Atom-Streit Iran schießt Rakete ins All


Neue Raketentests im Iran: Nach Angaben der iranischen Regierung hat eine Trägerrakete einen Testsatelliten ins All gebracht. Der Westen reagiert beunruhigt, denn die Technologie kann auch für Atomwaffen genutzt werden.

Der Iran hat eine weiterentwickelte Trägerrakete vom Typ "Safir Omid" (Hoffnungsbote) ins All geschossen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna am Sonntagabend berichtete, diente der Test in der Nacht zuvor der Vorbereitung eines ersten eigenen Satelliten-Transports in den Weltraum. Andere iranische Medien hatten zunächst berichtet, es sei bereits ein Satellit ausgesetzt worden. Präsident Mahmud Ahmadinedschad habe den Countdown zum Start der Rakete eingeleitet, hieß es. Der Präsident bezeichnete den Test als großen technologischen Erfolg für das iranische Volk.

Die Fähigkeit, Satelliten ins All zu bringen, markiert einen erheblichen Fortschritt im iranischen Raketen- und Raumfahrtprogramm. Die Technik bildet auch eine Voraussetzung zum Bau strategischer Waffen, die Sprengköpfe an jeden Punkt der Welt transportieren könnten. Das Raketenprogramm Teherans wird daher in vielen Ländern mit Sorge betrachtet. Im Westen wird befürchtet, dass der Iran unter dem Deckmantel der friedlichen Kernenergie-Nutzung für diese Raketen nukleare Sprengköpfe herstellen will.

Einsatz auch für Spionage

Nach Angaben der Führung in Teheran soll sich das Raketenprogramm vor allem auf wissenschaftliche Bereiche konzentrieren. Binnen zwei Jahren sollen vier Satelliten ins All gebracht werden, die den Angaben zufolge in der Telekommunikation sowie zur Beobachtung von Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Hochwasser eingesetzt werden sollen. Es wird jedoch erwartet, dass die Satelliten auch zur Spionage genutzt werden können, vor allem zur Beobachtung der Lage im Nachbarland Irak und in Afghanistan, wo umfangreich ausländische Truppen stationiert sind.

Die jetzt verwendete Rakete vom Typ "Safir Omid" ist eine Weiterentwicklung der "Kavoshgar 1" (Forscher), die erstmals im Februar getestet worden war. Die Bilder vom Start in der Nacht zum Sonntag wurden im iranischen Fernsehen mit patriotischen Liedern unterlegt. 2005 war der erste iranische Satellit noch mit russischer Technik ins All gebracht worden.

Seit Jahren hat der Iran ein strategisches Raketen-Arsenal aufgebaut. Auf der Basis hauptsächlich von Nordkorea gelieferter Scud-Raketen wurden bis zu 750 Schahab ("Komet")-Kurzstrecken-Raketen entwickelt. Schahab-1 und Schahab-2 haben mehrere hundert Kilometer Reichweite. Bis zu 2000 Kilometer - und damit weit über Israel hinaus bis in den Mittelmeerraum - reicht die aus der nordkoreanischen Nadong entwickelte Schahab-3. An einer noch weiter reichenden Schahab-4-Rakete wird nach iranischen Angaben bereits gebaut.

Die Bundesregierung reagierte mit Kritik auf den Start der iranischen Trägerrakete ins All. Falls die Meldungen aus dem Iran zutreffen sollten, sei dies kein Beitrag, um zerstörtes Vertrauen zwischen Deutschland und Teheran wieder aufzubauen, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit. Allerdings schränkte ein Ministeriumssprecher ein, der Bundesregierung lägen keine eigenen Erkenntnisse über einen derartigen Raketenstart vor.

DPA DPA

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