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Afghanistan-Krieg: Entwicklungshelferin stirbt bei Befreiungsversuch

Eine in Afghanistan entführte britische Entwicklungshelferin ist bei einem missglückten Befreiungsversuch von ihren Geiselnehmern getötet worden. Bei einem weiteren Überfall der Taliban sind mindestens vier italienische Soldaten ums Leben gekommen. Auch wurde erneut ein Nachschubkonvoi in Pakistan in Brand geschossen.

Die ermordete 36-jährige Mitarbeiterin der US-Hilfsorganisation DAI war am 26. September gemeinsam mit drei afghanischen Mitarbeitern in der an Pakistan grenzenden Provinz Kunar entführt worden. Norgrove arbeitete seit mehreren Jahren in Afghanistan, zuletzt in der Stadt Dschalalabad, und galt als erfahrene Entwicklungshelferin. Bei einem missglückten Befreiungsversuch wurde sie am Freitag von ihren Geiselnehmern getötet. Die Schuld an dem Tod von Linda Norgrove wies der britische Außenminister William Hague allein ihren Geiselnehmern zu. "Seit dem Moment ihrer Entführung war ihr Leben in ernster Gefahr", sagte Hague. "In Kenntnis der Art ihrer Geiselnehmer und der ihr drohenden Gefahr, waren wir der Meinung, dass Lindas größte Chance in einem Rettungsversuch bestehen würde." Hague machte keine weiteren Angaben zu den Entführern oder zu den Umständen der gescheiterten Militäraktion.

Anschlag auf italienische Truppen

Im Westen Afghanistans sind am Samstag mindestens vier italienische Soldaten bei einem Anschlag der Taliban ums Leben gekommen. Das teilte das Verteidigungsministerium in Rom mit. Die Soldaten waren in einem Konvoi von insgesamt 70 italienischen Fahrzeugen der Schutztruppe ISAF in der Provinz Farah unterwegs, als eine Bombe am Straßenrand explodierte. Damit ist die Zahl der getöteten italienischen Soldaten in Afghanistan auf 34 gestiegen. Die Taliban bekannte sich zu dem Angriff. Damit sind in diesem Jahr bereits 568 ausländische Soldaten in Afghanistan getötet worden.

Angriff auf Nachschublinien

Extremisten haben im Südwesten von Pakistan fast 30 Tanklastwagen in Brand geschossen. Wie die pakistanischen Behörden mitteilten, waren bis zu 20 Bewaffnete an dem Angriff beteiligt. Der Vorfall ereignete sich im Bezirk Boland in der Provinz Baluchistan. Die 29 mit Treibstoff beladenen Fahrzeuge waren neben einem Hotel geparkt und gingen sofort in Flammen auf. Der Zivilverwalter der Provinz, Abdul Mateen, sagte, die Angreifer hätten auch zwei Raketen abgefeuert.

Der Konvoi war von der Hafenstadt Karachi ins südafghanische Kandahar unterwegs. Es war der fünfte derartige Überfall auf dieser Route, seitdem die pakistanische Regierung Anfang Oktober den Grenzübergang Torkham am Khyber-Pass für NATO-Nachschub gesperrt hatte. Sie reagierte damit auf den Beschuss eines Grenzpostens durch US-Hubschrauber aus Afghanistan, bei dem zwei pakistanische Soldaten starben. Nach dem Überfall auf den Konvoi gab die pakistanische Regierung den Grenzübergang Torkham für Nachschublieferungen an die NATO-Truppen in Afghanistan wieder frei.

DPA / DPA