HOME

Anschlag auf Hamas-Funktionär: Ein Rabbi unter Verdacht

Geschickte Tarnung oder gestohlene Identität? Der Rabbi Michael Bodenheimer arbeitet als Lehrer nahe Tel Aviv und führte bislang ein beschauliches Leben. Nun belagern Paparazzi sein Haus, denn sein Name wird in Verbindung mit dem Mord an Hamas-Funktionär Mahmud al Mabhuh in Dubai gebracht.

Der Israeli Michael Bodenheimer ist ein strengreligiöser Rabbiner aus dem Tel Aviver Orthodoxen-Vorort Bnei Brak. Ausgerechnet dieser harmlos wirkende fromme Lehrer mit langem weißem Rauschebart und dicker Lesebrille ist jetzt mit dem Mordkommando in Verbindung gebracht worden, das im Januar in Dubai den ranghohen Funktionär der radikal-islamischen Hamas Mahmud al Mabhuh erstickt haben soll. Einer der elf mutmaßlichen Täter benutzte nämlich Bodenheimers Namen, als er mit einem deutschen Pass nach Dubai einreiste. Der Rabbi selbst streitet vehement ab, mit dem Mord, für den der israelische Geheimdienst Mossad verantwortlich gemacht wird, etwas zu tun zu haben.

"Ich habe weder einen deutschen Pass beantragt noch jemals einen besessen", sagte Bodenheimer der israelischen Zeitung "Maariv". Er reagierte damit auf einen Bericht im "Spiegel", demzufolge ein Mann namens Michael Bodenheimer vor knapp einem Jahr in Köln einen deutschen Pass beantragt und ausgestellt bekommen hatte. Der Unbekannte habe damals einen israelischen Pass sowie die Heiratsurkunde seiner Eltern vorgelegt und erklärt, seine Familie habe deutsche Wurzeln und sei von den Nationalsozialisten verfolgt worden. Auch die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt in dem Fall. Der Mann namens Michael Bodenheimer, dessen Passbild die Behörden in Dubai nach dem Mord veröffentlicht hatten, trug keinen Bart und hatte kurz geschorenes Haar.

Bodenheimer leitet eine Religionsschule

"Es ist wahr, dass meine Eltern in Deutschland geboren wurden, aber ich bin in den USA geboren und dort habe ich meinen Pass her", sagte Rabbi Bodenheimer. Er ist der einzige Israeli, der unter diesem Namen im Telefonbuch erscheint, und leitet in der jüdischen Siedlung Kiriat Sefer im Westjordanland eine Religionsschule. Journalisten aus aller Welt belagerten in den letzten Tagen sein Haus in Bnei Brak, einem eher ärmlichen und dicht bevölkerten Vorort der modernen Küstenmetropole Tel Aviv.

Sollte der Mossad wirklich hinter dem Mord an Mahmud al Mabhuh in Dubai stehen, wäre das schmucklose Städtchen, in dem fast alle Einwohner die Einheitstracht religiöser Juden tragen, wohl ein perfekter Unterschlupf für einen Auftragskiller - und die harmlose Identität eines Rabbiners eine ausgeklügelte Tarnung. Doch es wird davon ausgegangen, dass im Fall Bodenheimer - genau wie in dem von sechs anderen Mitgliedern des Mordkommandos mit britischen Pässen - die Identität eines unbescholtenen Israelis gestohlen wurde.

"Rabbi Bodenheimer oder (James) Bond-Heimer?"

Auf Webseiten strengreligiöser Juden in Israel wurde sogar ohne Hemmungen über die unfreiwillige Verwicklung des frommen Rabbis in die internationale Geheimdienstaffäre gewitzelt. "Der Killer von Bnei Brak dementiert", hieß es auf der Webseite "Kikar Haschabat", die auch durch ein Fenster aufgenommene Bilder Bodenheimers zeigte, der scheinbar ungerührt die Talmud-Studien mit seinen Schülern fortsetzte. "Rabbi Bodenheimer oder (James) Bond- Heimer?", fragte ein Redakteur der Webseite "Bechadrei Chadarim" mit ironischem Unterton.

Bodenheimer selbst, der auf einem der Fotos seinen amerikanischen Pass in die Kamera hält, ließ sich von dem großen Medienwirbel nicht aus der Ruhe bringen. "Diese ganze Geschichte hat nichts mit mir zu tun und macht mir keine Angst", sagte er "Maariv". Er vertraue wie immer ganz und gar auf seinen himmlischen Schöpfer.

Sara Lemel/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel