Ankara und Athen kommen sich näher Erdogan spekuliert über mögliche Abrüstung


Der türkische Ministerpräsident Erdogan und sein griechischer Kollege Papandreou haben für eine Senkung der Rüstungsausgaben in beiden Ländern plädiert. Voraussetzung sei die Fortsetzung des Annäherungskurses zwischen den ehemals verfeindeten Staaten.

Die besseren Beziehungen zwischen der Türkei und Griechenland können nach Einschätzung des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan zu einer Senkung der Rüstungsausgaben in beiden Ländern führen. Die Entwicklung der bilateralen Beziehungen stärke das "Klima des Vertrauens und der Stabilität", sagte Erdogan der griechischen Zeitung "Ta Nea" vom Samstag. Eine "natürliche Konsequenz" daraus könne die Abrüstung sein. Erdogan war am Freitag mit zehn Ministern zu einem zweitägigen Besuch nach Athen gereist.

Bei einem Forumsgespräch griechischer und türkischer Geschäftsleute am Freitagabend in Athen hatte auch der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou für eine Kürzung der Militärausgaben plädiert. Das Geld könne stattdessen für die wirtschaftliche Entwicklung beider Länder ausgegeben werden, sagte er in einer Rede. Von einer konkreten Entscheidung war nach den Treffen der beiden Politiker jedoch vorerst nicht die Rede.

In Athen hatten mehrere Minister der beiden Staaten an der Ägäis 21 Abkommen in den Bereichen Tourismus, Handel, Schifffahrt, Bildung, Forschung, Umweltschutz, Industrie und Bekämpfung des organisierten Verbrechens und der illegalen Migration besiegelt. Zudem wurden mit der Unterzeichnung eines Memorandums die Treffen zwischen Griechen und Türken auf höchster Ebene institutionalisiert. Der sogenannte türkisch-griechische Höchste Kooperationsrat soll demnach künftig regelmäßig tagen. Die Ministerpräsidenten wollen sich einmal im Jahr und ihre Außenminister zweimal jährlich treffen.

Das hochverschuldete Griechenland hat für 2010 sechs Milliarden Euro für Rüstung eingeplant, das sind 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Türkei, die die zweitgrößte Armee der NATO unterhält, gab 2008 1,8 ihres Bruttoinlandsproduktes für Rüstungsgüter aus. Den zweitägigen Besuch Erdogans in Athen hatten die beiden einst verfeindeten Nachbarländer als "großen Schritt nach vorn" bei den bilateralen Beziehungen gewertet.

DPA/AFP DPA

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