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Afghanistan: Taliban attackieren Präsidentenpalast

In Afghanistan hat eine Gruppe Taliban den Sitz des Präsidenten in Kabul angegriffen. Augenzeugen berichteten von zahlreichen Explosionen. Die Angreifer hatten es auch auf ein weiteres Ziel abgesehen.

Im Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul ist es am Dienstagmorgen zu Kämpfen gekommen. Ein Überfallkommando der Taliban hat den Präsidentenpalast und die CIA-Niederlassung angegriffen. Schwere Explosionen und Schusswechsel erschütterten am frühen Morgen die Sicherheitszone in der afghanischen Hauptstadt. Über dem Stadtzentrum stieg Rauch auf. Nach gut einer Stunde verkündete die Polizei, alle Angreifer seien tot, es sei ihnen nicht gelungen, auf das Gelände des Präsidentenpalastes vorzudringen.

Augenzeugen berichteten von bis zu 16 Explosionen. Die Angreifer hätten sich ein Feuergefecht mit Angehörigen der Leibgarde von Präsident Hamid Karsai und Mitarbeitern des CIA-Büros geliefert. Die US-geführte internationale Afghanistan-Truppe teilte über Twitter mit, in Kabul gebe es Gewehrfeuer und "zahlreiche Explosionen". In Kabul hält sich derzeit der US-Gesandte James Dobbins auf, der sich um Verhandlungen mit den Taliban bemüht.

Unterschiedliche Angaben zum Angriff

"Der Angriff erfolgte an dem Eingang (des Palastes), der in der Nähe des Verteidigungsministeriums liegt", sagte ein Polizeisprecher. Nach den ersten Erkenntnissen der Polizei gab es drei oder vier Angreifer. Sie steuerten einen Wagen mit Sprengstoff in das Gebiet und jagten ihn in die Luft. Dagegen sagte Kabuls Polizeichef Ayoub Salangi: "Vier Aufständische in einem Auto mit gefälschten Ausweiskarten wurden von den Sicherheitskräften identifiziert und getötet, bevor sie ihr Ziel erreichen konnten", sagte Kabuls Polizeichef Ayoub Salang. Die vier seien die einzigen Opfer gewesen. Nähere Einzelheiten nannte er nicht.

Die Taliban behaupteten hingegen, dass auch eine Reihe von ausländischen und afghanischen Soldaten bei dem Angriff getötet worden sei. "Eine große Gruppe von Angreifern hat vor allem auf das CIA-Büro gezielt, außerdem auch auf den Palast und das nahe gelegene Verteidigungsministerium", sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid, dessen Angaben sich schon früher wiederholt als übertrieben herausstellten.

Ob sich Präsident Hamid Karsai zum Zeitpunkt des Angriffs in dem Palast aufhielt, war unklar. Eigentlich war für den Vormittag ein Pressetermin mit Karsai angesetzt. Während des Angriffs waren auch mehrere Journalisten, die zu einer morgendlichen Pressekonferenz in den Präsidentenpalast gekommen waren, von den Kämpfen eingeschlossen.

tkr/DPA/AFP / DPA