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Berg-Karabach-Konflikt Armenien: Polizei erlangt Kontrolle über Parlament und Regierungssitz in Eriwan zurück

Armenien Parlament Proteste
Armeniens Parlament in der Hauptstadt Eriwan wurde nach dem Abkommen mit Aserbaidschan von Protestierenden gestürmt
© Alex McBride / Getty Images
Die armenische Polizei hat die Kontrolle über den Regierungssitz und das Parlamentsgebäude in Eriwan wiedererlangt. Demonstranten hatten die Gebäude aus Wut über ein Waffenstillstandsabkommen mit Aserbaidschan im Konflikt um Berg-Karabach gestürmt.

Polizisten sicherten am Dienstagmorgen den Regierungssitz ab, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Aktivisten kündigten jedoch an, im Laufe des Tages erneut zu protestieren. Polizisten schnitten eine zum Parlament führende Straße vom Verkehr ab, anschließend wurde das Gebäude geräumt. Eine Gruppe von rund 20 Demonstranten wurde davon abgehalten, eine Straßenblockade zu errichten.    

Armenien und Aserbaidschan hatten sich in der Nacht zum Dienstag auf einen Waffenstillstand in der umkämpften Südkaukasus-Region Berg-Karabach geeinigt. Damit endeten wochenlange schwere Gefechte, bei denen mehr als tausend Menschen getötet wurden.     

Nach Bekanntgabe des Waffenstillstandsabkommens gingen in Eriwan tausende Menschen auf die Straße. Sie beschimpften Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan als "Verräter" und forderten seinen Rücktritt. Hunderte Menschen stürmten den Regierungssitz und das Parlamentsgebäude. Im Regierungssitz verwüsteten die Demonstranten Büros und zerschmetterten Fenster, im Parlament machten sie sich im Plenarsaal breit.    

Armenien und Aserbaidschan: Unterschiedliche Bewertungen des Abkommens

Das Abkommen war unter russischer Vermittlung zustande gekommen und um Mitternacht in Kraft getreten. Es sieht eine "vollständige Waffenruhe" zwischen den Konfliktparteien Armenien und Aserbaidschan vor.     

Paschinjan beschrieb die Einigung im Onlinenetzwerk Facebook als "unsäglich schmerzhaften Schritt für mich und für unser Volk". Der aserbaidschanische Staatschef Ilham Alijew bejubelte hingegen das Abkommen und sprach von einer "Kapitulation" Armeniens.    

Nach Angaben von Russlands Staatschef Wladimir Putins sieht das Abkommen vor, dass beide Seiten die derzeit von ihnen besetzten Gebiete weiter halten. Mehr als 1900 russische Soldaten sollen demnach im Rahmen einer Friedenssicherungsmission entsandt werden, um an den Frontlinien zu patrouillieren und einen Korridor abzusichern, der Berg-Karabach mit dem armenischen Staatsgebiet verbindet. 

rös AFP

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