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Atomstreit: "Atomprogramm mit aller Macht fortführen"

Bis zum 31. August soll der Iran gemäß der UN- Resolution sein Urananreicherungsprogramm einstellen. Wenige Tage vor Ablauf dieser Frist hat Präsident Mahmud Ahmadinedschad eine neue Schwerwasseranlage eingeweiht

Offiziell dient die Anlage medizinischen und landwirtschaftlichen Zwecken, doch wird Schwerwasser auch in Schwerwasserreaktoren eingesetzt und dabei fällt Plutonium als Abfallprodukt an, das zum Bau von Atomwaffen verwendet werden kann. "Der Westen soll sich bloß keine Mühe machen, da die Entscheidung bereits gefallen ist und der Iran sein Atomprogramm definitiv mit aller Macht weiterführen wird", sagte Ahmadinedschad nach Besichtigung der Anlage. Die neue Anlage sei darüber hinaus ein Zeichen dafür, dass die iranischen Wissenschaftler konsequent ihren Weg weitergehen und sich von den "Feinden der Nation" nicht einschüchtern lassen. "Und ich werde als Vertreter dieser Nation dieses Recht auch umsetzen, und keiner kann diesen Weg blockieren", so der Präsident.

Die klaren Worte Ahmadinedschads, die wohl auch bis zur UN-Frist nächsten Donnerstag kaum revidiert werden, könnten nicht nur die harte US-Position im Atomstreit stärken, sondern auch Irans Verbündete China und Russland dazu bewegen, ihre anfänglichen Zweifel an Sanktionen gegen den Iran zu überdenken. Auch die westlichen Anreize, die Iran zu einer Einstellung seiner Urananreicherung bewegen sollten, scheinen fehlgeschlagen zu haben. "Wie werden unseren wissenschaftlichen Fortschritt mit nichts in der Welt eintauschen," sagte Ahmadinedschad. Der iranische Präsident fordert zwar immer noch Verhandlungen mit dem Westen, auf Zugeständnisse einlassen will er sich aber nicht.

Keine Furcht und keine Geheimnisse

Während Kritiker sich nach Eröffnung der Anlage zunehmend besorgt äußerten, jubelten die staatlichen Medien. "Ein ganz kluger Schachzug," kommentierte das staatliche Fernsehen. "Wie haben bewiesen, dass wir auch kurz vor der UN-Frist unser Atomprogramm wie geplant weiterführen, weil wir erstens keine Angst und zweitens keine geheimen Projekte haben."

Ahmadinedschad selbst sagte bei der Einweihung, dass die Präsenz der westlichen Presse die friedliche Natur der iranischen Atomprojekte im allgemeinen und der Anlage in Arak im besonderen beweise. Die Regierung hatte eine kleine Gruppe westlicher Journalisten nach Arak eingeladen, fotografieren und filmen durften sie aber nur das, was ihnen von offizieller Seite erlaubt wurde.

"Der Iran fängt an sich zu überschätzen," meint ein osteuropäischer Diplomat in Teheran. "Dieses Selbstvertrauen wird langsam zu einem gefährlichen Spiel, das letztendlich das Land nicht nur in eine internationale Isolierung, sondern auch in einen Militärkonflikt treiben könnte," so der Diplomat. Aber Präsident Ahmadinedschad scheinen solche Perspektiven wenig zu stören.

Farshid Motahari/DPA

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