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Geisel und Zivilisten getötet: Rettungsaktion im Jemen wird zur Katastrophe

Der Versuch, einen US-Journalisten aus den Händen von Al-Kaida zu befreien, endete tragisch. Auch ein Zehnjähriger soll getötet worden sein. Clanmitglieder schlossen sich den Extremisten daraufhin an.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel bestätigt an Bord einer Militärmaschine den Tod des Fotografen Luke Somers

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel bestätigt an Bord einer Militärmaschine den Tod des Fotografen Luke Somers

Bei einem Befreiungsversuch der US-Armee sind im Jemen ein entführter US-Journalist und eine südafrikanische Geisel ums Leben gekommen. Beide Männer seien bei dieser Aktion von Islamisten der Al-Kaida getötet worden, bestätigte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel nach Angaben des Senders CNN. Bei dem Einsatz am Freitag in der südjemenitischen Provinz Schabwa waren auch mehrere Zivilisten ums Leben gekommen. Darunter sei ein zehnjähriger Junge und ein örtlicher Al-Kaida-Anführer, hieß es im Jemen. Anhänger eines lokalen Stammes schworen daraufhin am Sonntag dem Terrornetz Al-Kaida die Treue.

Bei dem getöteten US-Journalisten handelt es sich nach Angaben der "New York Times" um den Fotografen Luke Somers. Al-Kaida hatte den 33-Jährigen vor mehr als einem Jahr in der Hauptstadt Sanaa entführt. US-Präsident Barack Obama verurteilte die Tötung des Amerikaners als "barbarischen Mord". Nach Angaben der Hilfsorganisation Gift of the Givers aus Südafrika handelt es sich bei dem ebenfalls getöteten Südafrikaner um den Lehrer Pierre Korkie - seine Freilassung war ursprünglich für Sonntag ausgehandelt worden.

Geiseln starben in einem anderen Gebäude

Wie die "New York Times" berichtete, sei Somers während der Befreiungsaktion von seinen Entführern angeschossen worden und auf dem Weg zu einem US-Kriegsschiff an seinen Verletzungen gestorben. Der Angriff sei von der US-Elitetruppe "Navy Seals" koordiniert worden - und sei bereits der zweite Rettungsversuch gewesen.

Einem Anwohner zufolge lieferten sich die Spezialkräfte Gefechte mit den Al-Kaida-Extremisten im Haus mutmaßlicher Extremisten, als in einem anderen 100 Meter entfernten Gebäude die Entführer ihre zwei Geiseln erschossen. Mehrere der weiteren Todesopfer gehörten Informationen aus Extremistenkreisen zufolge zur Familie eines Clans, in dessen Haus die Verschleppten vermutet wurden. Der angeblich getötete Al-Kaida-Anführer gehörte auch zu diesem Clan.

Stammesangehörige schließen sich Al-Kaida an

Bei dem ersten Rettungsversuch waren nach Angaben der US-Regierung vom Donnerstag Gefangene verschiedener Nationalitäten gefunden und gerettet worden, aber der vermisste US-Journalist sei nicht dabei gewesen. US-Präsident Barack Obama erklärte in einer Mitteilung, er habe die neue Rettungsaktion angeordnet, weil das Leben der US-Geisel in akuter Gefahr gewesen sei. Al-Kaida hatte am Donnerstag in einem Video damit gedroht, Somers innerhalb von drei Tagen zu töten. Obama sagte, die Aktion zeige, dass seine Regierung nichts unversucht lasse, um entführte US-Bürger sicher nach Hause zu bringen.

Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) hat im Süden des Jemens einige Hochburgen. Sicherheitskräfte des Landes und US-Armee gehen dort immer wieder gegen Dschihadisten vor. Die USA setzten regelmäßig Drohnen gegen die Extremisten ein.

Am Sonntag schlossen sich knapp 30 Stammesangehörige aus Protest gegen die missglückte Rettungsaktion Al-Kaida an. Die Angehörigen des Al-Daghar-Stammes beklagten in einer auf Facebook veröffentlichten Nachricht, bei dem Angriff seien neben Kämpfern von Al-Kaida auch sechs Zivilisten ihres Stammes getötet worden. Als Reaktion auf dieses "Massaker" würden sie nun für Al-Kaida kämpfen. Nach lokalen Angaben waren insgesamt zehn Einheimische bei der gescheiterten Rettungsaktion durch die US-Soldaten getötet worden.

mka/DPA/Reuters / DPA / Reuters