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Ausland: UN-Chefinspekteure in Bagdad eingetroffen

Mit Gesprächen der UN-Chefinspekteure in Bagdad ist der Irak-Konflikt am Sonntag in die über Krieg oder Frieden entscheidende Phase getreten. Bereits am 27. Januar erstatten sie dem UNO-Sicherheitsrat Bericht über ihre Kontrollen.

UN-Chefinspekteur Hans Blix und der Direktor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Mohammed El Baradei, sind gut eine Woche vor ihrem Bericht an den Weltsicherheitsrat in Bagdad eingetroffen. Blix und El Baradei brachten eine lange Liste mit Fragen zur irakischen Rüstung und die Forderung nach einer aktiveren Zusammenarbeit nach Bagdad mit. Beide werden in einer Woche, am 27. Januar, dem Sicherheitsrat über das Ergebnis der Inspektionen berichten.

Blix: Krieg ist nicht unvermeidlich

Blix sagte am Sonntag nach seiner Ankunft in der irakischen Hauptstadt Bagdad: „Wir glauben nicht, dass ein Krieg unvermeidlich ist. Wir denken, dass der Inspektionsprozess, den wir durchlaufen, die friedliche Alternative ist und sie erfordert eine sehr aktive irakische Kooperation“. Blix will in Bagdad gemeinsam mit dem Chef der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA), Mohamed ElBaradei, Vertreter der irakischen Führung treffen. Für den Nachmittag war ein Treffen mit Außenminister Nadschi Sabri geplant.

El Baradei mahnt Fortschritte an

Ob es zu dem von den USA angedrohten Krieg kommen wird, hängt nach den Worten El Baradeis entscheidend von „den Fortschritten ab, die wir in den nächsten wenigen Wochen erzielen“. Die Akte zur Frage irakischer Massenvernichtungswaffen müsse geschlossen werden, sagte der Leiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). „Wir müssen Fortschritte vorzeigen, weil die internationale Gemeinschaft sehr ungeduldig wird.“

Kritik an Aufbewahrung von Atomdokumenten

ElBaradei kritisierte, dass als geheim eingestufte Dokumente über die Entwicklung von Atomwaffen im Privathaus eines Wissenschaftlers aufbewahrt wurden. Damit stelle sich die Frage, ob es noch mehr solche Dokumente gebe, sagte er und fügte hinzu: „Ich hoffe, dass Irak die Initiative ergreift und damit heraus rückt.“ Die bei der Befragung des irakischen Physikers Faleh Hassan entdeckten Dokumente enthalten nach Angaben ElBaradeis Informationen über eine Ende der 80er Jahre geplante Anreicherung von Uran mit Hilfe von Laserstrahlen.

Forscher wiegelt ab

Hassan erklärte am Samstag, die Dokumente stammten aus persönlichen Forschungsvorhaben und Arbeiten seiner Studenten. Dies sei den Vereinten Nationen bereits 1991 vorgelegt worden, so dass das Material nichts Neues enthalte.

Als Leiter der UN-Mission zur Abrüstung in Irak (UNMOVIC) erklärte Blix, die irakische Führung habe nicht ausreichend mit den UN-Inspektoren zusammengearbeitet. „Wir werden ihnen den Ernst der Situation vor Augen führen“, sagte Blix. „Die Welt will die Zusicherung haben, dass Irak frei von Massenvernichtungswaffen ist.“

Inspektionen abgebrochen

Die UN-Experten besichtigten am Samstag mindestens sechs Anlagen, darunter Nahrungsmittellager des Handelsministeriums im Zentrum von Bagdad. Eine geplante Inspektion im Norden des Landes wurde aus Sicherheitsgründen gestoppt, weil die irakischen Verbindungsoffiziere zu den Vereinten Nationen darauf bestanden, einem UN-Team mit dem Hubschrauber zu folgen. Im Norden wie im Süden Iraks patrouillieren amerikanische und britische Flugzeuge, um das von beiden Staaten verhängte Flugverbot zu überwachen. Ein UN-Vertreter bezeichnete das irakische Beharren auf Begleitung der Inspekteure als indirekte Einmischung.

Wie lange die am 27. November aufgenommenen Inspektionen nach dem Bericht am 27. Januar noch fortgesetzt werden sollen, ist unklar. Die USA haben in der Golfregion mehrere zehntausend Soldaten sowie zahlreiche Kriegsschiffe und Flugzeuge stationiert und drohen mit einer gewaltsamen Entwaffnung Iraks, falls die Regierung nicht freiwillig auf Massenvernichtungswaffen verzichtet. In Deutschland, anderen europäischen Ländern und auch in den USA selbst gingen am Wochenende zahllose Kriegsgegner auf die Straße und forderten eine friedliche Lösung des Konflikts.