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Pandemie: "Trostloses Bild" – Bill Gates wirft US-Regierung Versagen im Kampf gegen Corona vor

In den USA hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen einen Höchststand erreicht. Nach Ansicht von Bill Gates, der sich seit Jahren im Kampf gegen Epidemien engagiert, liegt das auch an der US-Regierung, die zu wenig gegen die Pandemie unternehme.

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Bill Gates wirft der US-Regierung vor, nicht genug gegen das Coronavirus zu tun. Sowohl das Land als auch der Rest Welt würden angesichts der Pandemie ein noch trostloseres Bild abgeben, als er erwartet hätte, sagte der Multimilliardär im Sender CNN. Die Tatsache, dass in den Vereinigten Staaten immer noch Menschen sterben würden, zeige, dass der Kampf gegen das Virus nicht annähernd ausreichend sei. "Man könnte sehr, sehr schnell die Anzahl der Tests erhöhen. Einige Länder haben das ja auch schon sehr gut hingekriegt und auch die Technologie wird besser. Aber insbesondere in den USA mangelt es an Koordination und den richtigen Botschaften seitens der Führung."

Rekord an Corona-Infektionen in den USA

Erst am Donnerstag wurde mit rund 40.000 gemeldeten Fällen ein Höchststand an Corona-Neuinfektionen erreicht. Der bisherige Rekordwert von rund 36.400 Neuinfektionen an einem Tag stammt vom 24. April. Vor zwei Wochen lagen die täglich gemeldeten Infektionszahlen bei etwas mehr als der Hälfte des aktuellen Wertes. US-Präsident Donald Trump spielte die steigenden Fallzahlen schon vor Bekanntwerden des aktuellen Rekords herunter. "Wenn wir nicht testen würden, hätten wir keine Fälle", sagte Trump in einem Interview des Senders Fox News. Gates wies diese Behauptung bei der Gesprächsrunde auf CNN zurück. Zu sagen, mehr Tests führten zu zunehmenden Infektionsfällen sei "völlig falsch".

Trump sagte, die USA hätten bislang rund 30 Millionen Menschen auf das Virus getestet, mehr als jedes andere Land der Welt. Seine Einschätzung zufolge geht darauf die hohe Zahl der nachgewiesenen Infektionen in den USA zurück. Die meisten Corona-Tests mit mehr als zehn Prozent auf eine Million Einwohner werden derzeit jedoch in Russland, Großbritannien und Spanien durchgeführt, die USA liegen weltweit auf Platz fünf.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat noch schlechtere Nachrichten. Demnach infizierten sich sich rund zehnmal mehr Menschen mit dem Coronavirus  als bislang bekannt. Der Direktor der CDC, Robert Redfield, sagte jetzt: "Das ist vor allem auf asymptomatische Infektionen zurückzuführen und darauf, dass in den USA in den ersten Monaten des Ausbruchs deutlich weniger getestet wurde als jetzt. Mit den Methoden, die wir im April und Mai benutzt haben, haben wir wahrscheinlich nur rund zehn Prozent der Infektionen registriert." Laut der Behörde gibt es derzeit mehr als 2,3 Millionen bekannte Corona-Infektionen - das sind mehr nachgewiesene Fälle als in jedem anderen Land der Welt. Mehr als 121.000 Menschen sind in den USA an der Covid-19-Erkrankung gestorben.

Maskentragen ist keine politische Meinung

Bill Gates kritisierte auch das Verhalten vieler Amerikaner. Speziell diejenigen, die sich weigerten eine Maske zu tragen. "Es ist sehr unglücklich, dass einige Leute das Gefühl haben, dass das eine Art politische Meinung ist." Der Gründer von Microsoft spendet seit vielen Jahren Teile seines Vermögens für den Kampf gegen Infektionserkrankungen. Zuletzt hatte er mit 100 Millionen Dollar die Forschung nach einen Impfstoff unterstützt. Seiner Ansicht nach könnte bereits Ende des Jahres, Anfang 2021 ein Mittel gegen das Coronavirus geben. Er warnte allerdings vor zu großen Optimismus. "Es ist nicht garantiert, dass ein Impfstoff ein perfekter Schutz sein wird."

Quellen: DPA, AFP, Statista, CNN

nik