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AFGHANISTAN: Bin Laden unter Druck

In einer am Samstag ausgestrahlten Aufzeichnung ruft Bin Laden alle Moslems zum heiligen Krieg auf. Außerdem kritisierte er die mangelnde Unterstützung der moslemischen Länder der Region.

Der moslemische Extremist Osama bin Laden hat die Moslems in aller Welt zu einem heiligen Krieg gegen die USA und deren Verbündeten aufgerufen. »Der Islam ruft Euch«, sagte Bin Laden in einer am Samstag von dem Sender El Dschasira ausgestrahlten Aufzeichnung. Zudem kritisierte er die mangelnde Unterstützung der moselemischen Länder der Region. Die USA nannten die Erklärung einen Akt der Verzweifelung. Die Nordallianz rückte nach eigenen Angaben gegen die in Afghanistan regierenden radikal-islamischen Taliban vor. Die USA werfen Bin Laden vor, für die Anschläge vom 11. September verantwortlich zu sein. Die Taliban haben Bin Laden Gastrecht gewährt.

Der in einem Kampfanzug gekleidete und mit einem AK-47 Sturmgewehr bewaffnete Bin Laden sagte: »Dieser Krieg ist vor allem ein Religionskrieg.« Jeder Moslem, der den Kreuzzug der USA in Afghanistan unterstütze, begehe Verrat. Moslemische Politiker, die mit den Vereinten Nationen (UNO) kooperierten, seien Ungläubige. »Die Vereinten Nationen sind ein Werkzeug des Verbrechens. Kein Moslem darf sich an sie wenden«, sagte er in seiner ersten ausgestrahlten Botschaft seit dem Beginn der US-geführten Angriffe am 7. Oktober. Es gebe keine Beweise, die auf eine Verbindung zwischen den Anschlägen in den USA und Urhebern in Afghanistan hindeuteten. Eine Sprecherin des US-Präsidialamts sagte zu dem Video: »Das ist weitere Propaganda, die zeigt, wie isoliert Bin Laden von dem Rest der Welt ist.«

Einem Sprecher der Nordallianz zufolge rückten Soldaten des Kommandeurs Ata Mohammad auf die strategisch wichtige Stadt Masar-i-Scharif im Norden des Landes vor. Sie hätten Gebiete im Süden des Ortes in dem Ak-Kubruk-Distrikt erobert und dabei 20 Taliban-Kämpfer getötet. Hunderte Taliban seien angesichts der Offensive übergelaufen. Der Verlust von Masar-i-Scharif würde die Versorgungslinien der Taliban in den Westen des Landes unterbrechen. Die USA setzten am Samstag auch ihre Luftangriffe auf Stellungen der Taliban fort. Kampfflugzeuge überquerten in zwei Wellen die Hauptstadt Kabul und bombardierten Ziele im Osten der Stadt. Dort befindet sich die Hauptstraße zu der Front, wo die Taliban gegen die Nordallianz kämpfen.

Der Autor Seymour Hersh schrieb in dem Magazin »The New Yorker« unter Berufung auf US-Offizierskreise, entgegen der Darstellung des amerikanischen Militärs seien US-Elitesoldaten bei einem Einsatz am 20. Oktober überraschend starken Widerstand der Taliban begegnet. »Es war wie ein Hinterhalt«, hieß es in dem am Samstag vorab veröffentlichten Bericht zu dem Gefecht nahe Kandahar. Es »war taktisches Feuergefecht und die Taliban waren im Vorteil«, sei aus den Kreisen verlautet. Zwölf US- Soldaten der Delta Force seien verletzt worden, drei von ihnen schwer. Das US-Verteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Die USA hatten von leichtem Widerstand der Taliban gesprochen.