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AWACS-Stützpunkt: «Weit weg vom Irak und so nahe dran»

Die NATO-Staaten haben sich darauf geeinigt, Militärhilfe für die Türkei vorzubereiten. Jetzt wird es auch am AWACS-Stützpunkt in Geilenkirchen unruhig.

Captain Jonathan Riley ist freundlich und sachlich wie immer. Der NATO-Beschluss habe keine Auswirkungen auf den Betrieb des AWACS-Stützpunktes, gibt er wie schon oft in diesen Tagen Auskunft: "Wir haben noch keinen Befehl." Seit der Einigung der NATO-Staaten am vergangenen Wochenende, eine Militärhilfe für die Türkei vorzubereiten, klingelt in dem Pressebüro der NATO-Air-Base häufig das Telefon.

Ein Drittel der Besatzung sind Deutsche

Das Interesse der Medien ist angefacht. Denn ein wesentlicher Bestandteil der angeforderten Unterstützung für die Türkei sind die in Geilenkirchen bei Aachen stationierten Radar- und Aufklärungsflugzeuge vom Typ AWACS. Ein Drittel der Besatzung sind Deutsche.

Ein tatsächlicher Einsatz ist für die Menschen am Stützpunkt aber noch weit entfernt. "Das sind doch alles ungelegte Eier", sagt Nicole Thiele. Die junge Frau wohnt mit ihrem Mann und drei kleinen Söhnen in der Siedlung am Flugplatz. Wenn die Fenster offen stehen, hört sie das Warmlaufen der AWACS-Triebwerke vor dem Start.

"Normaler" Sicherheitsstandard existiert nur noch auf dem Papier

Ihr Mann ist einer von 3000 Menschen aus zwölf Nationen, die auf dem Flugplatz ihr Geld verdienen - allerdings als Zivil-Angestellter der Bundeswehr. Von einem Einsatz in der Türkei wäre er nicht betroffen. Bedrückend ist für sie trotzdem die Vorstellung eines drohenden Krieges: "Wenn man sieht, wie viele Menschen am Wochenende demonstriert haben - wer will schon Krieg", sagt sie nachdenklich.

Nur einige hundert Meter vom Haus der Familie entfernt kontrolliert ein Sicherheitsposten die Autofahrer am Haupttor zum Flugplatz. Nach den Anschlägen am 11. September existiert der "normale" Sicherheitsstandard nur noch auf dem Papier. Nach überaus scharfen Kontrollmaßnahmen gilt seit Wochen nur noch die leicht erhöhte Sicherheitsstufe "A".

Bei seinen Jogging-Runden am Flugplatz nimmt Herbert Mingers auch kleine Veränderungen wahr. So werde seit einigen Wochen in Bereichen Patrouille gefahren, wo vorher niemand zu sehen war, sagt der Mann aus Geilenkirchen. Es ist dieses "komische Gefühl", das ihn beunruhigt. "Wir sind doch so weit weg vom Irak und doch so nahe dran."

"Bis zum Äußersten um den Frieden kämpfen"

Die Stadt Geilenkirchen mit rund 27 000 Einwohnern liegt rund drei Kilometer vom Flugplatz entfernt. Am kommenden Freitag soll eine Friedensdemonstration stattfinden. Die Resonanz sei im Vorfeld schon ungewöhnlich groß gewesen, sagt der katholische Pfarrer Winfried Müller, einer der Organisatoren. "Die Demonstration ist nicht gegen die AWACS gerichtet. Es geht darum, um den Frieden bis zum Äußersten zu kämpfen", betont er.

Rund 1000 Amerikaner leben in der kleinen Stadt. "Das ist ein sehr gutes Miteinander", stellt der Pfarrer fest. Die AWACS-Maschinen als Mittel zur Verteidigung zu verstehen, habe sicher dazu beigetragen. Das könnte sich bei einem Irak-Krieg ändern - nämlich dann, wenn die Aufklärungsflugzeuge in einen Angriff eingebunden werden, sagt er.

Elke Silberer / DPA
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