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Anschlagsserie: "Türkei in die Hölle verwandeln"

Eine Splittergruppe der PKK hat die Verantwortung für die Anschlagsserie in der Türkei übernommen. Die Freiheitsfalken Kurdistans kündigten weitere und größere Anschläge an.

Eine Gruppe kurdischer Extremisten hat sich am Dienstag zu dem tödlichen Bombenanschlag im türkischen Badeort Antalya bekannt. Die Freiheitsfalken Kurdistans erklärten auf ihrer Website, sie hätten den Anschlag verübt, der am Montag drei Menschen das Leben gekostet hatte. Die Splittergruppe der PKK hatte sich zuvor auch zu den Anschlägen in Istanbul und Marmaris bekannt. "Wir haben versprochen, die Türkei in die Hölle zu verwandeln", hieß es in der Erklärung der Gruppe. "Die Angst vor dem Tod wird überall in der Türkei herrschen." Sie kündigte weitere und größere Anschläge an.

Unter den mehr als 20 Verletzten in Antalya waren nach Angaben türkischer Behörden auch drei deutsche Touristen. Am Dienstag ist auch das dritte Todesopfer identifiziert worden. Es sei ein 18-jähriger Schüler, den die Familie als vermisst gemeldet hatte, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf die Behörden. Die beiden anderen Todesopfer sind ein 20-Jähriger und ein Polizist im Ruhestand. Bei der Explosion im Stadtzentrum waren am Montag Dutzende von Menschen verletzt worden, darunter auch drei deutsche Urlauber sowie weitere elf ausländische Touristen aus verschiedenen Ländern.

Im südtürkischen Badeort Marmaris waren zuvor bei einer Explosion in einem Kleinbus 21 Menschen verletzt worden, unter ihnen 10 britische Touristen. Bei einem Anschlag im Istanbuler Außenbezirk Bagcilar wurden sechs Passanten verletzt.

In Antalya wird nach zwei Verdächtigen gefahndet

Die Polizei in Antalya sucht nach zwei Verdächtigen. Den Sicherheitsbehörden lägen detaillierte Beschreibungen zu den beiden Personen vor, die die Sprengsätze am Montag gelegt haben könnten, berichtete die Zeitung „Milliyet“ am Dienstag. Von der türkischen Polizei war zunächst keine Stellungnahme zu dem Bericht zu erhalten.

In der westtürkischen Hafenstadt Izmir wurde nach Angaben der Sicherheitsbehörden ein weiterer Bombenanschlag vereitelt. Dort wurden 2,5 Kilogramm Plastiksprengstoff sichergestellt und ein mutmaßliches Mitglied der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK sowie fünf Komplizen festgenommen. Der Anschlag soll parallel zu den Bombenexplosionen in Istanbul, Marmaris und Antalya geplant gewesen sein.

Die PKK wird von der Europäischen Union (EU) als Terror-Organisation betrachtet. Sie kämpft seit rund 20 Jahren für eine Unabhängigkeit der kurdischen Gebiete im Südosten der Türkei. In den vergangenen Jahren haben aber auch linksextreme und islamistische Gruppen Anschläge in der Türkei verübt.

Umbuchen sind möglich

Antalya und Marmaris sind bei Deutschen und anderen mitteleuropäischen Touristen, aber auch bei Russen und Türken als Urlaubsziel beliebt. Die Sicherheitsvorkehrungen in türkischen Touristenorten wurden verschärft, Berichte über Stornierungen von Buchungen durch Urlauber lagen zunächst jedoch nicht vor. Viele Reiseveranstalter bieten jetzt jedoch kostenlose Umbuchungen an. Neben dem größten deutschen Reisekonzern TUI wollen auch beispielsweise Thomas Cook Reisen, die Veranstalter der Rewe Pauschaltouristik, Alltours Flugreisen sowie der Türkei- Spezialist Öger Tours Kunden entsprechende Möglichkeiten einräumen.

Rund 4,2 Millionen Reisende aus Deutschland machten im Jahr 2005 in der Türkei Urlaub, so der Geschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes (DRV) Tobias Jüngert. Das seien rund 20 Prozent der ausländischen Türkei-Touristen. Bezogen auf die insgesamt 79,5 Millionen Urlaubsreisen der Deutschen komme die Türkei auf einen Marktanteil von 5,2 Prozent.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters