. Wie der britische Rundfunksender BBC berichtete, wurden zu diesem Zweck weitere 70 Soldaten in der Nacht zum Montag nach Kabul entsandt. Die nach unbestätigten Informationen 5.000 bis 6.000 Mann starke Truppe wird in den ersten drei Monaten unter britischem Kommando stehen. Nach Angaben des Außenministeriums in Rom sind bereits auch die ersten italienischen Soldaten für die Schutztruppe in Kabul eingetroffen.

Brigadegeneral von Butler für deutsches Kontingent vorgesehen

Das deutsche Kontingent der UN-Schutztruppe wird nach Bundeswehrplanungen vom Chef der Oldenburgischen Luftlandebrigade 31, Carl Hubertus von Butler, geführt. Der Brigadegeneral sei für diese Aufgabe vorgesehen, aber noch nicht endgültig bestätigt, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam. Seine Berufung hänge von der Struktur des internationalen Führungsstabes ab. Butler befehligt hauptsächlich Fallschirmjäger, die den Kern des deutschen Kommandos bilden sollten.

Das internationale Erkundungsteam, das voraussichtlich an diesem Dienstag nach Afghanistan abfliegen soll, besteht nach Angaben des Sprechers auf deutscher Seite nunmehr aus acht Mann. Neu hinzugekommen sei ein Fachmann für Startbahn-Reparaturen, der den Flughafen in Kabul begutachten soll.

Bundeswehrsoldaten »in der Lage, sich selbst zu schützen«

Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) trat Befürchtungen entgegen, das deutsche Kontingent sei nicht ausreichend auf seinen Einsatz vorbereitet. Die für den Einsatz vorgesehenen Bundeswehrsoldaten seien in der Lage, sich selbst zu schützen, sagte Scharping der »Bild«-Zeitung. »Deshalb tragen sie Splitterschutzwesten, fahren gepanzerte Fahrzeuge«, betonte Scharping. Dazu kämen Spezialisten für die Minenräumung. Österreich werde sich mit rund 40 Soldaten an der internationalen Afghanistan-Schutztruppe beteiligen, berichtete die Wiener Presse.

USA gehen davon aus, dass Bin Laden noch lebt

Die USA gehen davon aus, dass der gesuchte Terroristenführer Osama bin Laden noch am Leben ist. Die jüngsten Geheimdienst-Erkenntnisse deuteten daraufhin, dass Bin Laden »mit hoher Wahrscheinlichkeit« noch lebe, sagte der Vorsitzende des Senats-Geheimdienstausschusses, Bob Graham, am Montag im US-Nachrichtensender CNN. Allerdings sei Bin Ladens Spur kalt geworden. Deshalb sei unklar, ob er noch in der Region von Tora Bora in Afghanistan oder nach Pakistan entkommen sei.