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Geiseldrama: Österreicher im Irak getötet

Im Irak ist ein Österreicher getötet worden - möglicherweise bei einem Befreiungsversuch. Aufständische hatten einen zivilen Lkw-Konvoi überfallen und mehrere Geiseln genommen. Erst kürzlich waren aus dem Bildungsministerium in Bagdad 150 Menschen verschleppt worden.

Im Irak ist eine österreichische Geisel nach einem Fernsehbericht bei einem Befreiungsversuch getötet worden. Der Sender Al Arabija meldete unter Berufung auf irakische Sicherheitskräfte, die Geisel sei bei einem Schusswechsel zwischen US-Soldaten und den Entführern im Süden des Landes ums Leben gekommen. Sicherheitskreise konnten dies zunächst allerdings nicht bestätigen. Dem Bericht zufolge wurden bei dem Befreiungsversuch insgesamt fünf Menschen getötet. Eine US-Geisel sei verletzt worden.

Der Konvoi von zivilen Mitarbeitern der Sicherheitsfirma Crescent Security wurde in der Nähe von Basra überfallen. Die US-Botschaft erklärte, Bewaffnete hätten den aus 43 Lastwagen und sechs Begleitfahrzeugen bestehenden Konvoi gestoppt. Sie hätten 14 Geiseln genommen und seien mit mehreren Lkw und einem Sicherheitsauto verschwunden. Neun asiatische Geiseln seien inzwischen freigelassen worden.

Identität des Opfers geklärt

Das Außenministerium in Wien bestätigte, dass ein 25-jähriger Österreicher verschleppt worden sei. In Kreisen der Sicherheitskräfte hieß es, die Männer hätten einen zivilen Lkw-Konvoi bewacht, der Güter aus Kuwait in den Irak gebracht habe. Aus einer militanten Gruppe in Basra verlautete, sie habe die Ausländer in ihrer Gewalt. Details dazu wurden nicht genannt.

"Die österreichischen Behörden konnten die Identität des österreichischen Staatsbürgers klären, der bei einer in Kuwait ansässigen Sicherheitsfirma tätig ist", erklärte das Ministerium. Der Österreicher habe den Konvoi im Auftrag dieser Sicherheitsfirma begleitet.

Entführungen an der Tagesordnung

Den irakischen Sicherheitskreisen zufolge war die Lkw-Kolonne auf dem Weg nach Nassirija gewesen, knapp 400 Kilometer von Bagdad entfernt. Britische Soldaten hätten nach dem Vorfall das Gebiet durchkämmt. Den irakischen Informanten zufolge wird die Straße, auf der sich der Überfall ereignete, scharf bewacht. Ein US-Sprecher sagte, die Streitkräfte gingen Berichten nach, denen zufolge die Fahrzeugkolonne an einem gefälschten Kontrollpunkt gestoppt wurde.

Entführungen sind im Süden des Irak und der Hauptstadt Bagdad an der Tagesordnung. Erst am Dienstag waren aus Gebäuden des Bildungsministeriums in Bagdad an die 150 Mitarbeiter und Besucher verschleppt worden. Der Polizei wird oft vorgeworfen, mit Verbrecherbanden und schiitischen Milizen, die das Gebiet beherrschen, gemeinsame Sache zu machen. Zudem gibt es Reibereien zwischen privaten Sicherheitsfirmen, die Tausende Ausländer beschäftigen, und den erstarkenden irakischen Sicherheitskräften.

Wachsende Spannungen

Die jüngste Entführung ereignete sich vor dem Hintergrund wachsender Spannungen unter Schiiten und der sunnitischen Minderheit. Die von Schiiten dominierte Regierung erließ Haftbefehl gegen den bekanntesten sunnitischen Geistlichen des Landes, Harith al-Dari. Dem Chef des Verbandes der muslimischen Geistlichen werde "Unterstützung des Terrorismus" vorgeworfen, sagte Innenminister Dschawad al-Bolani. Schiiten-Führer hatten Dari jüngst vorgeworfen, im Fernsehen Anschläge der muslimischen Extremistenorganisation Al-Kaida gerechtfertigt zu haben.

Reuters/AP / AP / Reuters