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Jerusalem: Schwere Zusammenstöße an der Al-Aksa-Moschee

An der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem sind israelische Sicherheitskräfte gegen Palästinenser vorgegangen. Maskierte Demonstranten hatten sich in dem Gotteshaus verschanzt.

Israelische Grenzpolizisten  in der Nähe des Al-Aksa-Moschee

Die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem war schon öfter Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen der israelischen Polizei und Palästinensern

Kurz vor Beginn des jüdischen Neujahrsfestes ist es an der berühmten Al-Aksa-Moschee in Jerusalem zu schweren Zusammenstößen zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern gekommen. Maskierte Demonstranten hätten sich über Nacht mit Steinen und Feuerwerkskörpern in der Moschee verschanzt, teilte eine Polizeisprecherin am Sonntag mit. Dagegen sei die Polizei bei Tagesanbruch vorgegangen. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte "den israelischen Angriff" scharf.

Das am Ostrand der Jerusalemer Altstadt gelegene Hochplateau mit der Al-Aksa-Moschee und dem islamischen Felsendom wird von den Moslems als Al-Haram al-Scharif (Edles Heiligtum) und von den Juden als Tempelberg verehrt. Seit der militärischen Besetzung und international nicht anerkannten Annektierung durch Israel vor 48 Jahren hat die israelische Polizei dort die Sicherheitshoheit, während die jordanische Stiftung Waqf für die Religionsausübung auf dem Hügel zuständig ist.

Latent vorhandene Spannungen

Die auf dem Plateau latent vorhandenen Spannungen haben in den vergangenen Tagen wieder stark zugenommen. Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon hatte am Mittwoch zwei als "Glaubenswächter" auf dem Plateau agierende muslimische Gruppen verboten und damit die Palästinenser provoziert. Die "Verteidiger des Glaubens" genannten Gruppen schreiten auf dem Gelände gegen jüdische Besucher ein, wenn diese dort Gebete verrichten.

Nach Angaben von Polizeisprecherin Luba Samri hatten sich über Nacht junge Muslime in der Al-Aksa-Moschee verschanzt, um die anlässlich des Neujahrsfests in Scharen erwarteten jüdischen Besucher zu stören. Im Eingangsbereich der Moschee seien Rohre gefunden worden, die mit Feuerwerkskörpern hätten gefüllt werden können, erklärte sie. Die Beamten seien daraufhin wenige Meter in die Moschee eingedrungen, um die Pforten zu schließen.

"Spezialkommando in Moschee eingedrungen"

Der muslimische Aktivist Mahmud Abu Atta sagte dagegen der Nachrichtenagentur AFP, "ein Spezialkommando ist bis bis zum Predigerstuhl am Ende der Moschee vorgedrungen und hat durch den Einsatz von Blendgranaten Brandflecken an Gebetsteppichen verursacht". Wie ein AFP-Fotograf beobachtete und dokumentierte, zerschlug die Polizei auf dem Dach der Moschee Fenster, um Granaten ins Innere zu werfen.

Nach Angaben von Waqf-Sprecher Firas al-Dibs hat die israelische Polizei erstmals auch die von Jordanien eingesetzten offiziellen Wachen gewaltsam vertrieben und dabei Hartgummigeschosse eingesetzt. Auch der Moschee-Direktor Omar Kaswani sei verletzt und festgenommen worden.

Palästinenserpräsident Abbas verurteilte "scharf den Angriff von Armee und Polizei der Besatzungsmacht auf die Moschee und die dortigen Gläubigen". Er warnte: "Die Heiligen Stätten der Christen und Muslime in Ost-Jerusalem bilden eine rote Linie, deren Verletzung wir nicht zulassen." Auch die Regierungen Jordaniens und Ägyptens kritisierten die "unannehmbare Eskalation".

Schlagstöcke, Tränengas und Gummigeschosse

Am Sonntagvormittag setzten sich die Zusammenstöße in der Jerusalemer Altstadt und angrenzenden Vierteln fort, wobei die Polizei Schlagstöcke, Tränengas und Gummigeschosse gegen Werfer von Steinen und Böllern einsetzte. Mehrere Journalisten berichteten, sei seien trotz Presseschildern mit Hieben und Tritten malträtiert worden. Nach Angaben des Sanitätsdienstes Roter Halbmond gab es zahlreiche Verletzte, von denen etwa zwanzig in Krankenhäuser transportiert wurden.

Nach der derzeit gültigen Regelung dürfen Juden und andere nicht-muslimische Besucher den Tempelberg zwar besuchen, nicht aber dort beten. Rechtsradikale Juden versuchen immer wieder, das Verbot zu durchbrechen. So besuchte am Sonntag auch Agrarminister Uri Ariel von der Siedlerpartei Jüdisches Heim demonstrativ den Tempelberg.

Abbas hatte am Freitag gesagt, er befürchte, dass die israelische Regierung die Nutzung des Geländes um die Moschee und den Felsendom geografisch oder zeitlich teilen will. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu versicherte dagegen am Sonntag in einer Pressemitteilung: "Wir wollen den Status Quo erhalten. Aber wir müssen gegen die Aufrührer vorgehen, um die Religionsfreiheit an diesem heiligen Ort zu sichern."

Sarah Benhaida / AFP