Afghanistan Dutzende Tote bei Selbstmordanschlag


Ein Selbstmordattentäter hat in Afghanistan mindestens 64 Menschen in den Tod gerissen. Bei seinem Anschlag auf eine Zuckerfabrik im Norden des Landes sind auch zahlreiche Parlamentarier ums Leben gekommen. Unter den Toten ist auch der frühere afghanische Handelsminister Mustafa Kasimi.

Bei zwei Bombenanschlägen nördlich von Kabul sind am Dienstag mindestens 64 Menschen getötet worden, wie die Behörden mitteilten. Es wären damit die folgenschwersten Anschläge in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban 2001. Die Anschläge richteten sich gegen eine Gruppe von Abgeordneten und Stammesvertretern, die eine Zuckerfabrik besichtigten. Mindestens fünf Parlamentarier wurden getötet, wie aus Regierungskreisen verlautete. Unter den vielen Verletzten sollen auch Kinder sein. Der afghanische Fernsehsender Tolo TV berichtete, mehr als hundert Menschen seien bei den Explosionen in der Provinz Baghlan getötet oder verletzt worden. Unter den getöteten Abgeordneten ist auch Sajed Mustafa Kasimi, ein früherer afghanischer Handelsminister und mächtiger Politiker der Nordallianz.

Zehn Soldaten in den Händen der Taliban

Im zentralen Hochland von Afghanistan haben unterdessen rund 60 Taliban-Kämpfer auf Motorrädern einen weiteren Bezirk überrannt. Sie beschossen die Bezirkshauptstadt Kadschran mit schwerer Artillerie, vertrieben die Polizisten und unterbrachen die wichtigste Straßenverbindung der Region, wie der Gouverneur der Provinz Day Kundi, Sultan Ali Urusgani, am Dienstag mitteilte. Ein Abgeordneter aus Kadschran erklärte, zehn Soldaten und ein hoher Polizeioffizier seien in den Händen der Taliban. Der Gouverneur sagte, er habe die Regierung in Kabul und die NATO vergeblich um Verstärkung gebeten. Der Bezirk grenzt an die Provinzen Helmand und Urusgan, in denen es in diesem Jahr ebenfalls zu heftigen Kämpfen gekommen ist.

Taliban kontrolliert immer mehr Bezirke

Der Bezirk Kadschran ist schon der dritte, den die Taliban seit der vergangenen Woche in ihre Hand gebracht haben. Ein mutmaßlicher Taliban-Kommandeur, der sich Mullah Muhiddin nannte, erklärte in einem Anruf bei der Nachrichtenagentur AP, die Taliban kontrollierten den ganzen Bezirk. Ein neuer Führer für den Bezirk werde in Kürze ernannt. Die islamisch-fundamentalistische Miliz kontrolliert auch zwei Bezirke in der westlichen Provinz Farah, Bakwal und Gulistan.

In der Vergangenheit haben die Taliban oft abgelegene Bezirke eingenommen, diese dann aber unter dem militärischen Druck der Regierungstruppen und der NATO wieder räumen müssen. Schon seit Ende Februar halten die Taliban die Bezirkshauptstadt Musa Kala in der Provinz Helmand besetzt. Die Kämpfe in Afghanistan sind in diesem Jahr eskaliert. Seit Jahresbeginn kamen nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP mehr als 5.600 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen in den Reihen der Aufständischen. Zwtl: Norwegen schickt weitere Soldaten (Oslo) Norwegen kündigte am Dienstag an, dass es weitere Soldaten und Hubschrauber zur Unterstützung der von der NATO geführten internationalen Truppen nach Afghanistan entsenden wird. Verteidigungsministerin Anne-Grethe Ström-Erichsen teilte mit, darunter seien auch 150 Mann einer Spezialeinheit, die ab März 2008 für 18 Monate in Kabul stationiert würden. Zudem würden zwei oder drei weitere Hubschrauber nach Afghanistan geschickt.

AP AP

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