HOME

Bani Walid: Rebellen lauern auf den Angriff

Gaddafis Gegner sind bereit zum Angriff auf seine letzten Bastionen. Das Ultimatum läuft aus. Ob der Diktator aber wirklich in der Wüstenstadt Bani Walid ist?

Muammar al Gaddafis Gegner sind bereit zum Angriff: Die Kämpfer der neuen Führung in Libyen stehen vor der Wüstenstadt Bani Walid im Norden des Landes. Dort wurde zuletzt der abgesetzte Diktator vermutet, hier ist eine seiner letzten zwei Bastionen neben seiner Geburtstadt Sirte. Wann und ob die Offensive überhaupt folgt, ist unklar. Wenn letzte Verhandlungen mit den Stammesführern der Warfalla nichts brächten, werde die Stadt angegriffen, sagte ein örtlicher Kommandeur der Nachrichtenagentur AFP. Die Verhandlungen seien beendet, seine Kämpfer hofften, dass es keinen Widerstand gebe, sagte dagegen der Unterhändler des libyschen Übergangsrates, Mahmud Abdul Asil den Kollegen von Reuters. Die Kämpfer rückten auch weiter auf Sirte vor. Dort werde noch verhandelt, hieß es.

"Alles wird von den Verhandlungen abhängen. Wenn sie sich weigern (aufzugeben), dann werden wir vorrücken. Wenn die Verhandlungen gut verlaufen, werden wir ohne Kämpfe in die Stadt einziehen", sagte Abdul Rassak Naduri, stellvertretender Leiter des Militärrates von Tarhuna, das auf halben Weg zwischen Tripolis und Bani Walid liegt. Er betonte, es handle sich um "die letzte Chance" für Gaddafis Anhänger. Naduri hatte Bani Walid am Samstag zunächst bis Sonntag 10 Uhr (Ortszeit und MESZ) gegeben, sich zu ergeben. Kurz vor Naduris Ankündigung weiterer Verhandlungen hatte der Kommandeur des Kontrollpostens Tschitschan rund 70 Kilometer nördlich von Bani Walid, Mohammed el Fassi, die Gespräche mit den Gaddafi-Kämpfern für beendet erklärt. "Diese Leute sind nicht ernstzunehmen. Sie haben uns zweimal versprochen, aufzugeben und diese Versprechen nicht eingehalten." Die Kämpfer würden sich jetzt auf einen Angriff auf Bani Walid vorbereiten. Der Innenminister des Übergangsrates, Ahmed Dharrat, sagte, Bani Walid werde "heute oder morgen" befreit.

Nahe der Wüstenstadt gab es in der Nacht zum Sonntag bereits vereinzelt Gefechte, wie ein Sprecher des Nationalen Übergangsrates sagte. In der Stadt selbst soll es aber noch keine Kämpfe gegeben haben. Nach Angaben von geflüchteten Bewohnern haben viele Gaddafi-Kämpfer Bani Walid inzwischen verlassen und sich mit schweren Waffen in die Berge zurückgezogen. Mehrere Vertraute des flüchtigen Gaddafi sowie sein Sohn Saadi sollen sich in der rund 180 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Tripolis gelegenen Stadt aufhalten. Die Stadt galt auch als mögliches Versteck von Gaddafi selbst, Vertreter des Übergangsrats vor Ort vermuten ihn aber inzwischen nicht mehr dort. Der Vertreter des Nationalen Übergangsrats in London, Guma el Gamati, sprach sich für den Fall der Ergreifung Gaddafis gegen einen Prozess vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag aus. Gaddafi müsse in Libyen der Prozess gemacht werden, sagte er dem Rundfunksender BBC. Dabei dürfe es nicht nur um mögliche Verbrechen während der vergangenen sechs Monate gehen, wie es Den Haag plane, sondern um die gesamte 42 Jahre währende Herrschaft.

ben/AFP/Reuters / Reuters