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Afghanistan: Folter-Vorwürfe gegen US-Truppen

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat den US-Streitkräften in Afghanistan schwere Misshandlungen von Gefangenen und Zivilisten vorgeworfen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat den US-Streitkräften in Afghanistan schwere Misshandlungen von Gefangenen und Zivilisten vorgeworfen. Es gebe klare Hinweise darauf, dass US-Soldaten Gefangene gefoltert hätten, teilte die US-amerikanische Organisation bei der Vorlage ihres neuen Berichts am Montag mit. Zivilisten seien willkürlich unter Anwendung "exzessiver Gewalt" und anscheinend auf Grundlage falscher Geheimdienstinformationen festgenommen worden. Die US-Streitkräfte in Afghanistan wiesen die Vorwürfe zurück.

"Die Vereinigten Staaten geben in Afghanistan ein schreckliches Beispiel für Haftbedingungen ab", sagte der HRW-Leiter für den Bereich Asien Brad Adams. "Zivilisten befinden sich rechtlich in einem schwarzen Loch – keine Verhandlungen, keine Anwälte, keine Familienbesuche und kein grundsätzlicher, rechtlicher Schutz." Auch würden keine Nachfragen über die Haftbedingungen adäquat beantwortet.

Tod von drei Häftlingen

Als Beispiel führte Human Rights Watch den Tod von drei Häftlingen an, die in US-Gewahrsam umkamen - zwei auf dem Luftwaffen-Stützpunkt in Bagram nördlich von Kabul im Dezember 2002 und einer auf dem Asadabad-Stützpunkt im Osten Afghanistans. US-Militärärzte hätten bereits in einer Autopsie festgestellt, dass die beiden Häftlinge in Bagram keines natürlichen Todes gestorben seien.

Ehemalige Häftlinge berichteten, dass US-Soldaten sie verprügelt, mit kaltem Wasser überschüttet und sie in der frierenden Kälte stehen gelassen hätten. Viele seien außerdem gezwungen worden wach zu bleiben oder über längere Zeit in schmerzhaften Stellungen zu verharren.

"Wir nutzen die Genfer Konvention als Richtlinie und versuchen, sie zu befolgen"

Der Sprecher der US-Truppen, Bryan Hilferty, sagte in Kabul, der Bericht beruhe auf einem mangelnden Verständnis der Situation vor Ort. "Afghanistan ist ein Kriegsgebiet, und wir folgen den Gesetzen des Krieges", sagte er. "Wir nutzen die Genfer Konvention als Richtlinie und versuchen, sie zu befolgen." Bei der Anwendung von Gewalt gehe man vorsichtig vor. HRW warf den US-Truppen vor, viele der in dem 59-seitigen Bericht dokumentierten Vorfälle seien "selbst im Rahmen von Krieg nicht zu entschuldigen".